Jemma Endersby - Golly Gosh! - Cover
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Jemma Endersby Golly Gosh!


  • Label: Monohausen Records
  • Laufzeit: 51 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Engländerin nutzt ihre Möglichkeiten nicht voll aus und begnügt sich manchmal zu sehr mit gängigem Teenager-Pop.

„Ich komme von einer Insel. Und zwar von der, wo man Fish & Chips mit Essig zu essen bekommt. Ich singe leidenschaftlich gerne, manchmal nonstop. Ich schreibe Songs. Ich lache viel. Ich mag Avocados und dunkle Schokolade. Ich mag Leute, die über sich selbst lachen können. Ich mag es nicht, immer auf den Cent achten zu müssen. Das Wort Serendipity (= Spürsinn) bringt mich zum Lächeln.“ So beschreibt sich Jemma Endersby selbst auf ihrer Homepage. Die Musikerin wohnt zurzeit in Köln und schätzt an den Deutschen besonders ihren Sinn für Mülltrennung und den Entschluss zur Energiewende sowie die Eigenschaft, dass sie Vorwärts-Denken, wie sie sich ausdrückt.

Sie hat schon für Max Herre, Die Fantastischen Vier, Rea Garvey, Cassandra Steen, Joy Denalane und Stefanie Heinzmann als Backgroundsängerin gearbeitet und Musik unter eigenem Namen auf Independent-Basis veröffentlicht. Jetzt gibt es mit „Golly Gosh!“ das erste Resultat Jemma Enderbys musikalischen Könnens über einen herkömmlichen Vertriebsweg zu hören und zu kaufen. Jemma hat alle Songs selbst verfasst und unter diesen gibt es welche mit einnehmenden Ideen, die teils prächtig ausgestaltet sind und in ausgefeilte Arrangements münden. Daraus ergeben sich spannend strukturierte Kompositionen, die ehrwürdige Pop-Traditionen anzapfen und auch moderne Einflüsse verarbeiten. Dazu gehört „Bubble“. Das Lied ist frisch, lebendig und frech. Bester radiotauglicher Pop in der Tradition der New Wave-Combo The B-52s. Gediegen, abwechslungsreich und durch Bläser veredelt, weckt das Lied „Golly Gosh!“ Erinnerungen an die späten Madness („Our House“). Mit Billig-Synthesizern und einem Supertramp-Keyboard-Teppich beginnt „Gunshot“. Die Streicher zerstören im Folgenden diesen Plastik-Pop-Effekt. Sie vermitteln Ernsthaftigkeit und verschieben die Assoziationen in Richtung James Bond-Filmmusik. Schön verschroben und mysteriös ist das dunkelgraue Stimmungsbild von „Hard To Find“, während „The Coolest Chick“ wie ein Jazz-Standard aus den 40er-Jahren mit dazugehörigem Retro-Gesang aufgemacht wurde.

Leider hat sich Jemma auch dazu entschlossen, ihre Kreativität zu Lasten von leicht konsumierbaren, erfolgsversprechenden Mitsing-Nummern für den Teenager-Markt einzusetzen. Das ergibt dann austauschbare, unentschlossene und absehbare Ergebnisse. So sind „Spiderman Song“, „Creeping Arms Of Love“, „Fairytales“ und „Coming Back For More“ süßlich-romantische, weichgezeichnete Balladen ohne Wiedererkennungswert geworden. Kitschig-bunten Girlie-Pop hört man bei „Let You Go“ sowie „Go Back Home“ und „Too Tired“ zeigt dann noch synthetischen Dance-Pop im Madonna-Stil.

Jemma ist lebensfroh, unbekümmert und etwas schrill, oder aber verträumt und schwärmerisch. Sie beweist auch, dass sie das Potential besitzt, niveauvolle Songs zu verfassen, die interessant und vielseitig klingen können. Insgesamt ist ihr Erstlingswerk jedoch in Teilbereichen zu trivial geraten, um als Ganzes überzeugen zu können.

Anspieltipps:

  • Bubble
  • Golly Gosh!
  • Gunshot
  • Hard To Find

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