Barren Earth - On Lonely Towers - Cover
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Barren Earth On Lonely Towers


  • Label: Century Media/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 58 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
8.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Moonsorrow und Amorphis treffen Opeth. Das gemeinsame Kind trägt den Namen Barren Earth.

Wenn Finnen einen auf Schweden machen, dann kommt meistens etwas Gutes dabei heraus. Im Falle von Jón Aldárá (Gesang), Sami Yli-Sirniö (Gitarre), Janne Perttilä (Gitarre), Olli-Pekka Laine (Bass), Kasper Martenson (Keyboard) und Marko Tarvonen (Schlagzeug) bedeutet dies, als Fan von Opeth nicht auf Moonsorrow oder Amorphis verzichten zu müssen, denn Barren Earth bestehen zu einem gewissen Teil aus ehemaligen oder aktuellen Mitgliedern der besagten Bands. Mit Yli-Sirniö hat sich zwar auch ein Recke aus dem Lager der deutschen Thrash Metal-Schmiede Kreator eingefunden, diese Schublade lässt der Sechser vorerst aber lieber geschlossen. Vielmehr versuchen die Finnen den Spagat zwischen progressiver Herangehensweise und roher Gewalt eines Death Metal-Albums zu halten, die sie bereits auf den Vorgängern „Curse Of The Red River“ (03/2010) und „The Devil´s Resolve“ (03/2012) in atmosphärischen, wie auch ordentlich zupackenden Kompositionen unter Beweis stellen konnten.

Der Anteil von 70er-Jahre-Prog, der bei den schwedischen Opeth mit „Pale Communion“ (08/2014) endgültig die Oberhand gewonnen hat, ist mit jedem weiteren Album gestiegen, versucht auf „On Lonely Towers“ sich aber dennoch nicht als das Maß aller Dinge zu behaupten. Die Durchschlagskraft eines aufbäumenden Todesbleiparts gefällt dem Sechser einfach zu gut, um diese Energie vollständig aus dem Portfolio zu nehmen. Nichtsdestotrotz lässt es sich nicht leugnen, dass nach dem 50/50-Prinzip der ersten beiden Werke das Verhältnis in den neuen Stücken zugunsten melodischerer Ausprägungen ein wenig in Schieflage geraten ist. Schuld daran ist unter anderem der neue Mann hinter dem Mikro, der im Vergleich zu Mikko Kotamäki einen wesentlich wehmütigeren, teilweise fast schon pathetischen Gesangsstil eines Messiah Marcolin (Candlemass) annimmt, dies allerdings mit spontanen Growls zu würzen weiß.

Nach dem bezaubernden Intro „From the depths of spring“ kann man sich in „Howl“ und dem anschließenden „Frozen processions“ jedenfalls ein sehr gutes Bild davon machen, wie Barren Earth anno 2015 als beinahe astreine Progressive Metal-Band klingen könnten, würden gelegentliche Todesblei-Ausbrüche und Doom-Passagen das Klangbild nicht bewusst verunreinigen. Dagegen ist auch grundsätzlich absolut nichts einzuwenden, denn im sukzessiven „A shapeless derelict“ gibt es bereits einen offenen Schlagabtausch, dessen Laut/Leise-Dynamik zu begeistern weiß, während im darauffolgenden „Set alight“ wieder der sanfte König regiert und abgesehen von einem kurzen Death´n´Roll-Ausflug dem Heavy Metal Tribut gezollt wird. Die absoluten Höhepunkte befinden sich allerdings in den beiden Longtracks „The vault“ und dem titelgebenden „On lonely towers“. Hier fahren Barren Earth wirklich alles auf, was man sich von progressivem Death Metal wünschen kann: Herausragende Gitarrenmelodien, epische Stimmung, ein fahles, aber dennoch seinen Zweck erfüllendes Plastikstreicherensemble, ausufernde Jam Sessions, die von einer Hammond Orgel garniert werden (eine Wohltat!) und ein die Fronten auflockerndes Klavier, welches der sensiblen Ader zu schmeicheln vermag.

Im Anschluss an diese beiden Schwergewichte wirkt das souveräne, aber nichts Neues zum Geschehen beitragende „Chaos the songs within“ wie ein schüchternes Reh, das sich nicht mehr traut aus dem Vollen zu schöpfen, diesen kleinen Dämpfer sieht man den Jungs aber schnell nach. Unterm Strich spielen sich Barren Earth mit ihrer dritten Platte nicht nur in das Portfolio von Century Media, sondern auch in die Liga der atmosphärisch auf Augenhöhe mit Opeth und anderen Konsorten agierenden Bands. Stellenweise wirkt das Dargebotene fast ein wenig zu abgebrüht und durchdacht anstatt dem Hörer das Gefühl zu geben, einem aus dem Bauch heraus handelnden Organismus zu lauschen, aber das ist im Grunde genommen nichts anderes als Jammern auf hohem Niveau. Wer also in puncto Progressive Death Metal mit Schlagseite zu melodischer Eleganz auf dem Trockenen sitzt, sollte hier schleunigst zugreifen!

Anspieltipps:

  • The Vault
  • Set Alight
  • On Lonely Towers

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