Dunderbeist - Hyklere - Cover
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Dunderbeist Hyklere


  • Label: Plastic Head/SOULFOOD
  • Laufzeit: 37 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Nickende Köpfe und vergebene Chancen: Das Donnerbiest spielt mit dem Hörer Katz und Maus.

Das norwegische Schlachtschiff Dunderbeist ist nach den letzten englischsprachigen Ausflügen und dem Versuch mit der Zusammenstellung „Black Arts And Crooked Tails“ (02/2012) im restlichen Europa Fuß zu fassen, wieder im Heimathafen eingelaufen und liefert mit „Hyklere“ feinsten Heavy Metal mit zünftigen Rock-Beigaben in wohlklingendem Norwegisch. Die Zeiten, in denen Torgrim Torve (Gesang), Fredrik Ryberg (Gesang, Gitarre), Ronny Flissundet (Gesang, Gitarre), Stein Kristian Liljan (Bass) und John Birkeland Hansen (Schlagzeug) an zappeligen Crossover-Kompositionen getüftelt haben, die mit Rap, pompösen Keyboardeinlagen und irrwitzigen Konstrukten ein skandinavisches System Of A Down-Konglomerat ergeben sollten, sind allerdings vorbei.

Im Jahr 2015 erweisen sich die fünf Herrschaften nämlich geerdeter denn je und hacken in ihren zehn neuen Songs mit einer direkt in der Magengrube landenden Produktion von Vincent Sorg (Die Toten Hosen, Kreator, Die Apokalyptischen Reiter) alles kurz und klein. Der Einfluss der Alternative Metal-Extravaganz von Faith No More ist zwar nach wie vor allgegenwärtig und auch einige andere Gruppierungen wie Poisonblack oder Mastodon standen für so manche Idee Pate, doch der Fokus liegt dieses Mal eindeutig mehr auf handgemachter und ehrlicher Musik, die sich ihrer Wurzeln bewusst ist, diese aber nicht übermäßig strapaziert. Dunderbeist wären allerdings nicht Dunderbeist, wenn sie sich nicht doch irgendwie das Leben schwer machen würden und das macht sich auf „Hyklere“ vor allem in den auf Charttauglichkeit getrimmten Songs bemerkbar.

Gut, eine Band will mit ihrer Musik Geld verdienen und ein gewisses Maß an Zugänglichkeit ist dafür vonnöten, aber müssen es unbedingt ein bierseliger „Oh Oh Oooooooh“-Chor sein („Slagord“) oder zartbesaitete Hooklines, die im direkten Aufeinandertreffen mit einem Überraschungsei ins Gras beißen würden („Skaubror“, „Punktum mortale“)? Den Göttern sei Dank zeigt das Donnerbiest, dass es auch anders geht, und fährt im grandiosen Dreier „Groms“, „Langsint (og tresk)“ und „Sjöldestruksion“ ordentlich die Krallen aus und auf textlicher, rhythmischer und atmosphärischer Ebene alles auf, was die fünf Jungs zu bieten haben und das ist angesichts von schenkelklopfenden Melodien, genialen Wortspielen und Sigur Rós-Melancholie ein wahres Fest an Kreativität.

Sicherlich zappeln die Gliedmaßen bei einer wuchtigen Testostern-Nummer wie „Gryta“ ebenso und „Spaan“ darf sich als Bruder im Geiste an „Groms“ anschmiegen, aber wenn die Norweger zwischen diesen Granaten nur nette Heavy Rock-Tracks wie „Titusentimer“ anbieten oder eine langsam heranrollende Panzerdivision in „Vardögger “ nur als Mittel zum Zweck einsetzen, um den Song vor seinem ansonsten unspektakulären Laut/Leise-Schattenspiel zu befreien, dann siegt die Ernüchterung, dass hier wesentlich mehr drin gewesen wäre als nur eine Handvoll durchgeknallter Ideen von ein paar Querköpfen, die gut und gerne als Light-Variante zu Finntroll im Musikregal eingeordnet werden könnten.

Anspieltipps:

  • Spaan
  • Groms
  • Langsint (og Tresk)

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