Simply Red - Big Love - Cover
Große Ansicht

Simply Red Big Love


  • Label: EastWest/WEA
  • Laufzeit: 43 Minuten
Artikel teilen:
5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Comebacks, die die Welt nicht braucht: Seichter Crooner-Soul im 70er-Jahre-Schlafrock.

Eigentlich war das Kapitel Simply Red bereits beendet. Mastermind Mick Hucknall (54) verkündete im Oktober 2007 das Ende der Band und wollte eine Solokarriere starten. Mit dem bis dato letzten Studioalbum „Stay“ (03/2007) sollte es ein letztes Mal auf große Tournee gehen und danach nur noch Mick Hucknall solo geben. Doch ganz so einfach ist die Trennung nicht verlaufen. Schließlich war Simply Red seit 1984 Hucknalls Baby. Und so verwalteten sich Band und Plattenfirmen erst einmal im großen Stil mit Re-Releases, Live-Alben und Compilations um die Wette, bis das Schwein geschlachtet und den geschätzt 50 Millionen verkauften Tonträgern ein paar weitere hinzugefügt waren.

Mick Hucknalls Solokarriere verlief danach alles andere als üppig und aufregend. Mit dem „Tribute To Bobby“-Werk (05/2008) sowie „American Soul“ (10/2012) fiel die Ausbeute recht mager und auch nicht wirklich erfolgreich aus. Am Ende wurde aus dem Aus Simply Reds argumentativ lediglich eine Pause gemacht und der alte Soul-Goldesel, der schon immer mit mindestens einem Bein im Pop-Segment stand, wieder ins Leben gerufen. So rekrutierte Mick Hucknall (Gesang) die Herren Ian Kirkham (Saxofon), Steve Lewinson (Bass), Kenji Suuki (Gitarre), Kevin Robinson (Trompete), Dave Clayton (Keyboards) und Ronnie Roth (Drums) und lässt nun mit „Big Love” ein Comeback von der Leine, das sehr gerne den Ball aufnimmt, als Sensation vermarktet werden zu können.

Zumindest die alten Fans wird es freuen, dass der poppige Blue-Eyed-Soul und Mick Hucknalls sanfte Stimme im Radio sowie auf ausführlicher Tournee wieder stattfinden. Denn mit einem Song wie der ersten Singleauskopplung „Shine on“ präsentieren sich die sieben Briten, als wären sie nie weggewesen. Doch das könnte auch nur ein cleveres Lockmittel sein, denn insgesamt klingen Simply Red auf „Big Love“ erwachsener und Hucknall selbst wie ein Crooner der 70er Jahre. So fühlt sich der Hörer inmitten eines zarten Betts aus mit Bedacht eingesetzten Orchesterklängen und groovigen Soul-Pop-Tunes in eine Zeit zurückversetzt, zu der „Love Boat“ erstmalig in See stach.

Mit bald 55 Jahren besinnt sich Mick Hucknall nun also auf den Sound seiner Jugend, streicht das Pop-Ausrufezeichen großzügig aus dem Klangbild und lässt im 30. Simply-Red-Jahr Milde und Ruhe walten. Obwohl Hucknall über den Tod seines Vaters singt („Dad“), verzichtet er auf die markanten Textzeilen früherer Jahre und wo sich seine Band früher fröhlich zappelnd auf dem Rummelplatz traf („Fairground“), wird heute gediegen geswingt und ins Bierglas geheult („The old man and the beer“). Den Retro-Touch seiner Soloalben konnte Hucknall also auch für „Big Love“ nicht abstreifen.

Dass das Ganze ein paar Fragezeichen beim Hörer hinterlassen wird, sollte dem Briten klar sein. Denn nicht selten wurde mit einer unnötigen Wiederbelebung einer Band Raubbau am eigenen Standing betrieben. So schlimm ist es im Fall von „Big Love“ gewiss nicht, doch mit dem seichten Crooner-Soul dieses Albums werden sicher auch alte Fans ein paar Problemchen haben.

Anspieltipps:

  • Dad
  • Shine on
  • Coming home
  • The ghost of love
Neue Kritiken im Genre „Pop“
6.5/10

Die Helene Fischer Show: Meine Schönsten Momente Vol. 1
  • 2020    
Diskutiere über „Simply Red“
comments powered by Disqus