Eggs Laid By Tigers - This Red-Eyed Earth - Cover
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Eggs Laid By Tigers This Red-Eyed Earth


  • Label: ILK/CARGO
  • Laufzeit: 45 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Die dänischen Tigereier vertonen abermals Dylan Thomas. Ihr Konzept geht auf.

Im Jahr 2014 wäre Dylan Thomas 100 Jahre alt geworden. Der walisische Schriftsteller war nicht nur ein Großer seiner Zunft, er war auch dem Alkohol verfallen. Diese Tatsache und dass er bei seinen USA-Reisen im Chelsea Hotel im Greenwich Village abstieg, ließen ihn auch im Beat-, Jazz-, Folk- und Popzirkus zur Legende werden. Die musikalische, raue, aber auch sinnliche Sprache seiner Gedichte, verführte wiederholt Bands und Solokünstler dazu, diese in Songs zu transformieren. Dabei taten sich bislang Hansonis mit seinem Album „Drink And Drive With Dylan Thomas“ sowie John Cale mit seiner LP „Words For The Dying“ (mit drei Dylan Thomas Interpretationen) hervor.

Die Dänen Eggs Laid By Tigers betraten 2014 die Dylan Thomas-Bühne und beschenkten das entsprechende Publikum zu dessen Hundertsten mit der Platte „Under The Mile Off Moon“, das Art-Pop mit Folk-Jazz verband. Den Bandnamen entlehnten sie einem Zitat von Dylan Thomas und der Aufnahmeprozess des aktuellen „The Red-Eyed Earth“ wurde strikt analog vollzogen. Wie lange sie es wohl durchhalten werden, ausschließlich Thomas-Texte in ihr Repertoire aufzunehmen?

Es wird sich zeigen. Nehmen wir uns erst mal das Zweitwerk vor die Brust, bei dem den Dänen die Umsetzung der Gedichte noch organischer geriet als beim hörenswerten Erstling. Der wortgewaltigen Kunst des Dichters wird hier ein vielschichtiges Klangkleid verpasst, das im Ganzen ein Gemälde für die Ohren ergibt. Dem verhaltenen Auftakt „Lift Up Your Face“ folgt „Do Not Go Gentle Into That Good Night“, das auf Piano- und Akustikgitarren-Figuren basiert und sich mit weich-warmen Harmoniestimmen, Gitarren und Keyboards nach und nach emporschwingt, um schließlich im Gleitflug zur Erde zurückzukehren.

Das epische „Our Eunuch Dreams“ entwickelt sich über acht Minuten zu einem Vexierspiel aus Wort- und Klangkunst. „The Molls“ ist Folk-Jazz mit funkelndem Rhodes-Piano und „You Shall Not Despair“ formt aus E-Gitarre und E-Piano eine herrliche Pop-Ballade. Den Blues hat „Sometimes The Sky’s Too Bright“, der vom mehrstimmigen Gesang aufgehellt wird. Zum Finale werden „Nearly Summer“ und „Here Lie The Beasts“ sanft und gitarrenbetont präsentiert, lassen das Album poetisch ausklingen.

Der dänischen Band ist eine formschöne Umsetzung der Gedichte von Dylan Thomas gelungen. Ihr Konzept geht auf, ist ungekünstelt und fügt den poetischen und wortgewaltigen Texten eine neue Seite hinzu.

Anspieltipps:

  • Do Not Go Gentle Into That Good Night
  • Our Eunuch Dreams
  • You Shall Not Despair
  • Here Lie The Beasts

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