Sarah Connor - Muttersprache - Cover
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Sarah Connor Muttersprache


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 49 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Sarah Connor singt nun auf Deutsch. Und siehe da: Es funktioniert!

Es war ein deutsches Pop-Wunder, als Sarah Connor im Mai 2001 mit ihrer ersten Single „Let’s get back to bed – boy!“ aus dem Stand die europäischen Charts aufrollte (darunter u.a. eine für deutsche Künstler höchst seltene Top-20-Platzierung in Großbritannien) und in den folgenden Jahren nicht etwa in der Versenkung verschwand, sondern beharrlich ihre Karriere ausbaute. Fünf Nummer-eins-Singles, mit Platin ausgezeichnete Alben und eine eigene Doku-Soap im Privatfernsehen. Sarah Connor war ein deutscher Superstar, eine Pop-Diva mit international tauglichen Songs und entsprechenden Ansprüchen.

Nach dem „Sexy As Hell“-Longplayer (08/2008) folgte eine erste längere Auszeit, die vom „Real Love“-Album (10/2010) beendet wurde. Zwischenzeitlich hatte Sarah Connor als Jury-Mitglied die ersten drei Staffeln der Castingshow „X Factor“ begleitet (2010-2012) und danach an der TV-Show „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ mitgewirkt. Ein neues Album ließ allerdings auf sich warten. Dann sickerte durch, dass Sarah Connor (34) zusammen mit dem Rosenstolz-Songwriting-Team Peter Plate, Ulf Leo Sommer und Daniel Faust an einem deutschsprachigen Comeback-Werk arbeiten würde. Ist dies etwa ein taktischer Schachzug, im Windschatten von Helene Fischer vorbeizuziehen, um einen neuen Connor-Hype wie vor 15 Jahren auszulösen?

Es ist zumindest ein sehr mutiger Schritt. Denn gewisse Themen funktionieren in der Popmusik nun mal nicht auf Deutsch, weil sie den Hörer peinlich berühren, wenn dieser auf Anhieb versteht, worum es in einem Text geht. Umgehen ließe sich dies mit dumm-banalen Texthüllen, wie sie üblicherweise in der deutschen Schlagermusik verwendet werden. Doch die 34-Jährige hatte sich vorgenommen, mehr als nur ein wenig an der Oberfläche zu kratzen. Sie singt nun in ihrer Muttersprache, in der es keine Tabus gibt.

Zusammen mit der inhaltlichen Neuausrichtung, hat sich auch die Musik geändert. Aus R&B, Soul und Dance-Tracks ist klar strukturierter Schlager-Pop geworden, der das Kapitel „Rosenstolz“ mit einer anderen Stimme quasi fortschreibt. Dabei fällt auf, dass Sarah Conners Stimme allein durch die deutschen Texte anders wirkt als früher. Sie stellt sie in den Dienst der Texte und verzichtet auf affektiertes großes Kino à la Mariah Carey und Christina Aguilera. Verlernt hat sie diese kleinen Gas-Stöße mit ihrer Zwölf-Zylinder-Stimme freilich nicht. Schließlich ist die Produktion von „Muttersprache“ so angelegt, dass die Stimme stets im Fokus steht.

Wenn all diese Parameter nun klar sind, wäre es natürlich ein Leichtes, das Team Peter Plate, Ulf Leo Sommer, Daniel Faust und Sarah Connor durch den Wolf zu drehen. Für gereimte Texte, die von Liebes-Kitsch in allen Facetten, mit Liedern über den bösen Ex, die eigenen Kinder und den neuen Lover, bis hin zu gesellschaftspolitischen Themen, kaum etwas auslassen und damit jede Menge Angriffsflächen liefern. Fakt ist allerdings: So richtig peinlich wird es nie!

So geht das Kennenlernen der neuen Sarah Connor mit dem Song „Mit vollen Händen“ los. Ein akustisches Grund-Arrangement rollt dabei den Teppich für ihre Stimme aus, die im ersten Moment an eine Mischung aus Nena und AnNa R. (Rosenstolz) erinnert. Dieses auf Gitarren- und Pianoklängen basierende Schema, das ab und an mit Streichern zugekleistert wird („Bedingungslos“), zieht sich durch den gesamten Longplayer. Ob als Ballade mit souligem Gospel-Chor („Mein König“) oder wie bei der Singleauskopplung „Wie schön du bist“, die zu den Höhepunkten des Albums zählt. Es dauert nicht lange, sich daran zu gewöhnen.

Auf diese Weise werden dem Hörer klassische Soul-Songs im Motown-Stil („Deutsches Liebeslied“), mit dramatischer Rhythmik aufgebaute Stücke („Kommst du mit ihr“), lässige Groover („Versprochen“), treibende Hymnen an das Leben („Halt mich“) und kämpferische Ansagen präsentiert („Anorak“). Dabei scheint es, als hätte Sarah Connor schon immer auf Deutsch gesungen. Denn von dem, was sie früher gesungen hat, wird auf „Muttersprache“ das sich als grundsolides Comeback erweist, mit dem die Sängerin auf einem richtigen Weg ist, nichts vermisst.

Anspieltipps:

  • Anorak
  • Augen auf
  • Meine Insel
  • Bedingungslos
  • Wie schön du bist
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