Curtis Knight & The Squires - You Can´t Use My Name - Cover
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Curtis Knight & The Squires You Can´t Use My Name


  • Label: Epic/Sony Music
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Bevor Jimi Hendrix berühmt wurde, war er Mitglied der Begleitband von Curtis Knight. „You Can’t Use My Name” präsentiert den ersten Teil der Aufbereitung dieses Karriereschritts.

Bei „You Can’t Use My Name” handelt es sich um die Aufarbeitung eines wichtigen Details der Pop-Historie. Hier findet man die ersten Kompositionen, an denen Jimi Hendrix beteiligt war und die als Tonträger veröffentlicht wurden („Hornet's Nest” und „Knock Yourself Out”). Außerdem gibt es noch zwei weitere Titel aus seiner Feder („Station Break” und „No Such Animal“) zu hören. Der Gitarrengott gehörte damals zu den Squires, der Begleitband von Curtis Knight. Das waren jedoch nicht die kanadischen Squires, bei denen Neil Young seine Laufbahn begann. Hendrix war damals vielbeschäftigt und außerdem noch als Session-Gitarrist bei den Isley Brothers, Don Covay oder Little Richard angestellt, bevor er zum Superstar avancierte.

Die jetzt veröffentlichten RSVP/PPX-Sessions von 1965 und 1966, sowie „Gloomy Monday“ aus dem Jahr 1967 sind der erste Teil der Mitschnitte mit den Squires, die jetzt erstmals in überarbeiteter Tonqualität und vernünftig ausgestattet vorliegen. Der Ausnahmegitarrist war damals an einen Knebelvertrag gebunden, der ihm nur einen Dollar und 1% der Tantiemen einbrachte. Der schlecht ausgehandelte Kontrakt galt von 1965 bis 1968 und zwang den umtriebigen Gitarristen immer wieder zu dubiosen Aufnahmen, obwohl er schon seit 1966 unter eigenem Namen unterwegs war. Zum Vergleich: Als Headliner beim Woodstock-Festival im Jahr 1969 verdiente er 18.000 Dollar nur für diesen Auftritt.

Insgesamt gibt es 88 Studio-Tracks aus der Zusammenarbeit mit Curtis Knight, die in den nächsten drei Jahren auf insgesamt drei Tonträgern verwertet werden sollen. Beim Studio-Gespräch „You Can’t Use My Name” wird man Zeuge einer Debatte zwischen Jimi und dem PPX-Labelchef Ed Chalpin. Hendrix macht darauf aufmerksam, dass er nicht möchte, dass die Sessions unter seinem Namen herausgebracht werden. Chalpin beschwichtigt, bringt die Sachen später aber doch unter Jimis Namen raus, um von seinem Ruhm zu profitieren. Der folgende Rechtstreit begleitete den Gitarristen für den Rest seiner Karriere.

Curtis Knight pflegte als Basis seiner Kunst Blues und Rhythm & Blues. Er hatte dabei nicht wirklich einen eigenen Stil entwickelt, sondern adaptierte alles, was in diesem Umfeld für Furore sorgte oder im Kommen war. „Welcome Home” mischt Boogie und Rock`n`Roll im Stil von „Memphis Tennessee“ von Chuck Berry. Instrumentalen Stax-Soul, wie ihn Booker T & The MG`s kreiert haben, hört man bei „No Such Animal“, „Knock Yourself Out (Flying On Instruments)” und „Station Break”. Sprechgesang mit Funky-Rhythmus lässt bei „Simon Says” an James Brown denken. Einen Bo Diddley-Beat hat „Strange Things“ zu bieten. Deutlich an „Like A Rolling Stone“ von Bob Dylan ist „How Would You Feel” ausgerichtet, das sich inhaltlich mit Rassendiskriminierung auseinandersetzt. Psychedelischer Blues-Rock wird bei „Don’t Accuse Me“ und „Fool For You Baby“ geboten. Eine Referenz an die Beat-Musik erweist „You Don’t Want Me“ und das schwirrende „Hornet`s Nest“ trägt den Keim der Surf-Music in sich.

Diese Neuveröffentlichungen sind natürlich wichtig für Hendrix-Fans und -Komplettisten. Wer aber erwartet, dass der Gitarrenheld hier Chef im Ring ist und seine innovativen Ideen sprudeln lässt, der wird eventuell enttäuscht sein. Aber es ist interessant zu verfolgen, wie sich hier schon der besondere Sound des Meisters entwickelt hat. Deutliche Ansätze dafür gibt es bei „Strange Things“ zu bestaunen. „Gloomy Monday“ von 1967 ist dann schon sehr markant und unverwechselbar. Deshalb darf man gespannt sein, was die weiteren Songs aus dieser Zeit noch zu bieten haben. Der Tontechniker Eddie Kramer, der auch für die Jimi Hendrix-Experience an den Reglern saß, hat für dieses Vorhaben die besten Takes ausgesucht und komplett neu gemischt, so dass die Gitarrenarbeit sauber herausgestellt wurde und der Virtuose als versierter Team-Player wahrgenommen werden kann.

Curtis Knight gabelte den völlig abgebrannten Jimi 1964 in einer New Yorker Hotel-Lobby auf, lieh ihm eine Gitarre und nahm ihn später in seine Band auf. Die musikalische Leistung von Curtis bestand im Folgenden darin, dass er viele Stile und Einflüsse kompetent aufgesaugt und verarbeitet hat. Dafür gibt es zwar keinen Innovationspreis, aber die Interpretationen haben aufgrund ihrer zeitlosen Qualität den Zahn der Zeit nahezu unbeschadet überstanden. Warum sie allerdings nicht zu Klassikern wurden, liegt zum Großteil am reservierten Gesang von Mr. Knight. Der passt zwar zu ruhigeren Nummern, für die kernigeren R&B-Stomper fehlen ihm aber Durchschlagskraft und Unverwechselbarkeit. Wer sich diese Sammlung zulegt, erhält also eine verlässliche Ausbeute von versiert vorgetragenen Songs mit einem aufstrebenden Jimi Hendrix. Dieser wurde dann 1966 vom Animals-Bassisten Chas Chandler im Greenwich Village-Club Cafe Wha? gehört und mit nach London genommen. Von dort aus startete er dann seine beispiellose und zermürbende Weltkarriere.

Anspieltipps:

  • How Would You Feel
  • Don’t Accuse Me
  • Fool For You Baby
  • Welcome Home
  • Strange Things
  • Gloomy Monday

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