The Midnight Ghost Train - Cold Was The Ground - Cover
Große Ansicht

The Midnight Ghost Train Cold Was The Ground


  • Label: Napalm Records
  • Laufzeit: 40 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Tom Waits und Kirk Windstein machen gemeinsame Sache? Warum eigentlich nicht!

Es ist eigentlich kein Wunder, dass es sich bei The Midnight Ghost Train um drei Herrschaften (Steve Moss (Gesang, Gitarre), Mike Boyne (Bass) und Brandon Burghart am Schlagzeug) handelt, die ihren musikalischen Output in sumpfige Sludge- und Stoner-Rock-Gefilde verorten lassen, kommt der Dreier schließlich aus Kansas, wo der darin fließende Missouri River nicht umsonst „Big Muddy“ genannt wird. Abgesehen davon hört es sich mit den Oberflächlichkeiten aber schon wieder auf, denn das Trio legt mit seinem dritten Album „Cold Was The Ground“ eine beißend-schwüle, wenn auch relativ simpel gestrickte Angelegenheit vor, bei der die Feinheiten im Detail stecken. Musikalisch in der Schnittmenge von Queens Of The Stone Age, Bison B.C., den frühen Clutch und dem kompletten Rattenschwanz an Bands, der sich um Kirk Windstein geschlungen hat (Crowbar, Down, Kingdom Of Sorrow), befindlich, vergessen The Midnight Ghost Train dennoch nicht, darauf ein paar eigene Farbspritzer der schlammigen und dreckigen Masse beizufügen.

Angefangen bei einem stark von Led Zeppelin beeinflussten Schlagzeuger, über bluesinfizierte Gitarrenriffs, die mal in die Hardrock-Sphären von Deep Purple abtauchen, mal spielerisch das Vermächtnis von Jimi Hendrix ehren, bis hin zum grummeligen Gesang von Moss, der wohl etwas zu oft von der dunklen Seite der „Bone Machine“ (09/1992) eines gewissen Tom Waits genascht hat (am offensichtlichsten ist dies in der Spoken Word-Einlage „The little sparrow“), der dritte Schlag der Kansas-Truppe ist sich stets seiner Wurzeln bewusst. Im Vergleich zu vielen anderen Bands, wo dies allzu schnell zu einer künstlerischen Abhängigkeit und in weiterer Folge in eine Sackgasse führt, spielen sich The Midnight Ghost Train einfach frei, denn bevor ein Song zu lange auf ein und demselben Riff verharrt, wird kurzerhand das Tempo gedrosselt oder angezogen, der ohnehin allgegenwärtige Groove verschärft oder ein zappeliges Solo vom Stapel gelassen.

Langeweile ist hier jedenfalls ein Fremdwort und auch wenn Sänger Moss oftmals nicht mehr ist als der aus dem Hintergrund brummende Kommandant seiner Instrumentenarmee, der zum Angriff bläst („Straight to the north“, „The canfield“) oder durch enge Tempopassagen („Twin souls“) und Rhythmusspielchen führt („Arvonia“), so handelt es sich bei „Cold Was The Ground“ stets um einen gemeinschaftlichen Erfolg, bei dem ein zackiges Fuzzriff vollkommen natürlich in einen dröhnenden Basslauf hineingrätscht und das Schlagzeug in lässiger Manier seinen Senf dazu abgibt. Wirkliche Aha-Momente oder großartige Innovationen fehlen zwar, diese wären bei der absolut stimmigen und runden Angelegenheit, die The Midnight Ghost Train bieten, aber ohnehin völlig fehl am Platz. Der Dreier besticht durch fast schon beängstigende Natürlichkeit und Spielfreude, die sich sowohl in den einfallsreichen Pressefotos als auch in jeder Sekunde hörbar im dritten Werk niederschlagen. Wer die Jungs noch nicht kannte, darf sie sich als Geheimtipp demnächst in den Warenkorb legen. Alle anderen wissen, was zu tun ist!

Anspieltipps:

  • Arvonia
  • Twin Souls
  • Straight To The North

Neue Kritiken im Genre „Hardrock“
7.5/10

Lucifer II
  • 2018    
6/10

A Dying Machine
  • 2018    
Diskutiere über „The Midnight Ghost Train“
comments powered by Disqus