Morgoth - Ungod - Cover
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Morgoth Ungod


  • Label: Century Media/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 46 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Nachfolger zu „Odium“ kommt satte 20 Jahre zu spät.

Da entschließt sich eine der international erfolgreichsten Death Metal-Institutionen aus deutschen Landen zu einem Comeback und offeriert den Fans als Appetithappen das DVD/CD-Paket „Cursed To Live“ (06/2012), eine Best-of-Zusammenstellung in Form eines Live-Mitschnitts vom „Way Of Darkness“-Festival, nur um ein paar Monate vor der Veröffentlichung des heiß ersehnten, neuen Studioalbums den Weggang von Sänger und Mitbegründer Marc Grewe zu verlautbaren. Wie das frische Material mit ihm geklungen hätte, kann man sich zwar mit der bereits im August 2014 erschienenen Single „God Is Evil“ zu Gemüte führen. Ein schwacher Trost ist das aber allemal. Zum Glück wurde in Windeseile mit Karsten Jäger von Disbelief Ersatz gefunden. Ob es sich hierbei jedoch nur um einen Freundschaftsdienst oder etwa doch eine Partnerschaft auf Lebenszeit handelt, steht noch in den Sternen.

Fakt ist, dass die neue Scheibe die Industrial-Marschrichtung von „Feel Sorry For The Fanatic“ (09/1996) zum Glück komplett ignoriert und dort weitermacht, wo „Cursed“ (04/1991) und „Odium“ (05/1993) aufgehört hatten. Im Klartext bedeutet dies nichts anderes als eine deftige Abreibung aus den Zutaten floridianischen und schwedischen Death Metals zu bekommen, die in der Schnittmenge von Asphyx, Death und Bolt Thrower angesiedelt ist. Gelegentlich thrashen die Songs aber auch ganz schön ordentlich und erinnern dabei an die Legion Of The Damned („Voice of slumber“) oder fallen mit schleppendem Unterbau in die modrigen Kellerabteile des Doom („Descent into hell“). Was demnach nach einer abwechslungsreichen und durchaus gelungenen Wiederauferstehung klingt, verpufft beim ersten Hördurchgang allerdings zu einer soliden und in weiterer Folge nicht mehr ganz taufrischen Aneinanderreihung bekannter Standards.

So freut man sich nach den ordentlich ins Fleisch sägenden Riffs im Opener „House of blood“ auf Nachschlag im dynamisch agierenden „Snakestate“ und schüttelt das Haupt zum bedingungslosen Groove von „Black enemy“, wundert sich bei „Nemesis“ aber langsam über das wie im Halbschlaf befindliche, nicht besonders variable Gitarrengezupfe. Mit gesteigertem Blutzoll reißt das deftige „Prison in flesh“ die Saitenfraktion wieder ein wenig aus den Träumen. Warum Morgoth mit „The dark sleep“ und dem Titeltrack jedoch gleich zwei Mal instrumental in Überlänge ins Feld ziehen und dabei so bissig sind wie ein Chihuahua, bleibt allerdings ein Rätsel, ist aber womöglich dem Abgang von Grewe geschuldet. Aus diesem Grund lässt sich die Zukunft für das deutsche Death Metal-Gespann nur schwer vorhersagen, handelt es sich bei „Ungod“ schließlich um ein typisches Zwitteralbum, das nicht genau weiß, ob es in der Vergangenheit leben oder doch lieber vorwärts blicken möchte. Am besten ist es wohl, ein Konzertticket zu lösen und sich live dem berühmt-berüchtigten „Meschede-Stil“ hinzugeben.

Anspieltipps:

  • Snakestate
  • Black Enemy
  • Prison In Flesh

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