The Darkness - Last Of Our Kind - Cover
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The Darkness Last Of Our Kind


  • Label: Canary Dwarf Records
  • Laufzeit: 42 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die zweite Scheibe nach der Reunion bleibt den Fans einiges schuldig.

Wie genial war doch der erste Kontakt mit dem extrovertierten Sänger Justin Hawkins und seiner markanten Kopfstimme im Debüt „Permission To Land“ (10/2003). Der Glam Rock wurde hoch erhobenen Hauptes von den Achtzigern in die Nullerjahre katapultiert und The Darkness schlugen ein wie eine Bombe. Vierfach Platin in England und weitere Auszeichnungen rund um den Globus regnete es für den ambitionierten Vierer, der das Kunststück vollbrachte, den Nachfolger „One Way Ticket To Hell…And Back“ (11/2005) mit Queen-Parallelen und AC/DC-Attitüde keinen Deut schlechter klingen zu lassen. Danach war jedoch erst einmal Schluss und wer war wieder einmal schuld? Genau, die Drogen! Das Ende vom Lied kennt man mittlerweile: Nach viel Schatten, der einen oder anderen Nebenaufgabe (Stichwort: Hot Leg und Stone Gods) und einem ganz netten Comeback („Hot Cakes“ aus August 2012) stehen die Damen und Herren von The Darkness wieder ganz am Anfang und müssen erst wieder in die Absatzregionen ihres Erstlings vorrücken.

Dass dies für Sänger Justin und seinen Bruder Dan (Gitarre) sowie Bassist Frankie Poullain und Schlagzeugerin Emily Dolan Davies ziemlich schnuppe ist, dürfte kein großes Geheimnis sein. Der Vierer möchte einfach eine gute Zeit haben und diese weiterhin auf den Konzertbühnen dieser Welt verbringen. Dafür brauchen The Darkness jedoch zugkräftige Songs, die man auch hören will und hier könnte es ein wenig schwer werden, denn „Last Of Our Kind“ strotzt nicht annähernd vom Rotz und Schweiß der vorangegangenen Werke. Der Opener „Barbarian“ schlängelt sich durch ein kompaktes Rhythmusgefüge gefällig in die Ohrmuschel und das anschließende „Open fire“ hüpft zackig im AC/DC-Stechschritt durch die Gegend, aber danach folgen vergebene Chancen und bestenfalls mittelmäßiges Songwriting.

Für das Riff in „Roaring waters“ würde so mancher Rockgitarrist sein letztes Hemd geben und für die weiterhin geniale Eunuchenstimme von Justin, die seltener, aber dafür akzentuierter als früher eingesetzt wird, jeder dritte Erdenbewohner vermutlich sein linkes Ei. Mitreißende Songs garantiert der Auftritt dieser beiden Argumente allerdings nicht. Der Grund hierfür liegt in der Länge und den Ideen hinter den Kompositionen. Konnte in einem The Darkness-Track früher so gut wie alles passieren, beschränken sich Stücke wie „Mighty wings“, „Hammer and tongs“ oder „Mudslide“ lediglich darauf, ordentlich zu rocken und vergessen dabei, dass es für schlichte Rotzrock-Nummern in den vergangenen Jahren bereits massenhaft Retro-Bands gegeben hat, die mit wesentlich mehr Chuzpe an die Sache herangegangen sind. Da hilft es dann auch nicht, wenn auf den nächsten Live-Auftritt mit schunkeligem Stadionrock hingewiesen („Wheels of the machine“, „Conquerors“) oder eine abgespeckte Version eigener Trademarks verwurstet wird („Last of our kind“).

Wirklich aufhorchen lassen The Darkness eigentlich nur mehr, wenn die gute, alte Zeit des Softrock in Gestalt von Bands wie Journey, Boston, Survivor oder Europe heraufbeschworen wird und „Sarah O Sarah“ stellvertretend für diese Ära der kuscheligen Wärme seine Aufwartung macht. So bleibt unterm Strich ein durchaus unterhaltsames, aber leider viel zu konventionelles Werk, das dem Namen, dem Erbe oder auch der anfänglichen Ambition hinter The Darkness keine Ehre macht.

Anspieltipps:

  • Open Fire
  • Sarah O Sarah

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