Nowhere Train - Tape - Cover
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Nowhere Train Tape


  • Label: Recordbag/CARGO
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Zwischen Austria und USA: Der Zug fährt ins Country-Nirgendwo.

Nowhere Train sind eine sieben- bis achtköpfige Formation, die sich quasi aus lauter Leader-Typen zusammensetzt. Die Mitglieder sind aus Österreich und den USA, kommen aus Bands wie A Life A Song A Cigarette, The Bandaloop, Love And Fist, Junior, Play The Tracks Of, Naked Lunch u.a. Mehr oder weniger bekannte Namen im heutigen Popzirkus.

Anno 2009 schnaubte der Nowhere Train zum ersten Mal durch Österreich, formal in Zügen der ÖBB, wo musiziert, komponiert und gefilmt wurde. Dabei kam es zu Auftritten in Großraumwagons, Einzelabteilen, Bahnhofsplätzen und im Gefängnis. Johnny Cash lässt grüßen, auch musikalisch schwingt Cashs Boom Chicka Boom einige Male mit auf dem Album mit dem ebenso einfachen wie treffenden Namen „Tape“. In einem rein analogen Studio wurde die Platte ohne die heute üblichen nachträglichen Bearbeitungsmethoden aufgenommen. Dabei ist eine Art windschiefer, rumpelnder und lässiger Country herausgekommen. Beim Hören werden die ruckelnden und zuckelnden Schienenbewegungen förmlich wahrgenommen.

Zudem klingt das ein wenig beschwipst, anders als beim Alkohol infizierten Indie-Pop der österreichischen Wanda, eher wie beim Biertrinken auf der Veranda im Schaukelstuhl oder zurückgelehnt im Schalensitz eines alten IC-Zuges. Da tuckert mal ein Banjo, Bass und Drums spielen einen megaentspannten, manchmal Lokomotive schnaubenden Rhythmus, die Pedal Steel zieht ebenso faule wie anrührende Kreise. Und der relaxte, auf mehrere Köpfe verteilte Gesang ist erzählendes wie musikalisches Element, nonchalant und auf unverschämte Art charmant. Küss die Hand! Als ganz schön leiwand würde der Österreicher das bezeichnen. Nowhere Train zeigen dem Piefke, wie man den Staub aus den Cowboystiefeln klopft und lässige Songs aus dem Ärmel schüttelt.

Nowhere Train basteln sich aus Honky Tonk, Country- und Pub-Rock, Ragtime und Lässigkeit eine Modelleisenbahn, die zwangsläufig im Kreise herumfährt, immer an den gleichen Haltestellen vorbei und an jeder wird ein Drink geordert, der einen entspannt nachdenken lässt über „Nothing“, „Play In The Sun“, „The Rain That Never Came“, „9 to 5“ oder einmal sogar im Dialekt über die „Hammerschmidgossn“. Nach und nach wird „Tape“ zu einer entspannten, Laune machenden, augenzwinkernden, schunkelnden Country-Platte, die das Zeug zum Sommer-Album des Jahres 2015 hat. Der Zug nach Nirgendwo fährt zwischen Austria und USA. Bitte keine Haltestelle verpassen!

Anspieltipps:

  • Play In The Sun
  • Don’t Push Me
  • The Rain That Never Came
  • Hammerschmidgossn
  • 9 to 5

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