Your Army - Sicker Than Us - Cover
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Your Army Sicker Than Us


  • Label: Intono Records/Rough Trade
  • Laufzeit: 42 Minuten
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3.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn Banalität zum echten Ärgernis gerät.

Warum latschen Bands immer wieder auf ausgetretenen Pfaden großen Interpreten hinterher, wenn sie das Niveau ihrer Vorgänger ohnehin nicht einmal auf Zehenspitzen erreichen können? Warum begreift niemand, dass gut selber gemacht immer besser ist als schlecht geklaut? Und vor diesem Hintergrund: Warum um alles in der Welt gibt es Alben wie „Sicker Than Us“?

Im Jahr 2013 veröffentlichten Your Army aus Brighton in England „Ignite“ und sorgten damit zumindest stellenweise für durchaus positive Kritiken. Aus deutscher Sicht drängt sich einem der Vergleich mit den Guano Apes quasi auf, nicht nur weil Sängerin Lucy Caffrey Apes-Röhre Sandra Nasic nicht unähnlich klingt. Wie auf den letzten Alben der ehemaligen „Loards Of The Boards“, dominiert auch auf „Sicker Than Us“ vom Anfang bis zum Ende das untere Mittelmaß: Kein Refrain erzeugt auch nur den Hauch von Emotion, keine Zeile geht über seichte Banalitäten wie „I Will always Be Your Girl“ hinaus, keine Gitarre und kein Schlagzeug ragen auch nur für eine Sekunde aus dem Einheitsbrei simplifizierten Girlie-Rocks heraus. Manchmal ist Belanglosigkeit ärgerlicher als komplettes Versagen.

Da ist es schon fast wieder faszinierend, dass es einer Band gelingt, fast eine Dreiviertelstunde so laut rockend aufzuspielen und dabei trotzdem so unauffällig zu bleiben, dass einem auch nach mehreren Durchläufen nicht ein einziger Song oder auch nur eine Passage im Gedächtnis geblieben ist. Zugegeben, wer die inzwischen ebenfalls über die Maße überflüssigen Guano Apes auch 2015 noch auf einen Rock-Thron hievt und zu „Open Your Eyes“ auf den Festivals der Republik zappelt, wird mit „Sicker Than Us“ sicherlich etwas anzufangen wissen. Es sei jedoch ausdrücklich gewarnt: Songs wie „Brain“, „Stay“ oder - ganz schlimm - „Monster“ sind dermaßen uninspirierter Randale-Rock, dass selbst die Outputs von Nickelback und Bon Jovi wie vielschichtige Progressive Music klingen.

Bleibt das abschließende Dilemma: Etwaige Anspieltipps, die dem Leser die hellen Momente eines noch so dunklen Albums ans Herz legen. Hier sei ein kleiner Kniff erlaubt: „Brave“ ist zwar nur unwesentlich spannender als der Rest der Platte, versucht aber immerhin gar nicht erst, ein treibender Rocksong zu sein, sondern kommt als wabernder und beschwörerischer Track daher, unterlegt mit einer angenehm intonierenden Lucy Caffrey. Und das reicht dann tatsächlich aus, um aus dem Rest von „Sicker Than Us“ hervorzustechen.

Anspieltipps:

  • Brave

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