Airstream - Kingdom Of Isolation - Cover
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Airstream Kingdom Of Isolation


  • Label: Metalville/Rough Trade
  • Laufzeit: 47 Minuten
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3.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Negativbeispiel dafür, was im Progressive Metal schief laufen kann.

Man mag es kaum glauben, aber AOR und Progressive Rock liegen recht nahe beieinander. Oder zumindest werden beide Musikrichtungen von sogenannten Vollblutmusikern präferiert, was in jenem Fall die vorhandenen Differenzen beseitigt oder erfolgreich kombiniert. Bands wie Saga, Yes oder Magnum haben sich sogar seit jeher eine Nische in der goldenen Mitte gefunden und abseits jener drei großen Namen tummeln sich etliche kleinere Vertreter, die es ihnen gleich tun und allenfalls Szenekundigen bekannt sind. Die Supergroup - ein weiteres Phänomen beider Stilrichtungen - Airstream will in der Special-Interest-Sparte ordentlich mitmischen. Namen wie Steffan „Stiff“ Karlsson (Sky Of Rage), Micke Höglund (Bass, ex-Thunder) oder geladene Gäste wie Kee Marcello (ex-Europe) und Thomas Larsson (ex-Glenn Hughes) sind dabei natürlich das Sahnehäubchen. Ob es dem Projekt gelingen mag, ein breites Publikum anzusprechen, bleibt allerdings zweifelhaft.

Dabei ist die Idee des Erstlings „Kingdom Of Isolation“ sicherlich keine falsche. Es handelt sich um das typische Genrewerk, welches man von einem skandinavischen Vertreter (Pagan's Mind als Beispiel) erwarten darf, ist allerdings, sagen wir mal fünf, sechs Jahre zu spät dran. Klar, es geht nicht um Trends, schon gar nicht im Prog. Und dennoch ist auch hier zu viel passiert, als dass man ein „Kingdom Of Isolation“ einfach durchwinken wollen könnte. Dass „progressiv“ einfach nur noch Makulatur ist und nach bestimmten Regeln verläuft, die vor fast einem halben Jahrhundert noch undenkbar gewesen sind, kann man Airstream ebenso wenig ankreiden. Und gleichzeitig handelt es sich hier um ein Gewicht, welches das Album regelrecht erdrückt. Für melodischen Hard Rock ist „Kingdom Of Isolation“ nicht prägnant und schmissig genug, für Prog viel zu bieder bzw. biederer als erlaubt. Mehr noch: Songs wie „You Had The World In Your Hands“ oder „Lost In Fears“ werden gerade durch die progressiven Arrangements regelrecht verschlimmbessert. Es kann einfach nichts werden, wenn man eine Musikrichtung als Alibi im Sound verwendet - die große Prog-Krankheit, welche vor einigen Jahren ihren Einzug im Power Metal gehalten hat (und glücklicherweise verschwunden ist bzw. in Schach gehalten werden kann) ist hier exemplarisch und Airstream stehen ebenso zwischen den Stühlen. Elektronische Einsprengsel oder völlig deplatzierte Frickel-Passagen sind einfach nicht progressiv, sondern zwei Punkte auf einer Abhakliste. Gott sei Dank gibt es keinen Longtrack. Ohne den Musikern etwas Böses zu wollen: Das wäre nicht gut gegangen...

„Oh Mother Oh Father“ steht hier stellvertretend für den Prog-Song, der einfach kein Prog-Song hätte werden dürfen - und genauso wenig einer geworden ist. Das Genre ist eigentlich weit genug, um solche Stunts zu vermeiden: Jamsession-Fragmente im Vordergrund und völlig überladene Ideen-Kompilationen sind die einsame Schwalbe, die noch keinen Sommer macht. Dass handwerklich alles in bester Ordnung ist und auch Stiff Karlsson eine gewohnt gute Performance am Mikro abliefert, muss eigentlich kaum noch gesagt werden. Gerade eine solche Mindestqualität kann man von einem Genre-Vertreter wie Airstream auch erwarten. Aber das reicht einfach nicht. Lediglich Fans von Sky Of Rage sollten überhaupt Interesse entwickeln, während andere Hörer leider tonnenweise interessantere und kreativere Acts als Alternative haben. Auch wenn „Kingdom Of Isolation“ durchaus seine Momente hat und der Hörer denkt, dass das Projekt dann die Kurve kriegt, überwiegen am Ende dann doch eher uninspirierte Momente. Das macht dieses Album zu einem Werk, welches zwar durchgängig ein hohes musikalisches Niveau versprechen will, aber auf unangenehme Art und Weise bieder ist.

Anspieltipps:

  • Addicted
  • You Had The World In Your Hands
  • House Of Pain
  • Addicted

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