Van Halen - Tokyo Dome In Concert - Cover
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Van Halen Tokyo Dome In Concert


  • Label: Rhino/WEA
  • Laufzeit: 100 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Auf gehobenem Bootleg-Niveau rumpeln sich Van Halen durch ihr erstes Live-Album mit Sänger David Lee Roth.

Die 1972 gegründete Band Van Halen hat definitiv eine großartige Karriere hingelegt. Doch nimmt man den Verlauf einmal genauer unter die Lupe, lässt sich nur zu dem Schluss kommen, dass tatsächlich noch einiges mehr drin gewesen wäre. Aber Querelen und persönliche Eitelkeiten verhinderten für die Neuerfinder des Hardrock, dass ihr Debütalbum aus dem Jahr 1978 danach nochmal übertroffen wurde, auch wenn die großen Singlehits erst ab Mitte der 80er Jahre folgten. Doch sei’s drum. Bei mehr als 60 Millionen verkauften Tonträgern, ist dies alles nur Jammern auf hohem Niveau.

In diesem Jahr kommt wieder etwas Bewegung in die Karriere der kalifornischen Band. Die ersten sechs Studioalben werden (wieder einmal) digital remastert neu aufgelegt. Zudem erscheint ein neues Live-Album. Das erste mit David Lee Roth am Mikrofon, was vor ein paar Jährchen noch niemand für möglich gehalten hätte. Aber als Van Halen im Februar 2012 mit „A Different Kind Of Truth“ ihr zwölftes Studioalbum veröffentlichten, war es nicht nur das erste Werk nach „Van Halen III“, das bis dahin immerhin 14 Jahre (!) zurücklag, sondern auch das erste Studiowerk seit 28 Jahren mit Ur-Sänger David Lee Roth. Und weil es mit dem „A Different Kind Of Truth“-Material auf Tournee ging, nahmen Van Halen endlich die Gelegenheit wahr und schnitten ein Konzert mit ihrem neuen, alten Sänger mit.

Aufgezeichnet am 21. Juni 2013 im japanischen Tokyo Dome, ist der vorliegende Gig trotzdem ein Schauspiel der Eitelkeiten und atmet damit auch ein wenig den Hauch der Vergangenheit. Denn die Songs aus der Post-Lee-Roth-Phase, mit Sammy Hagar am Mikro, spielen hier keinerlei Rolle. In Anbetracht des einen oder anderen fehlenden Hit, müssen es deshalb die Songs des noch immer aktuellen Studioalbums sowie die der sechs Werke mit David Lee Roth rausreißen. Prinzipiell kein Problem. Doch der Live-Sound, mit dem der Hörer auf „Tokyo Dome In Concert“ konfrontiert wird, macht die Lage nicht besser: Dünn und verwaschen poltert es aus den Boxen, als würde es sich nicht um einen Soundboard-Mitschnitt handeln. Dem kann nur mit Lautstärke gekontert werden.

Ist der richtige Ton erst einmal gefunden, kommt schon die nächste Überraschung. Oder auch nicht. Denn dass Sammy Hagar der bessere Sänger ist, dem im Vergleich mit Roth nur ein wenig das Charisma abgeht, ist ein alter Hut. Doch in Tokyo anno 2013 ist so richtig zu merken, dass die Stimmbänder von Diamond Dave gelitten haben. Dazu kommt, dass sein Organ im Mix irgendwie untergeht und stetig wie aus der hinterletzten Ecke schallt. Das hat alles andere als Premium-Qualität und lässt die Freude an Songs wie „She’s the woman“, „You really got me“, „Dance the night away“, „And the cradle will rock…“, „Eruption“, „Hot for teacher“, „Panama“ und dem finalen „Jump“ arg leiden.

Dass Flitzefinger Eddie Van Halen nach wie vor zu den besten Hardrock-Gitarristen zählt, ist aus dem dumpfen Sound-Gewitter klar herauszuhören. Und dass die frühen Van-Halen-Songs eine höhere Reputation genießen, als das meiste Material aus der Phase nach David Lee Roth, wird beim Hören des Doppel-Live-Albums auch wieder deutlich. Trotzdem hätte eine kleine Beimischung nicht schaden können, auch wenn es „konzeptionell“ ausgeschlossen wurde. So hätte dieses Live-Album auch schon vor 31 Jahren, im Anschluss an den „1984“-Longplayer erscheinen können. Aber bitte in einem besseren Klanggewand, als in diesem Liebestöter aus der Konserve.

Anspieltipps:

  • Jump
  • Panama
  • Hot for teacher
  • (Oh) pretty woman
  • Dance the night away
  • Ain’t talkin‘ bout love
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