Hey Elbow - Every Other - Cover
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Hey Elbow Every Other


  • Label: Adrian Recordings
  • Laufzeit: 37 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine ebenso originelle wie einfallslose Platte. Faszination und Ratlosigkeit stehen sich gegenüber.

Am Anfang das „Intro”, zum Schluss das „Outro” und dazwischen neun Titel, die alle Vornamen tragen. Originell oder einfallslos? Vielleicht sowohl als auch. Halten wir uns zunächst an die Fakten. Hey Elbow sind aus Schweden, sie benannten sich nach einer Akrobatik-Übung, was erneut die Frage ‚Originell oder einfallslos‘ rechtfertigt. Sie sind zu dritt, zwei Frauen und ein Mann und veröffentlichten im Jahr 2013 ihre Debütsingle. Es folgten Auftritte in Skandinavien, London und Berlin. Für Wildbirds & Peacedrums, Cayucas und Color War spielten sie als Support-Act.

Bei Hey Elbow findet kein klassisches Songwriting statt, sie folgen einem intuitiven Prozess. Sie lassen es einfach geschehen, beziehen ihre Inspiration aus dem Unterbewusstsein. Beim ersten Lauschen von „Every Other“ ist noch unklar wohin dieser musikalische Trip denn führt, aber nach und nach scheint einiges in diesem verschwommenen und wabernden Klangstrom an die bewusste Oberfläche gespült zu werden.

Das „Intro“ atmet einen förmlich ein und mir nichts dir nichts wird man von „Martin“ wachgetrommelt, während wabernde Soundscapes, Bläser und eine klare weibliche Singstimme weitere Kontraste offenbaren. „Rael“ klingt nach tonnenschwerem Post-Rock, Julia Ringdahl singt erhaben und nähert dich den dunkel rotierenden Klängen an. Electronics, Geräusche, E-Gitarren, Drums, Flügelhorn, Tuba, Posaune und Ringdahls Stimme, die zwischen Siouxsie Sioux und Kelsey Barrett von Effi Briest schwingt, scheinen gleichzeitig in- und auseinanderzufließen. In manchen Passagen sind My Bloody Valentine und Warpaint nicht weit. Vergleiche, die schnurstracks wieder über Bord geworfen werden, denn wiederholt sind es die Bläser, die einen Hauch Jazz und Improvisation verbreiten. Aber auch Weltmusik scheint ein Klangelement, wobei in „Matilde“ die Trommeln, Bläser und hellen Singstimmen nicht wirklich einem Genre zugeordnet werden können.

Trommeln, Keyboards, Noise, E-Gitarren und Bläser mäandern hier als Klangschwaden durch die Räume, verformen sich, dehnen sich aus, ziehen sich zurück, während Ringdahl ihre Stimmbänder vibrieren lässt. „Every Other“ lässt einen etwas ratlos, aber auch fasziniert zurück. Fasziniert, weil hier etwas wirklich Originelles vonstattengeht. Ratlos, weil Art-Pop oder Post-Rock nur mickrige Krücken für die Klangwelt von Hey Elbow sind. Eine ebenso originelle wie einfallslose Platte. Und eine fremde und seltsame Welt, die manchmal fünf, dann wieder acht Punkte Wertung verdient. Auch der Durchschnitt sagt nicht wirklich etwas über Hey Elbows Debütalbum aus. Da hilft nur selber lauschen und sein eigenes Urteil fällen.

Anspieltipps:

  • Martin
  • Blanca
  • Alice
  • Finn

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