Korpiklaani - Noita - Cover
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Korpiklaani Noita


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 45 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Geht 'ne Folk-Metal-Band durch'n Wald. Kommt 'ne Langweile vorbei. „Tach Korpiklaani!“ „Tach Langeweile, du warst weg?“

Einen Veröffentlichungsrhythmus wie den von Korpiklaani (Klan der Wildnis) kennt man heute ja gar nicht mehr. Während es in den 60er- und 70er-Jahren noch normal war, jedes Jahr ein neues Album auf den Markt zu bringen oder gleich mehrere in gerade mal einem Jahr, sind besonders in der heutigen Zeit die Metal-Jünger Wartezeiten von drei, vier oder sogar fünf Jahren gewohnt. Es sei denn die Band heißt Korpiklaani, kommt aus Finnland und macht Party Metal mit viel Humppa, Joik und Polka. Dann werden Fans mit Langrillen im Jahresrhythmus beglückt. Dass zwischen „Manala“ und „Noita“ die längste Studioabstinenz in der Geschichte der Finnen stattgefunden hat, grenzt da beinahe schon an einen Skandal. Wie schön, wenn das auch mal vom Material auf „Noita“ zu behaupten wäre. Skandalös ist da gar nichts. Die unendlich erscheinende Zeit von drei Jahren wurde lieber dazu genutzt, das gleiche Album erneut einzuspielen. Und das ist mittlerweile so richtig, richtig ärgerlich!

Klar, eine Band darf sich ruhig treu bleiben. Nicht jedes Experiment ist erfolgreich und das oft gelobte „in Würde altern“ oder „sich weiterentwickeln“ ist eh ein ganz anderer Schnack. Treu bleiben heißt aber auch nicht, dass man mit aller Macht stagnieren muss. Immer wieder demonstrierten Korpiklaani, dass sie auch zu mehr fähig sind. Aber wollen sie es überhaupt? Das neunte (!) Album in ihrer zwölfjährigen (!) Karriere beweist wie eh und je, dass sie so gut wie keinen Deut von ihrem Stil abweichen und immer und immer wieder die gleichen Fehler machen. Da braucht man ja schon große Eier, aber die Fans kaufen es, also who cares? Und dass Korpiklaani eine astreine Liveband sind, steht sowieso außer Frage. Das macht „Noita“ dann allerdings auch nicht interessanter.

Die sechs Musiker haken ihre Checkliste einfach ab. Up-Tempo, Folk-Fahrstuhl, Jodelahiti, Hey Hey, Ohrwurm, Met, Bier, Wodka (oder jeder andere Alkohol, der auch lyrisch behandelt wird) im Humpen des Zuhörers: „Viinamäen Mies“, „Pilli On Pajusta Tehty“, „Sahti“, „Luontoni“, „Kylästä Keväinen Kehto“, „Ämmänhauta“. Wow, danke schön! Die Kompositionen, die die Grenze von dreieinhalb Minuten sprengen, bauen wenigstens fette Riffs („Sen Verran Minäkin Noita“) und/oder ein wenig Schmackes ein. Dann blitzt immer wieder das große Potential der Band auf. „Lempo“ oder „Minä Näin Vedessä Neidon“ bilden eine Basis für wirklich interessante Songs. Würde die Band nur so weite... ach, verdammt: Solch ein Potential gab es schon immer, und nie wurden gute Ideen wirklich weitergedacht.

Wer die Band mag - und es gibt ja eine mehr als treue und begeisterte Anhängerschaft - soll und darf sich „Noita“ zu Gemüte führen und soll und darf das Album auch aus tiefstem Herzen lieben. Für Otto Normal ist „Noita“ wie auch schon seine Vorgänger nur dann zu empfehlen, wenn er höchstens ein oder zwei Alben der Band kennt und noch nicht total übersättigt ist. Denn auch bei all der Kritik gibt es dennoch Faktoren, die voll und ganz für Korpiklaani sprechen: Spaß, Spielfreude, das enorme Ohrwurmpotential, die gute Beherrschung der Instrumente, die Livequalität. Ob all das rechtfertigt, das gleiche Album zum neunten Mal aufgenommen zu haben? Wohl kaum. Dann gilt nur die klare Sprache des jeweiligen Albums: „Ich bin langweilig, ich wiederhole mich ohne Scham, ich kann es besser, aber das, was ich mache, reicht doch.“ Und „Noita“ ist in jener Hinsicht deutlicher denn je.

Anspieltipps:

  • Minä Näin Vedessä Neidon
  • Sen Verran Minäkin Noita

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