Death By Chocolate - Among Sirens - Cover
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Death By Chocolate Among Sirens


  • Label: Deepdive Records
  • Laufzeit: 44 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Death By Chocolate sind grundsätzlich eine energische Rock-Band. Leider können sie das ihnen mögliche hohe Niveau nur bei der Hälfte der Songs halten.

Selbstverständlich findet man in der Schweiz neben den bekannten Attraktionen wie hohen Bergen, würzigem Käse und speziellen Kräuterbonbons, auch eine eigene Pop- und Rockszene. Aus der Stadt Biel stammt die Combo mit dem kuriosen Namen Death By Chocolate, deren Platte „Among Sirens“ bei den Eidgenossen bereits im September 2014 zu haben war und jetzt auch bei uns zollfrei und offiziell zu beziehen ist.

Die Band möchte sich mit ihrem Stil nicht eindeutig festlegen. Sie sucht ihr Betätigungsfeld prinzipiell in muskulöser Rock-Musik, einige Titel werden aber durch Pop-Beimischung unnötigerweise handzahm gemacht. Das Programm geht mit „The Sun“ gut los. Mächtig, schleifend, wie zähes Magma türmen sich die Töne allmählich auf und die dafür benötigten Zutaten werden wohl dosiert und nicht übertrieben eingesetzt. Aber immer wieder bricht eine singende Slide-Gitarre aus dem Reigen aus, die dem Konstrukt eine besondere Würze verleiht. Und es bleibt weiter spannend. „Siren Calls“ orientiert sich am Grunge. Es werden aber auch elegant swingende Passagen, die mit bodenständigen Hammond-B3-Einschüben veredelt werden, eingebaut. Bei „Try Hard Enough“ wird das Tempo angezogen. Der Song hat trotz des höheren Pop-Anteils, der sich besonders im harmonischen Gruppengesang entfaltet, noch genügend Biss, um richtig Druck zu erzeugen. Das Stück rangiert damit an der Grenze zwischen Power-Pop und Hard-Rock.

Der Hit des Albums heißt „Alfred“ und strotzt nur so vor Kraft, Energie und Optimismus. Der ungestüme, lodernde Pop-Wave wäre in einer besseren Welt eventuell ein veritabler Radio-Hit geworden. Warum die Band im offiziellen Video allerdings eine Version zeigt, der sie durch absichtliche Brüche und Ausblendungen den Schwung nimmt, bleibt ein Rätsel. Der unnachgiebig kreiselnde Bass/Schlagzeug-Beat verleiht dem Modern-Rock von „A Thousand Miles“ ordentlich Dampf. Gut zu Gesichte steht der Gruppe auch die metallisch geprägte Nummer „In The Fields“, die genügend Verschnaufpausen bietet, um nicht stupide zu werden.

So weit, so gut. Death By Chocolate sind immer dann überzeugend, wenn sie fokussierte, stürmische Rock-Musik mit Hang zum Produzieren von Soundwänden spielen. Angesiedelt an der Schnittstelle zwischen Led Zeppelin, Grunge und Power-Pop können sie dramaturgisch ernsthaft sein, ohne dabei Gesangseinsätze und Solo-Parts ausufern zu lassen.
Aber diese für sie optimale Form halten sie nicht ein ganzes Album lang durch, sondern zeigen noch andere, nicht so attraktive Seiten. Wenn sie Balladen zelebrieren („What Are You Looking For“, „Wax And Wane“) oder der Pop-Anteil zu dominant wird („Family“), verzetteln sie sich im Niemandsland zwischen Eingängigkeit und Anbiederung. Vorsichtige Bestrebungen, neue Territorien zu erobern, enden leider auch unausgegoren. Bei „Straying Through The Streets” versuchen sie sich an rumpligem Rockabilly, der durch milde Pop-Elemente soweit aufgeweicht wird, dass eine undefinierbare graue Masse übrig bleibt. Stilmittel aus dem Progressive-Rock werden für „If You Ask Me” aufbereitet. Das bringt Abwechslung, wird aber eintönig und farblos dargeboten.

Death By Chocolate ist nicht nur eine interessante Variante einer Form des Ablebens, sondern kann auch teilweise als stramme Rock-Band überzeugen. In manchen Fällen hat die Gruppe nämlich schon ihre Ideallinie gefunden. Bei der Hälfte der Lieder trumpft sie damit groß auf. Der Rest ist allerdings zu durchwachsen, inkonsequent, beliebig und halbherzig, so dass die Gesamtnote nicht über ein „solide“ hinaus kommt.

Anspieltipps:

  • The Sun
  • Siren Calls
  • Try Hard Enough
  • Alfred
  • A Thousand Miles
  • In The Fields

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