Kendrick Lamar - To Pimp A Butterfly - Cover
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Kendrick Lamar To Pimp A Butterfly


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 79 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

„The thinking man of rap“ mit einem komplexen Brocken in jederlei Hinsicht.

Es war eine ähnliche Guerilla-Aktion wie bei Beyoncé Knowles und ihrem 2013er „Beyoncé“-Album oder D´Angelos „Black Messiah“ (2014), die beide wie aus dem Nichts kommend veröffentlicht wurden und bei den Musikfans einen umgehenden Kauf-Reflex auslösten. Der 27-jährige US-Rapper Kendrick Lamar, dem mit „Good Kid, m.A.A.d City“ (10/2012) ein Überraschungserfolg bei Fans und Kritikern gleichermaßen gelang, kündigte sein drittes offizielles Album zwar schon seit Anfang 2015 an, doch dann macht es im März plötzlich plopp und das Werk stand via iTunes zum Download und über Spotify zum Stream bereit.

Eine effektivere (und vor allem günstigere) Promotion lässt sich kaum erzielen. Denn die Rap-Welt war angefixt und nun zum Handeln gezwungen. Und sie machte eifrig davon Gebrauch und saugte das unbekannte Musikobjekt namens „To Pimp A Butterfly“ millionenfach aus dem Netz. Ein paar Tage später hechelte die CD-Veröffentlichung hinterher. Und ins Hecheln könnte angesichts der darauf präsentierten Musik auch die HipHop-Gemeinde kommen. Denn Kendrick Lamar kostet seinen Status als King of Rap schamlos aus und bricht mit fast allen Hörgewohnheiten. Wenn sich inhaltlich dann auch noch politische Themen dazugesellen (vergleiche dazu auch das aktuelle „Black Messiah“-Album von D´Angelo), ist schnell die Rede von einem Meisterwerk. Und wer es zuerst herausgefunden hat, ist der Größte!

Kendrick Lamars Kunst besteht darin, mit den aktuellen Konventionen des HipHop fast vollständig zu brechen. Dazu legt der Rapper eine erzählerische Kraft an den Tag, die allein den Hörer an seine Grenzen bringt. „To Pimp A Butterfly“ ist ein Statement, ein Aufruf, eine Demonstration. 80 Minuten lang. Der 27-Jährige öffnet seine Seele und referiert über seine ganz persönliche Fehde mit seinem Heimatland (Stichwort auch hier: Rassismus) und dem Kampf mit sich selbst, über Wut, Ängste, Selbstzweifel und Depressionen. Er hält der amerikanischen Gesellschaft den Spiegel vor und schlüpft dazu stimmlich in verschiedene Rollen. So der grobe Handlungsrahmen.

Musikalisch serviert Lamar dem Hörer eine Mischung aus HipHop, Jazz, Funk, Soul, Spoken-Word-Parts und massenhaft Samples. Er bringt mit „Wesley´s theory“ den G-Funk und mit „Institutionalized“ den Westcoast-Rap der frühen 90er Jahre zurück. Er wandelt auf Free-Jazz-Pfaden („For free?“) und erinnert in Stücken wie „These walls“ und „How much a dollar cost“ entfernt an Prince und D´Angelo. Auf Anhieb fassen lässt sich dies alles allerdings nicht. „To Pimp A Butterfly“ ist ein Brocken, der ergründet werden will. Ein Brocken, der auf Hitsingles verzichtet, bewusst unkommerziell ist und dramaturgisch die dichteste Vorstellung eines Albums seit langem abgibt. Doch ist es zu so einem frühen Zeitpunkt im Jahr auch schon das Rap-Album dieser Saison? Das zu beantworten bedarf vieler weiterer Hördurchgänge, denen sich der geneigte Konsument stellen muss, wenn er eine Antwort auf diese Frage haben will.

Anspieltipps:

  • Complexion
  • Mortal man
  • Hood politics
  • The blacker the berry
  • You ain’t gotta lie (momma said)
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