We Are The City - Violent - Cover
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We Are The City Violent


  • Label: Sinnbus/Rough Trade
  • Laufzeit: 36 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Abwechslungsreich und in manchen Momenten richtig groß.

Wenn eine Band aus dem fernen Kanada hierzulande noch so unbekannt ist, dass nicht einmal die sonst allwissende Wikipedia über sie in deutscher Sprache Auskunft geben kann, tut an dieser Stelle eine kurze Vorstellung des Trios aus Vancouver Not. Cayne McKenzie, Andrew Huculiak und David Menzel kennen sich seit der High School und gründeten bereits dort ihre Band We Are The City. Die Arbeiten zu „Violent“ gingen weitestgehend in einer „Magic House“ getauften Bruchbude über die Bühne, die unmittelbar danach dem Erdboden gleichgemacht wurde. Eine sehr romantische Hintergrundgeschichte für eine Platte, so viel muss man den dreien lassen.

„Violent“ bietet Indie-Pop in Reinkultur. Während einer guten halben Stunde geht es auf und ab, wird leise und laut, bedrohlich, fröhlich, aber auch zurückhaltend und in sich gekehrt. Nur der Albumtitel bleibt über die ganze Spieldauer hinweg ein Rätsel, denn wirklich brutal, gewalttätig oder rabiat wird die Platte zu keinem Zeitpunkt. Das muss sie aber auch nicht wirklich, um zumindest punktuell aufzufallen und dabei durchaus zu überzeugen.

We Are The City fallen mit der Tür ins Abrisshaus: „Bottom Of The Lake“ ist der klar stärkste Song auf „Violent“, kommt mit aufdringlichen Drums und einer schwer greifbaren Grundstimmung, die irgendwo zwischen bedrohlich und kryptisch einzuordnen ist. „If you feel sad, like all the people here I’ve hurt just because I can just the same/ you could sink to the bottom of the lake“.

Das bereits als Single veröffentlichte „King David“ ist wohl der Inbegriff des klassischen Indie-Tracks, der zwar den Sprung zur ganz großen Nummer nicht geschafft hat, aber dennoch mit Tempowechseln und als dezente Achterbahnfahrt zwischen lauten und leisen Passagen gefällt. Wenn im Refrain „I’m only thinking of myself“ gewimmert wird, befindet man sich mitten in einem der schönsten Momente der Platte. In diesen Sekunden irritiert der Albumtitel vermutlich am meisten.

Ein weiteres Highlight liefern We Are The City mit dem wunderbaren Kleinod „Friends Hurt“ in der Mitte des Albums. Wieder klingen sie zerbrechlich und reduziert, diesmal auf Songlänge, und wieder funktioniert der Einsatz dieser Stilmittel ganz wunderbar. Das offensive Schlagzeugspiel aus dem Opener ist nun völlig verschwunden und weicht minimalistischer Instrumentierung, die als warmes, weiches Bett dient, in das sich der Hörer verkriechen und vor sich hin leiden kann.

We Are The City überzeugen auf „Violent“ mit einer abwechslungsreichen Indie-Platte, die in ihren starken Momenten in die Spitzenpositionen des Genres vorzustoßen vermag, dieses Niveau aber nicht über die gesamte Spielzeit halten kann.

Anspieltipps:

  • Bottom Of The Lake
  • King David
  • Friends Hurt

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