Paradise Lost - The Plague Within - Cover
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Paradise Lost The Plague Within


  • Label: Century Media/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 50 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Verwelktes Laub und schlammiger Morast zum Sommerbeginn? Ja, bitte!

Schweißnass sitzt man vor dem Abspielgerät und legt die neue Paradise Lost-CD hinein. So viele großartige Erinnerungen werden mit dem Halifax-Fünfer verbunden und allein beim Blick auf das wundervolle Artwork des 15. Studioalbums „The Plague Within“ wird man schnurstracks in die düster-melancholische Welt von Nick Holmes (Gesang), Greg Mackintosh (Gitarre), Aaron Aedy (Gitarre), Steve Edmondson (Bass) und Adrian Erlandsson (Schlagzeug) gezogen. Vor zwei Jahren feierten Paradise Lost ihren 25sten mit der B-Seiten und Raritäten-Zusammenstellung namens „Tragic Illusion 25“ (10/2013), die jetzt nicht unbedingt weltbewegendes Material zu Tage förderte, aber zumindest einen netten Rahmen für die Feierlichkeiten bildete.

In Wirklichkeit erscheint das große Geschenk an die Fans nämlich erst jetzt. Der von Produzent Jaime Gomez Arellano (Ulver, Primordial, Cathedral) besonders lebendig und mit vielen warmen Farbtupfern versehene Nachfolger zum leicht enttäuschenden 2012er Werk „Tragic Idol“ versucht in seinen 50 Minuten einfach nicht, neue Bestmarken am Gothic-Sektor aufzustellen, ausgesprochen böse oder durchtrieben zu wirken oder gar abgefahrene Ideen ins Portfolio aufzunehmen, sondern kümmert sich einzig und allein um den bestmöglichsten Moment. Dies kann ein großartiges Kammerspielintro wie in „An eternity of lies“ sein, die zaghaft ausrollende Doom-Landschaft in „Beneath broken earth“ betreffen oder komplette Kompositionen wie „Victims of the past“ oder „Return to the sun“ befallen, die in ihren insgesamt 10 Minuten ein Feuerwerk an Genialität und Spielwitz zünden, dass man nicht mehr weiß, ob man vor Freude weinen, lachen oder wie ein Bekloppter auf seine Stereoanlage starren soll.

Ausgeschrieben heißt das nichts anderes, als einigen der besten Stücke des gesamten Schaffens dieser Band zu lauschen, die sich von Track zu Track voller Ehrfurcht und Anmut zu übertrumpfen versuchen. Das bedeutet im besten Falle aber nicht nur, normalem Heavy Metal mit Gothic-Schlagseite zu frönen, der mit ein bisschen Phantasie ein tolles Motörhead-Cover abgeben würde („Cry out“), sondern auch ein paar Fehlschlägen beizuwohnen, die entweder zu übermütig an die Sache herangehen und allzu stur die Anfangstage als Death Metal-Kapelle heraufbeschwören möchten („Terminal“) oder Streicher-Theatralik mit schleppendem Doom kombinieren und dabei oft die Abwechslung vergessen („Sacrifice the flame“). Die beiden letztgenannten Beispiele stehen jedoch klar auf verlorenem Posten und die beeindruckenden Großtaten überwiegen deutlich.

So eröffnet „The Plague Within“ mit „No hope in sight“ mit einem Instant-Klassiker, der sich in seinem Morast aus Melancholie und Verzweiflung richtig schön dreckig macht, während „Punishment through time“ Rock und Doom zu einer kopfnickenden Nummer verbindet, die Crowbar gut auf dem mäßigen „Symmetry In Black“ (05/2014) hätten gebrauchen können. „Flesh from bone“ hingegen denkt den Rückblick in die Vergangenheit mit subtilem Choreinsatz, bitterböser Kompromisslosigkeit und einem ganz tief in sein Stimmregister greifenden Holmes konsequent zu Ende. Tja, und dann gibt es noch die bereits erwähnten Stücke „Victims of the past“ und „Return to the sun“, bei denen die Entscheidung schwer fällt, ob denn nun die sprachlos machende und perfekt in Szene gesetzte Dramatik der erstgenannten Nummer beeindruckender ist oder die bedrohlichen Bläsersätze in „Return to the sun“ durch ihren unbeschreiblichen Gänsehautfaktor sowie dessen fulminanten Spannungsbogen gemeinsam mit Mackintoshs zum Niederknien schönen Gitarrenmelodie. Grundsätzlich ist das aber auch egal, denn am Schluss sitzt man sowieso schweißgebadet vor seinem Abspielgerät und drückt erneut auf „Play“.

Anspieltipps:

  • Flesh From Bone
  • Return To The Sun
  • An Eternity Of Lies
  • Victims Of The Past

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