Paradox Now - This Is Neon - Cover
Große Ansicht

Paradox Now This Is Neon


  • Label: Bigger Than Blue
  • Laufzeit: 47 Minuten
Artikel teilen:
5/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Paradox Now versuchen, die eierlegende Wollmilchsau zu erschaffen. „This Is Neon“ bietet einen Querschnitt einiger erfolgversprechender Klänge. Aber es fehlt die Kontinuität, um sich mit der Band identifizieren zu können.

Gleich zu Beginn präsentiert das Züricher Quartett Paradox Now einen Überblick über alle Inhaltsstoffe synthetisch geprägter, Keyboard-betonter Rock-Musik, die man eigentlich so gar nicht mehr hören mag. Flächige, kalte Synthesizer-Teppiche, großspurige Bass-Figuren, gleichförmige Drum-Rhythmen und protzige Gitarren-Soli klingen wie aus der Zeit gefallen. „No Compromise“ wirkt durchkalkuliert, ist aufgeblasen, abgedroschen und uncool, dabei aber auf merkwürdige Weise auch reizvoll. Man könnte das Stück auch für eine Parodie halten. Das folgende „Everybody Floating” profitiert von der Grunge-Vergangenheit der Band. Dramatik und zurückhaltende, sich aufschichtende Gitarren-Salven begleiten diese Rock-Ballade. Sakrale und zackige Passagen wechseln sich beim Melodic-Rock von „Had He Walked Away“ ab und Gothic-Sound auf Magerstufe ist bei „Pretty Neighbor” zu hören. Für „So I Fought The Sea” und „Be A Good Soldier“ werden dann noch Alternative Rock und Electronic Dance-Pop zusammengebracht.

Vergangenheit und Gegenwart begegnen sich häufig in den Kompositionen der Schweizer. Bei „Don`t Back Down“ verbinden sich watteweiche elektronische Klang-Ströme, wie man sie von Vangelis kennt, mit milden House-Music-Abläufen. Was haben Manfred Mann`s Earth Band, Genesis und David Guetta gemeinsam? Wahrscheinlich nicht viel, aber Paradox Now finden bei „The Last On Earth“ eine Schnittmenge. Und es gibt noch weitere Vergangenheits- und Gegenwarts-Verbindungen: New Wave und New Romantic-Synthie Pop der 80er-Jahre werden in den Songs „You Want Some More“ und „Give, Take, Enjoy“ mit modernem Dance-Pop fusioniert.

Paradox Now nutzen im Prinzip die Vorgehensweise und Werkzeuge von zeitgemäßen DJs, indem sie Stile und Zutaten nur noch zitieren, Bestandteile sampeln und sich somit nicht eindeutig positionieren. „This Is Neon“ hat eine große Schnittmenge zu Klängen, die einer breiten Masse bekannt sind, von ihr akzeptiert werden und somit als unverfänglich angesehen werden. Jeder Konsument der Top-10-Hitlisten der letzten 30 Jahre wird hier Bezugspunkte finden. Egal, ob er Pop, Dance, Mainstream Rock, Prog-Rock oder Electronic-Fan ist.

Das ist ein Konzept, das am Stammtisch entstanden sein könnte. Die Band vollzog eine Wandlung vom nicht mehr zeitgemäßen Grunge-Rock zum multimedialen Poly-Pop-Ereignis. Marketingstrategisch ist das clever und handwerklich wird das sauber umgesetzt. Das Resultat ist aber oft zu grobmotorisch und uneinheitlich. Paradox Now sind typische Allrounder. Sie können alles ein bisschen, sind aber auf keinem Gebiet wirkliche Experten. Sie hätten besser ihren Opener ernst nehmen und keine Kompromisse eingehen sollen.

Anspieltipps:

  • No Compromise
  • Everybody Floating

Neue Kritiken im Genre „Pop/Rock“
4/10

Our Country: Americana Act II
  • 2018    
7/10

Beside Bowie: The Mick Ronson Story
  • 2018    
6/10

New Room
  • 2018    
Diskutiere über „Paradox Now“
comments powered by Disqus