Nôze - Come With Us - Cover
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Nôze Come With Us


  • Label: Circus Company/Rough Trade
  • Laufzeit: 54 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Kommt die Zukunft der Popmusik aus Frankreich? Vielleicht, denn Nôze wissen, wie man dem Electro-Pop ein neues Gesicht geben kann.

Nôze ist das französische Duo Nicolas Sfintescu und Ézéchiel Pailhès. Die beiden haben bereits 2003 mit experimentellen House-Tracks begonnen und sich im Laufe der Jahre auch dem Komponieren von Songs hingegeben, die man nicht nur im Club, sondern auch zuhause auf dem Sofa auf sich wirken lassen kann. „Come With Us“ überrascht mit einer 10-Song-Kollektion, die zwar elektronisch ausgelegt ist, aber jede Menge kunstvolle Individualität, natürliche Vertonungen, stimmungsvolle Melodieführungen und phantasievolle Begleitungen enthält. Viele Stücke basieren auf gleichförmigen Rhythmen, die zu hypnotischen Erlebnissen führen können. Diese Minimal-Kunst verbindet den klassisch geprägten Pop-Song mit einem modernen Lebensgefühl.

Für „I Need To Know“ haben sich die Franzosen die Gastsängerin Dani Siciliano, die durch die Zusammenarbeit mit ihrem Ex-Gatten Matthew Herbert bekannt wurde, als Verstärkung geholt. Ein gebremster Disco-Beat, der lebendig, aber nicht übermütig wirkt, begleitet diesen melodisch lieblich gestalteten Song. Sakrale Einschübe verleihen ihm dann noch zusätzlich Tiefe. Variationen bei Tempo, Lautstärke und Dynamik sorgen für zusätzliche Abwechslung. Durch diese Kunstgriffe werden alle Tracks mehrdimensional aufgebaut und die dabei praktizierte Verknüpfung von traditionellen Werten mit neuen Erkenntnissen führt zu frischen Höreindrücken.

So werden die beschwörenden, monotonen Elektronik-Klänge von „Perdre Son Âme“ zeitweise mit eindringlichen Gesangseinlagen bestückt, die an die Dramatik eines Jim Morrison (The Doors) erinnern. Der Pseudo-Reggae von „The Crab Dance“ bringt eine exotische Note ins Geschehen und weckt Assoziationen an Jonathan Richmans „Egyptian Reggae“. „Come With Me“ präsentiert sich als eine Mellotron-umrankte, zärtliche Ballade, die auch in den 70er-Jahren hätte entstanden sein können. Eine weitere Variante des Pop-Minimalismus ist beim hypnotischen „Holding You“ zu hören, das gesanglich Anleihen bei David Byrne (Talking Heads) nimmt.

Der Hang zu sich wiederholenden Mustern wird bei vielen Songs deutlich, so auch beim mit folkloristischem Flair unterlegten „Apache“. Durch eine unnachgiebige, mysteriöse Ausrichtung mutiert „Teardrops“ zu einem elektronischen Thriller mit Hang zum Halbdunkel. Bei „Supernova“ gelingt den Pop-Elektronikern mit dem gleichen Konzept eine wortlose, Soundtrack-artige, futuristische Konstruktion. Für das lebhafte „Saint“ wird der Wiederholungseffekt durch akustische und elektronische Instrumente erzeugt. Eine ähnliche Methodik führt beim vom Chanson inspirierten, monoton-traurigen Kunstlied „Cherry Trees“ zu einer unterkühlten Stimmung.

Nôze haben den Spagat geschafft, im Hier und Jetzt verankert zu sein, aber auch sinnvolle Erinnerungen an die Vergangenheit zuzulassen, wenn diese dem Spielfluss und der Qualität der Songs dienen. Diese Kombination spricht für eine offene Sichtweise, durch die eine geschmackvolle, anregende Unterhaltungsmusik entstanden ist. Der CD liegt übrigens noch ein Remix der Album-Tracks bei, der sich wieder näher an ihrer House-Vergangenheit und damit am Dancefloor orientiert.

Anspieltipps:

  • I Need To Know
  • Teardrops
  • Come With Me
  • Holding You

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