Superstrings - Sound Of Slow - Cover
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Superstrings Sound Of Slow


  • Label: Believe Digital/SOULFOOD
  • Laufzeit: 61 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Superstrings greifen immer wieder auf Stereotype zurück, obwohl sie es nachweislich besser können.

Wer schon mit dem Finger schnippt und nicht sofort drauf kommt, dem sei es gleich gesagt: Der abschließende Live-Ohrwurm des Albums ist natürlich nicht von Superstrings selbst, sondern von Kate Bush. Dennoch gibt es gute Gründe dafür, mit genau jenem Track einzusteigen. So sehr Superstrings sich auch mühen, gelingt ihnen mit ihren eigenen Kompositionen nie derart eingängige Musik. Als Vertreter der progressiven Musik ist das zwar auch nicht der Fixpunkt, doch der eine oder andere Gassenhauer hat noch niemandem geschadet.

Das eigene Material läuft dem Titel entsprechend in einer langsameren Gangart. Der ausdrucksvolle Gesang Carolin Heiss' spielt in einer ätherischen Liga, die sich schwebend für Pop-Landschaften eignet. Genau deshalb kommt ein rockiger Aspekt auch erst ab „Where Are We Going Today“ offen zum Vorschein. Der Klang erinnert meistens an die Vorstellung von Rock-Opern der letzten Jahrzehnte, weshalb der Gesang zumindest nie fehl am Platze wirkt. Erst ab „Who's Gonna Save My Soul“ traut sich das Münchner Duo endgültig in ein experimentelles Becken, das ein eigenes Gesicht behaupten kann.

Waren „Bonjour Mon Amour“ und „Where Are We Going Today“ noch Muster-Beispiele für Art-Pop und Progressive Rock, ist „Who's Gonna Save My Soul“ eine lebendige Mischung aus rhythmisch pointierten Klängen und der einfangenden Stimme Heiss'. Auf diesem Gerüst wird auch im Anschluss aufgebaut, was selbst in reduzierter Form und als Ballade in „Old Melody“ klar erkennbar ist. Leider schafft das Duo es nicht immer, den modernen Klang zu transportieren und fällt in „Hang“ und „Embrace“ in alte Muster zurück. Alles klingt wieder wie eine bloße Hommage an frühere Tage, denen am Ende jedoch jegliche Eigenständigkeit abhanden kommt. Da kann auch das gemächliche „Duet“ nur bedingt Schadensbegrenzung betreiben.

Das Album verabschiedet sich mit zwei Live-Stücken, wobei „Who's Gonna Save My Soul“ einen Großteil seiner feinen Details opfert. Und dann ist da noch „Running Up That Hill“. Abgesehen davon, dass nur zwei, vielleicht drei Stücke der Album-Versionen wirklich etwas hergeben, muss auch noch festgehalten werden, dass keines dieser Stücke den Hörer fesseln kann. Das schafft nur das letzte Lied, welches nicht einmal von der Band selbst ist. Besonders irritierend ist dies, weil die Soundscapes in der Adaption sehr erwachsen klingen und sich ernsthaft gefragt werden muss, warum Superstrings immer wieder auf Stereotype zurückgreifen, wenn sie es doch nachweislich besser können.

Anspieltipps:

  • Running Up That Hill
  • Who's Gonna Save My Soul
  • Old Melody

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