Balbina - Über Das Grübeln - Cover
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Balbina Über Das Grübeln


  • Label: Four Music/Sony Music
  • Laufzeit: 46 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Noch früh im Jahr, schon jetzt ein großes Highlight der deutschsprachigen Popmusik!

Mit der in Warschau geborenen und in Berlin aufgewachsenen Balbina Monika Jagielska (31), hat die deutsche Popmusik-Szene ein neues Gesicht hinzubekommen, das bei der Talentschmiede Four Music unter Vertrag steht. Diese hat sich in den vergangenen Jahren mit Acts wie Joris, Sizarr, Flo Mega, Kontra K, Mark Forster und Miss Platnum einen echten Namen gemacht und die Charts mit Frischware versorgt. Als nächstes soll nun also Balbina folgen.

Die Geschichte von Balbina besagt, dass sich diese schon als kleines Kind in den Kopf gesetzt hatte, Musikerin zu werden. Nichtsdestotrotz machte sie brav ihr Abitur und absolvierte ein BWL-Studium. Die Musik verlor sie dennoch nicht aus den Augen. Sie knüpfte Kontakte zur Berliner HipHop/Rap-Szene und spielte im Jahr 2011 mit „Bina“ ihr Debütalbum ein. Danach kam der Kontakt zum Four-Music-Label zustande, das das Potenzial Balbinas erkannte und sie seitdem behutsam aufbaut.

Nach der „Nichtstun“-EP im vergangenen Jahr, steht nun das erste Studioalbum an. Die Texte darauf stammen allesamt von Balbina, während der Löwenanteil der Musik auf „Über das Grübeln“ auf das Konto des Songwriters Nicolas Rebscher (Lauter Leben, Howard Carpendale, Ivy Quainoo, Konrad Wissmann, Stefanie Heinzmann, Stahlmann, Xandria) sowie auf das des Stuttgarter Rappers und Produzenten Maeckes alias Markus Winter (Die Orsons, Marteria, Kool Savas, Gerard MC, Cro) geht.

„Über das Grübeln“ besitzt außergewöhnliche Texte, wie sie in der deutschsprachigen Popmusik nicht gerade üblich sind. Und wenn es nur um Songtitel wie „Oropax“ oder auch „Kuckuck“ geht. Einen Vergleich Mensch/Goldfisch hat es so jedenfalls noch nie gegeben („Goldfisch“). Keine Frage: Zum allgemeinen Verstehen und Beipflichten sind diese Lyrics nicht gedacht. Und trotzdem mag man die Zeilen Balbinas nicht einfach nur als die nächste Stufe deutscher Befindlichkeits-Popmusik abtun.

Das Tiefe und Grüblerische in den Texten erhält musikalisch einen starken Gegenpart, der die Brücke zu HipHop, Pop und R&B schlägt und damit modern, aber nicht austauschbar klingt. Gepaart mit einer ungewöhnlichen Gesangsleistung und frischen Arrangements, lässt „Über das Grübeln“ von Anfang bis Ende aufhorchen. So sind die beiden Opener „Blumentopf“ und „Das ist, die Zeit ist ein Egoist“ spannende Mischungen aus HipHop-Beats und mit Hall unterlegten Piano-Tupfern und Gesängen, während „Oropax“ mit einer gnadenlos eingängigen Hookline wie aus dem Nichts für Erstaunen sorgt.

In eine ähnliche Kerbe schlägt auch das bereits bekannte „Nichtstun“, das sich mit treibenden Rhythmen und einem gebetsmühlenartigen Refrain sofort im Ohr festsetzt. In „Hut ab!“ liefert sich Balbina nicht nur ein verbales Duell mit dem Rapper Justus Jonas, sondern einen inhaltlich sehr beklemmenden Song zum Thema Beziehungsstress ab. Auch wenn Balbina in „Mir fällt nix ein“ nichts, ähem, einfällt, ist das Stück im Duett mit Tristan Brusch ein verträumt-fröhliches Stück mit zornigem Mittelpart, das den Weg für das ähnlich aufgebaute „Tisch“ ebnet, indem Mackes mit seinen Raps den Gegenpart zu Balbinas Gesang und (programmierten) Bläsern gibt.

Umso weiter der Hörer auf diese Weise in das Album eindringt, desto spannender und mutiger stellt sich „Über das Grübeln“ bereits jetzt als eines der ganz großen Highlights des Musikjahres 2015 heraus. Dabei tänzelt Balbina im absolut positiven Sinn stilsicher zwischen Kunst und Kommerz und hinterlässt mit Titeln wie „Oropax“, „Wecker“, „Hut ab!“ und „Kuckuck“ funkelnde Indie-Perlen, bei denen einem in Anbetracht der alltäglichen Trallala-Popmusik das Herz aufgeht.

Anspieltipps:

  • Oropax
  • Wecker
  • Hut ab!
  • Kuckuck
  • Langsam langsam
  • Das ist, die Zeit ist ein Egoist
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