K.I.Z. - Hurra Die Welt Geht Unter - Cover
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K.I.Z. Hurra Die Welt Geht Unter


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 60 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Pegida statt Porno. K.I.Z. haben die ernsten Themen für sich entdeckt. Aber: Dürfen die das?

Nico, Tarek, Maxim und DJ Craft alias K.I.Z. haben die Welt des Deutsch-Rap von Beginn an mit ihren Provokationen, hartem Zynismus, beißender Ironie und Fäkal-Humor revolutioniert. Dafür werden sie noch heute von Kollegen und der selbsternannten Geschmackspolizei kritisch beäugt. Auf der anderen Seite hat ihr „Clown-Rap“ aber auch diverse Nachahmer ins Spiel gebracht, die auf ihre Weise eine ähnliche Schiene fahren und Erfolg damit haben. So übel kann der skurrile Tanz zwischen Wahnsinn und Genie also nicht sein, den K.I.Z. mittlerweile perfektioniert haben.

Mit „Hurra die Welt geht unter“ legt das Berliner Quartett nun sein fünftes reguläres Studioalbum vor, an dem es bereits vor dem 2013er Mixtape „Ganz oben“ (07/2013) zu arbeiten begann. 13 Songs, produziert von Nico, Moses Schneider und Kev Beats, haben es am Ende auf das Album geschafft, das mit einer Mischung aus dem typischen „Auf die Fresse“-Humor und ungewöhnlich persönlichen Tracks aufwartet. Dabei zeichnen sie ein apokalyptisches Bild von der Menschheit und der Erde, das nicht das Ende der Welt hervorhebt, sondern das Gute und die Chance im Danach thematisiert. Auf dem Weg dorthin hat der Hörer einige markante Stationen zu durchlaufen, die nicht alle schaffen werden. Denn der Weg wird kein leichter sein, wie auch Reichsbürger Naidoo zu singen pflegt.

Düster und bedrohlich beginnt „Hurra die Welt geht unter“ mit Glockenklängen, die direkt aus der Hölle zu kommen scheinen. Mit Grabesstimme und tief-bösen Bässen zelebrieren K.I.Z. ihre neue Ernsthaftigkeit, die sich im Laufe des Albums mit Themen wie Nationalismus, Rassismus und Kapitalismus befasst. Natürlich haben K.I.Z. auch schon in der Vergangenheit politisch deutlich Stellung bezogen. Doch diesmal fehlt das Porno-Party-Blendwerk drum herum. Daraus entwickelt sich mit „Hurra die Welt geht unter“ fast schon ein Konzeptalbum, das ohne Battle-Rap und Splatter-Sex auskommt. Ein Absprung zu rechten Zeit?

Abgesehen von plumpen Tracks wie „Boom boom boom“, in dem Euro-Dance-Beats für zweifelhafte Aufmerksamkeit sorgen, gehen K.I.Z. in ihren Songs eher bedächtig vor. Keine überdrehten Arrangements, keine dicke Hose und kein Mallorca-Party-Material. Dadurch unterstreichen sie die Aussagen in ihren Texten, die auch heuer nicht mit expliziten Formulierungen hinter dem Berg halten („Ariane“, „Käfigbett“, „Ehrenlos“), lassen aber auf Dauer einiges an Dynamik liegen, da sich K.I.Z. in einem immer gleichen Tempo durch eine Stunde Spielzeit rappen. In Fällen wie „Geld“ passiert dies in einem coolen 80er-Jahre-Old-School-Style oder wie bei „Glücklich und satt“ an „Sie ist Weg“ von den Fantastischen Vier gemahnend.

Nur einmal lassen K.I.Z. ganz kurz die Pferde fliegen, wenn sie im bedrückenden „Was würde Manny Marc tun?“ im Refrain mit der Jägermeister-Flasche in der Hand in die Rudelbumsdisko einziehen. Doch solche Ausreißer sind selten auf diesem Album, das inhaltlich sicher sehr weit vorne ist, aber musikalisch etwas mehr Abwechslung hätte vertragen können. Eine gewisse klangliche Monotonie mag zwar zum düsteren Konzept dieses Werks dazugehören, doch am Ende bleibt das Gefühl, dass hier noch mehr drin gewesen wäre.

Anspieltipps:

  • Superstars
  • Freier Fall
  • AMG Mercedes
  • Glücklich und satt
  • Was würde Manny Marc tun?
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