Oonagh - Aeria - Cover
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Oonagh Aeria


  • Label: Electrola/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 50 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Was uns hier nun widerfährt, das ist schon einen Asbach Uralt wert.

Nur 14 Monate nach ihrem Debütalbum schlägt Senta-Sofia Delliponti alias Oonagh (24) mit „Aeria“ das nächste Kapitel ihres bedeutungsschwangeren Ethno-Pop-Fakes auf. Nachdem „Oonagh“ (01/2014) als „Attea Ranta Second Edition“ (11/2014) noch einmal schnell fürs Weihnachtsgeschäft aufgewärmt worden war und am Ende mehr als 100.000 verkaufte Einheiten zu Buche standen, was eine Gold-Auszeichnung bedeutet, kann attestiert werden, dass die Lieder aus der Welt der Elfen, Magier und Hexen zumindest kommerziell gefruchtet haben. Das Gesetz des Marktes besagt in so einem Fall, dass schnell eine Fortsetzung her muss. Meistens dauern Wunder nämlich nicht sehr lange an.

Und hier ist er nun, der zweite Aufguss der Berliner Sängerin und Schauspielerin, der wiederum mit orchestralen Klanglandschaften beim jungen „Herr der Ringe“- und „Der Hobbit“-Publikum hausieren geht. Die Produktion ist perfekt bis ins Detail. Mit pumpenden Bässen, großen Chören, diversen Keyboard- und Streicher-Schichten sowie der obligatorischen Panflöte im Anschlag, werden seltsame Wortkreationen aus dem Elbischen, vermischt mit pathetischen deutschen Texten in eine musikalische Form gegossen, die nur eines sein soll: Auf Biegen und Brechen eingängig.

Mit den elbischen Gesängen klappt dies durchaus. Hier macht der Klang der Worte die Musik. Wirklich verstehen muss dazu niemand etwas. Auf diese Weise schwingt sich Oonagh zur One-Woman-Santiano des Ethno-Pop auf, ohne dass der Hörer ihr dafür böse sein kann („Ananau“, „Eccaia”). Problematisch wird es immer dann, wenn die deutschsprachigen Texte klar verständlich im Mittelpunkt stehen und sich als bloßes Esoterik-Geschwurbel herausstellen („Deine Seele vom Wind genomm‘ und den Glanz deiner Augen stahl die ewige Stille davon. Vor den Wächtern der Nacht ruf ich dir nach bis die Stille zerbricht, solang rufe ich dich. Mach die Schleier der Welten auf, geh den Weg meiner Stimme und komm mit mir nach Haus“). Dann wirkt „Aeria“ wie eine Sitzung beim Psychotherapeuten mit anschließendem Musical-Besuch.

Apropos Santiano. Nicht nur dass Oonagh als Tour-Support der fünf Seemannslieder-Schmetterer mit dabei war und das eine oder andere Santiano-Mitglied im Hintergrund an den Oonagh-Songs im Studio herumschraubt, auch auf „Aeria“ findet zusammen, was zusammen gehört. Gemeinsam mit OOMPH! und eben Santiano schallt Oonaghs „So still mein Herz“ aus den Lautsprechern – und es passt wie Arsch auf Klobrille. Auch Stücke wie „Lied der Zeit“ oder auch „Sie singt für die, die sie nicht hören“ sind durchaus stimmig.

Insgesamt ist die deutsch-elbische Fantasiewelt der Senta-Sofia Delliponti erträglicher geworden als auf dem Debüt. Trotzdem schrammen viele Songs nur hauchdünn an der Kasper-Klatsche vorbei, sodass der Hörer immer wieder nur schmunzelnd zur Kenntnis nehmen kann, was in Bezug auf künstlerische Freiheit alles durch den Kaninchendraht schlüpfen kann.

Anspieltipps:

  • Eccaia
  • Ananau
  • Ainulindale
  • Lied der Zeit
  • So still mein Herz
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