Brandon Flowers - The Desired Effect - Cover
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Brandon Flowers The Desired Effect


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 39 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Eines der größten Talente unserer Zeit, wenn es um Mainstream-Pop geht, dreht so richtig auf.

Fast fünf Jahre nach seinem vielbeachteten Solodebüt „Flamingo“ (09/2010), legt der The-Killers-Frontmann Brandon Flowers (33) sein zweites Solowerk „The Desired Effect“ vor. Ausschlaggebend dafür war der Wunsch seiner Bandkollegen, den Killers eine längere Auszeit zu gönnen. Das bis dato letzte Studioalbum „Battle Born“ (09/2012) hat demnächst drei Jahre auf dem Buckel und könnte in der Tat so langsam einen Nachfolger vertragen. Doch beim Rest der Killers gehen erst einmal die Familien vor, sodass die stetige innere Unruhe im Hause Flowers in der Produktion seines zweiten Longplayers mündete, für den er sich mit Ariel Rechtshaid (Rae Morris, Charli XCX, Vampire Weekend, Haim, Madonna, Kylie Minogue) einen der zurzeit angesagtesten Studiopartner ins heimische Las Vegas holte.

Dort entstand „The Desired Effect“ zusammen mit Gästen wie Bruce Hornsby, Danielle Haim, Kenny Aronoff (u.a. John Mellencamp), Neil Tennant (Pet Shop Boys), Tony Levin (u.a. Peter Gabriel) und Joey Waronker (u.a. Beck). Diese halfen dem 33-Jährigen dabei, seine Vorliebe für Bombast, Melodien und Pathos so auszuleben, wie er es bei The Killers nicht kann. Denn seine Solo-Songs sind noch mehr Pop, noch mehr Zuckerwatte und noch mehr Mainstream, als er es mit seiner Band praktiziert. Und schon die ist aus dem aktuellen Format-Radio nicht mehr wegzudenken.

„The Desired Effect“ beginnt mit einer knalligen Bläserfanfare, großen Chören und einer Melodie, die wie eine Mischung aus dem Bruce Springsteen der 80er Jahre und aktueller deutscher Schlagermusik klingt. Das muss man sich erst mal trauen. Denn schon hier spaltet Flowers die Hörer in zwei Lager: Die einen, die diesen schmalzigen Bombast abfeiern und die anderen, die sich etwas veräppelt vorkommen. „Dreams come true“? Vielleicht doch nicht. „Can’t deny my love“ folgt dem überkandideltem Opener mit Samples und Keyboard-Klängen aus den Achtzigern, die nach Modern Talking (!) klingen. Oh ja, Brandon Flowers legt es heuer wirklich drauf an.

Doch er tut dies mit absoluter Konsequenz! So baut er zum Beispiel in „I can change“ ein Sample der Bronski-Beat-Nummer „Smalltown boy“ ein, um das herum er den Song aufbaut und damit so etwas wie die Zauberformel für das Album offenlegt: Flowers‘ Ideen können noch so aberwitzig oder kitschig sein, er bringt in ausnahmslos jedem Song einen Refrain unter, für den gewisse Kollegen töten würden. Das ganze übertrieben-kreative Gewusel drumherum ist allerdings auf Dauer etwas anstrengend. Trotzdem ist „The Desired Effect“ absolut fesselnd.

Der Quell für Flowers‘ Ideen liegt in den 80er Jahren. Das setzt er auf diesem Werk mit bewundernswerter Hingabe um. So verarbeitet er in „Between me and you“ Bruce-Springsteen-Einflüsse (das Schlagzeug, das Keyboard), aus denen sich eine großartige Melodie herauskristallisiert. Er bastelt Up-Tempo-Kirmes-Pop mit einem aberwitzigen Humba-Humba-Täterä-Rhythmus, klirrenden Synthies, Saxofon-Solo sowie Country- und-Western-Gitarren zusammen („Diggin‘ up the heart“) und kombiniert Disco-Beats mit Synthie-Wölkchen und Autotune-verfremdeter Stimme („Lonely town“). Nur selten beschränkt sich Flowers auf klar strukturierten Power-Pop („Tangled love”) oder klassische Balladen wie „The way it’s always been“. Lieber fummelt er mit Hall-Effekten und hawaiianisch anmutende Gesängen herum („Still want you“).

Mit diesem Album bricht Brandon Flowers eine Lanze für die Popmusik der 80er Jahre, die natürlich ganz schrecklich war. Oder etwa nicht? Hat nicht jede Generation ein paar musikalische Leichen im Keller, egal, ob vor oder nach den Achtzigern? Also schön den Ball flachhalten und gepflegt zur Kenntnis nehmen, dass der 33-jährige Amerikaner eines der größten Talente unserer Zeit ist, wenn es um Mainstream-Pop geht. Basta!

Anspieltipps:

  • I can change
  • Untangled love
  • Dreams come true
  • Between me and you
  • The way it’s always been
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