Karyn Crisis´ Gospel Of The Witches - Salem´s Wounds - Cover
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Karyn Crisis´ Gospel Of The Witches Salem´s Wounds


  • Label: Century Media/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 61 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Die wohl beste Frauenstimme im Extreme Metal wird an ein okkultes Kartenhaus vergeudet.

Es gibt berechtigte Gründe dafür, dass das vorliegende Album nicht einfach nur von der Band Gospel Of The Witches stammt, sondern noch den Zusatz „Karyn Crisis´“ enthält. Der offensichtlichste ist die Teilnahme eben jener Dame an „Salem´s Wounds“, einem Album, das sich dem Pressetext nach seit 2009 in der Entwicklung befindet und nun endlich (nach seiner mysteriösen Entstehung in einem Haus mitten in einem Olivenfeld, welches von der italienischen Hexe Aradia heimgesucht wurde) der Öffentlichkeit preisgegeben wird. Wieso das explizit hervorgehoben werden muss, liegt in der Vergangenheit von Madame Karyn. Diese befand sich bis zur Auflösung in 2006 in der relativ einflussreichen Metal-Band Crisis hinter dem Mikrophon, die durch ihre Mischung aus Avantgarde, Thrash, Death, Industrial, Hardcore Punk und Grindcore so ziemlich alles absteckte, was es an extremen Bereichen abzustecken gab. Mit ihrem variablen Organ, das, ähnlich wie die Musik der Truppe, zwischen melodischem Klargesang und tiefen Growls jegliche Facetten der menschlichen Stimme abdeckte, befand sie sich schnell in einer Vorreiterrolle und sorgte mitunter für eine höhere weibliche Beteiligung im Metal.

Nach kürzeren Gastspielen und Aufenthalten bei Bands wie Ephel Duath, Debris Inc. und Giant Squid, sowie anderen künstlerischen Betätigungsfeldern wie Malerei, Gerberei oder dem Training ihrer übernatürlichen Kräfte sollte es jedoch wieder etwas hauptsächlich musikalisch Eigenständiges sein und Gospel Of The Witches war geboren. Wie man dem Lebenslauf der Dame entnehmen kann, beschäftigt sich „Salem´s Wounds“ vorrangig mit okkulten Themen und verpackt diese in sich langsam ausbreitende Klangteppiche, deren roter Faden am ehesten im Doom Metal angesiedelt ist. Eine genaue Klassifizierung fällt jedoch schwer, da Madame Crisis in den einzelnen Stücken mehrere Genres streift und das gesamte Konvolut anschließend ihrer Idee für einen atmosphärischen Trip in die Zeit der Hexen, Magier und allerlei anderen zauberhaften Dingen untergeordnet wird. So trifft man nicht nur auf schleppende Lavariffs und gespenstische Bassläufe („Howl at the moon“, „Mother“) oder wartet in aufbegehrenden Einschüben aus den Niederungen der Hölle, das diese vor einem aufbricht und mit Haut und Haaren verschlingt („Ancient ways“, „The ascent“), sondern muss auch anstrengenden Literaturvorlesungen für Kunststudenten der The Mars Volta-Universität lauschen („Goddess of light“, „The secret“) oder mit anhören wie Karyn vielversprechende Ideen nicht zu Ende denkt und dummerweise als Fragment stehen lässt („Pillars“, „Father“, „Aradia“).

Am schwersten trifft es den Titeltrack, der anfänglich mit versöhnlichem Klargesang die dunkel brodelnde Stimmung zu beschwichtigen versucht, bis dies nicht mehr möglich ist, die Tore zur Hölle aufgestoßen werden und Madame Crisis ihre tiefen Growls vom Stapel lässt. Anschließend folgt eine sanftmütige Bridge und obwohl der Song geradezu nach einem sich langsam steigernden Finale schreit, beendet Karyn die Nummer einfach und verschwindet nach nicht ganz fünf Minuten wieder in den Äther. Zum Trost kredenzt die Gute ein fürchterlich schunkelndes Ungetüm („The sword + the stone“), das die brutale Konsequenz hinter Gospel Of The Witches nur allzu deutlich macht: Das sagenhaft geniale Organ von Karyn Crisis wird schlicht und ergreifend an ein okkultes Kartenhaus geopfert, das bei der leichtesten Brise einzustürzen droht und nur durch die extrem wandlungsfähige Stimme der Grand Dame des Metal zusammengehalten wird. Schade drum!

Anspieltipps:

  • Mother
  • Salem´s Wounds
  • Howl At The Moon

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