The Mothmen - Pay Attention! (Re-Release) - Cover
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The Mothmen Pay Attention! (Re-Release)


  • Label: On-U-Sound/Rough Trade
  • Laufzeit: 53 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die größte Tat einer viel zu kurzen Karriere: Die Neuauflage der „Pay Attention“ von den Mothmen.

Sie haben sicherlich nicht das beste Image: Motten sind garstige Biester, die uns in diesen heißen Tagen nachts um Schlaf und Entspannung bringen und dabei auch noch hässliche Löcher in unsere Lieblingsstrampler nagen. Glücklicherweise, so spuckt das allwissende Netz aus, leben die Untiere im Durchschnitt nicht einmal einen Monat, bevor sie Platz für die nächste Generation machen und das ganze Ärgernis von vorne beginnt.

So willkommen das baldige Ableben der kleiderfressenden Insekten auch ist, so ärgerlich war selbiges in Bezug auf die menschlichen Mothmen, eine Formierung mit fragwürdigem Titel, die Ende der 70er- bis Anfang der 80er-Jahre einen Sound auf Vinyl bannte, der zumindest in zeitgenössischer Betrachtung den Stempel „Hochkreativ“ verdient hatte. Bereits 1982 trennten sich die Wege der Bandmitglieder wieder - lange bevor der bandtypische Stil ausgereift genug war, um einen echten Meilenstein zu produzieren.

So bleibt uns in der Rückschau nur „Pay Attention“. Ein Album, dass auch im Jahr 2015 noch aufgeregt und unerforscht wirkt, dessen Sound so viele Facetten hat, dass man sie wohl auch beim zehnten Durchlauf noch nicht alle zutage fördern konnte. Dabei ist das Geräusch der Superstar: Verzerrte Samples, animalische Sounds, Buschtrommeln und ein Fiepen und Pfeifen auf allen Ebenen verleihen den Songs eine fast manische Tiefgründigkeit. Wenn die Band dann im Mittelteil des Albums noch einen 20-minütigen Song nach sich selbst benennt, weiß man: Das Ego der Engländer schwebte auch damals schon hochnäsig über der Musikindustrie.

Und das nicht zu Unrecht. Zwar nerven manche Passagen mit scheinbar willkürlicher Aneinanderreihung verrückter Sounds und Samples. Oft sind es aber gerade diese mystischen und nie wirklich greifbaren Elemente, die begeistern und fesseln, ohne dass der Hörer wirklich versteht, was er jetzt an diesem Brei aus verschiedensten Ein- und Ausfällen so toll findet.

Mit einem Abstand von über 30 Jahren und nach mehrmaligem Genuss der Remastered Version lässt sich das unvermeidliche Fazit leicht ziehen: Die Mothmen brachten alles mit, um sich in der von vielen Höhen und noch weitaus mehr Tiefen durchzogenen Geschichte guter musikalischer Ideen einen glorreichen Platz zu sichern. Dass das nicht final geklappt hat liegt an der unausgegorenen Umsetzung so vieler Ideen, die ein wenig mehr Ordnung und Struktur vertragen können. So bleibt der Genuss einer Band im Rückspiegel, deren Lebensdauer viel zu kurz war.

Anspieltipps:

  • Animal Animaux
  • Not Moving

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