Big Star - Nothing Can Hurt Me - Cover
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Big Star Nothing Can Hurt Me


  • Label: Universal
  • Laufzeit: 111 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
4/10 Leserwertung Stimme ab!

The Definitive Story Of The Greatest Band That Never Made It.

„Have you ever heard of a band called Big Star?” Der Satz, der sich wie ein Running Gag durch den Dokumentationsfilm „Big Star: Nothing Can Hurt Me” zieht, war leider bittere Realität für die im Jahr 1971 in Memphis, Tennessee, gegründete Gruppe mit dem etwas dick auftragenden Bandnamen Big Star. Sie bestand aus den Musikern Chris Bell (Gitarre, Gesang), Alex Chilton (Gitarre, Gesang), Andy Hummel (Bass) und Jody Stephens (Drums), die Ende der 60er Jahre erste Berührungen mit professioneller Musik hatten und als gemeinsame Gruppe als das nächste große Ding der Rockmusik gehandelt wurden. Doch daraus wurde nichts.

Big Star arbeiteten in nächtlichen Sessions in den Ardent Studios in Memphis, die im Jahr 1972 in einen neuen High-Tech-Studio-Tempel in der Madison Avenue umgezogen waren und entwickelten dabei Songs, die schon bald das Interesse des Studiomanagers weckten. Als das Label Stax Records im Jahr 1971 ein Sub-Label für Rockmusik gründen wollte, wurde dazu kurzerhand Ardent Records ins Leben gerufen, mit dem Big Star ihren ersten Plattenvertrag unterzeichneten. Das Debüt „#1 Record“ (06/1972) entstand, verkaufte aber weniger als 10.000 Einheiten. Es war der Horror. Alle, die die Songs von Big Star hörten, hatten hohe Erwartungen, doch als die Platte erschien, bekamen es selbst die Menschen im heimischen Memphis kaum mit.

Die Band hatte ein tolles Album geschaffen, erhielt gute Kritiken, aber der Vertrieb schaffte es nicht, die Plattenläden landesweit mit dem Album zu versorgen. Was Chris Bell, dem Bandleader und der treibenden Kraft hinter Big Star, noch mehr ärgerte, war, dass Bandkumpel Alex Chilton mehr Aufmerksamkeit von der Presse und den Fans bekam als er. Obwohl das zweite Album „Radio City“ (02/1974), das am Ende auch nicht mehr als 20.000 Einheiten verkaufte, schon in Arbeit war, verließ er trotzig Big Star und strebte eine Solokarriere an.

Big Star machten nach dem Ausstieg von Chris Bell als Trio weiter, doch das im Jahr 1974 aufgenommene Album „Third/Sister Lovers“ fand keine Plattenfirma als Abnehmer und verschwand bis zum Jahr 1978 im Giftschrank von Big Star. Die Arbeit an dem Werk wurde von Alex Chilton angetrieben, der einen Sound kreierte, der nur wenig radiofreundlich war und kaum kommerzielles Potenzial besaß. Es war ein Album über zerbrechende Beziehungen – und genau das passierte daraufhin auch mit Big Star. Die Gruppe löste sich Ende 1974 auf.

Erst Jahre später, in den Achtzigern, nannten immer mehr Künstler Big Star als großen Einfluss auf ihre Musik. Künstler, die auch in der vorliegenden Dokumentation zu Wort kommen, die ausschließlich mit englischer Dolby 5.1 Tonspur, wahlweise mit deutschen Untertiteln, vorliegt. Kollegen wie Matthew Sweet, The Flaming Lips, Robyn Hitchcock, R.E.M. und Cheap Trick, um ein paar zu nennen, flankieren diesen hochinteressanten Ausflug in die amerikanische Musikszene der frühen 70er Jahre, die mit toll montierten Bildern, passend eingebundenen Songs und aufschlussreichen Interviews mit Zeitzeugen ein Stück Musikgeschichte wiedergibt. Und wer weiß, ob genau das dafür sorgt, dass die drei Big-Star-Alben der 70er Jahre nicht doch noch ein paar Tausend Einheiten mehr absetzen. Zu wünschen wäre es.

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