Konstantin Wecker - Ohne Warum - Cover
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Konstantin Wecker Ohne Warum


  • Label: Sturm & Klang/ALIVE
  • Laufzeit: 65 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Wo Konstantin Wecker die richtigen Noten fehlen, fehlen ihm nie die richtigen Worte.

Stark. Richtig stark. Konstantin Wecker ist einer der weiteren Beweise, dass die Gattung Liedermacher nicht aussterben darf. Da macht es immer wieder stutzig und auch ein wenig traurig, dass die sogenannten Liedermacher oft schon graues Haar präsentieren und aus einer längst vergessenen Zeit zu stammen scheinen. Aber vielleicht kommt die Zeit des Nachwuchses noch. Es ist schwer genug, mit Inhalten statt mit Musik im Mittelpunkt zu stehen. Wie schon bei „Wut und Zärtlichkeit“ klingt die Musik in vielen Bereichen auf dem Album schwach auf der Brust und kann sich nicht mit gut produzierten und geschriebenen Stücken messen.

Allerdings ist der Klang der Instrumente bei Konstantin Wecker nur zweitrangig. „Ich Habe Einen Traum“ klingt vielleicht nach ausgewaschenem Folk, doch die Worte im Vordergrund sind ein starker Appell für Gastfreundlichkeit, Gleichheit und Menschlichkeit überhaupt. Dass die Geschichten die Hauptakteure dieses Albums sind, wird schnell ersichtlich. Auch wer Wecker noch nicht kennt, erkennt dies schnell an seiner Verwendung gesprochener statt gesungener Worte. „Der Krieg“ passt fast besser auf einen Poetry Slam, als auf ein typisches Album. Doch nichts scheint Wecker ferner zu sein, als ein ganz gewöhnliches Musikalbum aufzunehmen.

Und obwohl Wecker mit grundlegenden Themen wie Krieg, Menschenrechten und Menschlichkeit jongliert, versteckt er sich nicht hinter allgemeinen Aussagen. Die deutsche Politik bekommt in „Die Mordnacht von Kundus“ und „Willy 2015“ ihr Fett weg und wer sich da nur diebisch die Hände reiben möchte, dem wird das Lachen bei der Neuvertonung von „Die Gedanken Sind Frei“ im Hals stecken bleiben. Der Liedermacher legt den Finger in die Wunde und es liegt an den Hörern, sich damit auseinanderzusetzen. Und so auf den Punkt gebracht, muss ein Hörer schon einer Wand gleichen, um nicht zu reflektieren.

Doch auch außerhalb der vermeintlich schweren und großen Themen weiß Wecker zu gefallen. „Dass Alles So Vergänglich Ist“ ist eine wunderbare Ode an das Leben und „Novalis“ ein gelungenes globales Liebeslied. Und so kann und sollte man als Hörer gar nicht anders, als sich vor den Gedanken des Liedermachers zu verneigen. Konstantin Wecker rüttelt gleichsam die Gedanken der Hörer wach und macht Mut, nicht einfach alles hinzunehmen.

Anspieltipps:

  • Ich Habe Einen Traum
  • Die Gedanken Sind Frei
  • Dass Alles So Vergänglich Ist

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