K-X-P - K-X-P III (Part 1) - Cover
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K-X-P K-X-P III (Part 1)


  • Label: Svart Records/CARGO
  • Laufzeit: 41 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein elektronisches Monster mit sensationeller Atmosphäre und jeder Menge großer Vorbilder.

Wir schreiben das Jahr 2013. James Chapman veröffentlicht unter dem Namen Maps sein viertes Album „Vicissitude“ und setzt damit einen Meilenstein düsterer Elektronik, der so weder zu erwarten war, noch in naher Zukunft zu toppen sein wird. Die Mischung aus großartigen Melodien für den Dance-Floor und düsteren Vocals suchte und sucht ihresgleichen und wird wohl auch in zehn Jahren noch einen festen Platz in meinen persönlichen Bestenlisten sicher haben. Soweit die subjektive Meinung des Autors. Warum ich so romantisch in Vergangenem schwelge?

Weil zwei Jahre nach dieser Großtat mit „III:Part 1“ eine LP erscheint, die zumindest schüchtern ein ganz klein wenig an der großartigen Maps-Platte kratzt. Der Stil der Finnen von K-X-P erinnert durchweg an „Vicissitude“ und alleine für diese, wenn auch vermutlich ungewollte, Anspielung verdient „III: Part 1“ den einen oder anderen Durchlauf. Absurd: Die offizielle Marketing-Plattitüde tönt großspurig, die Band wolle alles „in Grund und Boden rocken“. Ein Pfeifen im Walde, K-X-P haben nicht einmal einen echten Gitarristen im Line-up.

Dafür wird sehr nennenswert elektronisch musiziert. „Psychic Hibernation“ eröffnet episch und bedrohlich und steht somit in bester Tradition des eingangs gelobhudelten Über-Albums. Die Finnen sind sich zu keinem Zeitpunkt zu schade, die Stimme zugunsten von schweren Drums und waberndem Bass zurückzustellen, verfügen zeitgleich jedoch auch über beeindruckendes Gespür dafür, wann es Sinn macht, den ein oder anderen Vers einzustreuen. Vocals sind auf „III:Part 1“ nie vordergründiges Stilmittel, aber stets willkommene Ergänzung zu einem Bombast-Sound, der für die intensiven und düsteren Momente im Leben einen oscarverdächtigen Soundtrack liefert. So verwundert es dann auch nicht, dass die neun Minuten des Openers nicht eintönig und uninspiriert, sondern intensiv und dicht auf die Hörerohren kommen.

„Space Precious Time“ schwimmt in New-Wave-Gewässern und hätte so auch auf einem New Order-Longplayer in den frühen Achtzigern Platz gefunden, am besten direkt hinter der Genre-Hymne „Blue Monday“. „Ra“ bleibt unverändert elektronisch, gibt den Joy Division-Anhängern aber kompromisslos auf die Fresse, nur um sich fast schamlos bei der Fangemeinde von Oliver Koletzki einzuschleimen. Tiefgaragen-Drum-and-Bass auf Valium. Und ja, das ist ein Kompliment.

In „Obsolete and Beyond“ wird es sphärisch bevor die Reminiszenz an New Order wieder die Oberhand gewinnt. Das Tempo steigert sich langsam, bevor der Gesang von Timo Kaukolampi getragen von der inzwischen extaktischen Melodie den Song schwelgend in die zweite Hälfte trägt. Break, dann doch einmal Gitarre. Das Thema des Songs wabert weiter im Background. Anlauf für die nächste Explosion. Ein wunderbares zehnminütiges Monster, in dem sich so viele herrliche Anspielungen auf musikalische Großtaten der Vergangenheit finden, dass dem Elektronikfetischisten die Herzklappen flattern.

„Sirens Down“ kommt als stilistisch maximal sinnvolles Intermezzo, ähnlich genial eingesetzt wie im jüngsten Alt-J-Spektakel „This Is All Yours“. „Descend to Eternal“ wirft ein letztes mal das Schwarzlicht an und lädt zum finalen Selbstvergessen auf die Tanzfläche. Der Hörer bleibt sprachlos zurück, im Unklaren darüber wie groß der Sound war, der ihn in den vergangenen 45 Minuten in ein anderes Universum entführt hat. Der ihn an die größten Formationen verschiedenster Genres hat denken lassen. Der dafür sorgte, dass sofort die eingestaubte New Order-LP aus dem Regal gezogen wird. Der fast so großartig war wie einst „Vicissitude“, immer nahe an dessen musikalischer Grundrichtung und doch, beeinflusst von so vielen anderen Stilen, so weit von dieser entfernt.

Timo Kaukolampi. Tomi, Leppänen. Anssi Nykänen. Tuomo Puranen. Vier Namen, die Sie, verehrter Leser, vermutlich noch nie zuvor gehört haben. Vier Namen aber auch, die Sie, wenn Sie auch nur einen Millimeter in Ihrem Musikherzen für elektronische Kompositionen erübrigen können, binnen weniger Durchläufe von „III:Part 1“ in ihr selbiges schließen werden. Tiefste Verbeugung die Herren. Ehrlich.

Anspieltipps:

  • Ra
  • Obsolete and Beyond
  • Descend To Eternal

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