Mumford & Sons - Wilder Mind - Cover
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Mumford & Sons Wilder Mind


  • Label: Island/UNIVERSAL
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Mumford & Sons haben die Folk-Pfade verlassen und spielen jetzt stadiontaugliche Pop- und Rockmusik.

Gleich mal vorweg, auch wenn es nichts mit der Musik zu tun hat: Die Verpackung des neuen, dritten Mumford-&-Sons-Albums „Wilder Mind” ist eine einzige Frechheit. Ein billiges Stück Pappe zum Aufklappen und kein Booklet. Dass der geneigte Käufer da lieber zur deutlich teureren Deluxe-Ausgabe greift, ist doch klar. Plattenfirma und Künstler freut es. Denn der einzige Bonus für den Käufer besteht darin, vier Album-Tracks als Live-Versionen beigefügt zu bekommen. So wird der Umsatz gesteigert, ohne dass die Protagonisten eine wirkliche Mehrleistung erbracht haben. Man nennt das Ganze auch Fan-Verarsche.

Doch nun zurück zur Musik. Nachdem Mumford & Sons mit ihrem Debütalbum „Sigh No More“ (10/2009) weltweit völlig überraschend durch die Decke gegangen waren und zumindest zeitweise einen Folk-Hype auslösten, war tatsächlich eine neue Supergruppe geboren, auf die sich die meisten Hörer einigen konnten. Die Londoner Band verbrachte die folgenden Jahre fast durchgängig auf Tournee und schob deshalb relativ spät, drei Jahre nach dem Debüt, das Zweitwerk „Babel“ (09/2012) nach. Dieses verkaufte sich ebenfalls wie geschnitten Brot. Allein in den USA steuern die Verkaufszahlen der beiden Alben inzwischen auf die 6-Millionen-Marke zu. Entsprechend sind die Erwartungen an „Wilder Mind“ in dramatisch hohen Regionen.

Die Aufnahmen zu „Wilder Mind“ fanden in den Londoner Air Studios statt, wo sich die Band im Februar 2014 nach einer längeren Pause mit dem Produzenten James Ford (Arctic Monkeys, Haim, Peaches, Florence + The Machine, Klaxons) traf. Schon bei den ersten Demoaufnahmen hatte sich herausgestellt, dass sich der typische Mumford-&-Sons-Sound ändern würde. Weg vom reinen Akustik-Korsett, hin zu E-Gitarren, dicken Beats und großen Pop-Gesten. U2 und Coldplay, ick hör euch trapsen!

Im Opener „Tompkins Square Park“ bekommen Mumford & Sons noch so etwas wie einen Spagat zwischen alten Akustik-Welten und neuem, treibendem Stadion-Rock hin, doch schon in „Believe“ sind die sägenden E-Gitarren und die aufdringliche Rhythmik gefühlt fehl am Platz. Dieses breitbeinige Gepolter setzt sich in „The wolf“ fort und wird erst mit dem Titeltrack unterbunden. Obwohl zu diesem Zeitpunkt erst ein Drittel des Albums vorüber ist, ahnt der Hörer bereits jetzt, dass sich an diesem Klangbild nicht mehr viel ändern wird. So trägt das balladeske „Monster“ ein wenig Atmosphäre bei, während „Snake eyes“ und „Hot gates“ in pathetische Coldplay-Regionen vorstoßen und in „Ditmas“ amtlich gerockt wird.

Zugegeben: Das alles klingt handwerklich und produktionstechnisch nicht übel. Doch für diesen Schritt haben Mumford & Sons ihren Charme und ihre Unverwechselbarkeit aufgegeben, ohne dass sie in den neuen musikalischen Gefilden entscheidende Akzente setzen können. Denn dazu sind viele Stücke zu beliebig und austauschbar. Und dann ist da ja noch die Erwartungshaltung, die von der Band ganz bewusst nicht erfüllt wird. Das ist aus ihrer Sicht vollkommen in Ordnung, während der Hörer damit auf die Probe gestellt wird.

Anspieltipps:

  • Believe
  • Ditmas
  • Monster
  • Snake eyes
  • Wilder mind
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