Arena - The Unquiet Sky - Cover
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Arena The Unquiet Sky


  • Label: Plastic Head/SOULFOOD
  • Laufzeit: 56 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Briten waren lange nicht mehr in solcher Höchstform!

Eigentlich haut eine Band pünktlich zum 20-jährigen Jubiläum nur allzu gerne ein Best-of-Album raus und in einem solchen Falle würde man ihr gar nicht mal böse sein. Nicht aber Arena! Als Schlagwerker Mick Pointer bereits 1983 aus Marillion rausgeworfen wurde, dauerte es zwar elf Jahre, bis sich der musikalische Spätzünder wieder zurück meldete, aber dafür ist es seitdem nie still in seiner Arena geworden. Als feste Instanz im Prog-Sektor und als eines der letzten großen Neo-Prog-Flagschiffe, ist mit Arena einfach immer zu rechnen. Das von der Horror-Kurzgeschichte Casting The Runes (M.R. James) inspirierte Konzeptalbum geht dabei überraschenderweise wieder einen Schritt (oder vielleicht sogar mehrere) zurück zu einer stärkeren musikalischen Phasen der Engländer. Auf ihrem achten Werk orientieren sie sich wieder mehr an „Contagion“ (2003) oder „Pepper's Ghost (Seven Stories Of Mystery And Imagination)“ (2005) und viel weniger am direkten Vorgänger „The Seventh Degree Of Separation“ (2011). Somit klingt „The Unquiet Sky“ wieder eine Ecke melodischer, verspielter und pompöser. Auch wenn die Songs ganz prog-untypisch allerhöchstens mal sieben Minuten lang sind und ansonsten selten die Fünf-Minuten-Marke übersteigen, offenbart sich viel Liebe zum Detail und eine atmosphärische Dichte, welche Arena schon seit langer Zeit nicht mehr in solcher Form bieten konnten.

Selbst die sich über die Jahrzehnte immer dominanter erwiesenen Metal-Elemente treten kürzer, wenn Pendragons Clive Nolan sein Keyboard in luftig-lockere Neo-Prog-Sphären katapultiert. Schon im Opener „The Demon Strikes“ präsentieren sich Arena dabei stilsicher, wenn sie beide Welten miteinander verbinden. Mitunter sogar kitschige Momente wollen dann als wohlplatzierte Stilmittel verstanden werden, wobei ein allzu tiefer Kniefall vor den 80er-Jahren vermieden wird. Frontmann Paul Manzi wirkt auch viel sicherer in seiner Position und scheint nach seinem Arena-Debüt im Jahre 2011 weitaus vertrauter und souveräner. Hymnenhaftem Material verleiht er zusätzliche Power, eine Balladen wie „How Did It Come To This“ (Killer-Gitarrensolo!), „What Happened Before“ oder dem Titeltrack macht er sich komplett zu eigen und zeigt dann seine größte Stärke. Er wird so zum Puzzleteil, welches das Gesamtbild vollendet. Der Hang zum Bombast wechselt sich auf „The Unquiet Sky“ mit ruhigen und intensiven Momenten - meist in Form von kürzeren Intermezzi - ab. Der gewohnt gute Riecher für große Melodien bleibt natürlich eine Trademark der Band und ist allgegenwärtig. Guter Prog muss nicht zwangsläufig verschachtelt und zu komplex sein.

Für die ganz feinen Momente ist dabei wie immer Gitarrero John Mitchell (It Bites, The Urbane) zuständig, dessen Soli stets das Sahnehäubchen darstellen und in Kombination mit Clive Nolan die eine oder andere Komposition mit faszinierenden Duellen versorgt. Alles gipfelt in einem Finale, welches eine solche Bezeichnung noch verdient: „Traveller Beware“ bietet alles, wofür die Band steht und rundet das Konzeptalbum fulminant und atmosphärisch ab. Das macht „The Unquiet Sky“ nicht nur zu einer absolut sicheren Nummer für Fans der Band, sondern auch für Genre-Freunde, insbesondere die immer seltener bedachte Neo-Prog-Fraktion, welche hier eine moderne Interpretation des Genres auf die Ohren bekommt. Arena sind nach 20 Jahren so nahe an ihren Wurzeln wie schon lange nicht mehr und gleichzeitig haben die Briten eventuelle Ungereimtheiten und Neuerfindungsphasen der jüngeren Vergangenheit selbstbewusst hinter sich gelassen. Dadurch wird das Jubiläum am Ende sogar noch ein wenig runder, denn „The Unquiet Sky“ ist nicht nur gut, sondern definitiv das beste und stilsicherste Werk, welches Arena seit „The Visitor“ (1998) veröffentlicht haben.

Anspieltipps:

  • How Did It Come To This
  • No Chance Encounter
  • The Unquiet Sky
  • What Happened Before
  • Traveller Beware

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