Damnation Angels - The Valiant Fire - Cover
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Damnation Angels The Valiant Fire


  • Label: Massacre Records
  • Laufzeit: 64 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein schlichtweg fantastischer Genre-Beitrag aus der (noch) zweiten Reihe.

In der Rezension zum Damnation-Angels-Debüt „Bringer Of Light“ (2013) hieß es noch, dass die Briten und ihr norwegischer Frontmann PelleK (Per Fredrik Åsly) eine Basis gesetzt haben, auf der sie unbedingt aufbauen müssen. Ein vielleicht neuer Stern am Genrehimmel? Was damals noch in der Schwebe stand, wird zwei Jahre nach dem Erstling immer klarer. Und tatsächlich: Die Damnation Angels können sich mit ihrem „The Valiant Fire“ sogar noch steigern, sie machen alles besser als auf ihrem Debüt und sie erobern das Genre des Symphonic Metal regelrecht im Sturm. Verglichen mit den zwei großen Beiträgen von Nightwish („Endless Forms Most Beautiful“) und Kamelot („Haven“) bleibt die britisch-norwegische Freundschaft vielleicht etwas blass, das soll in diesem Falle aber auch nur für den Bekanntheitsgrad gelten. Denn die Damnation Angels schaffen das Unschaffbare: Ihr „The Valiant Fire“ lässt beide Alben - teilweise mit deutlichem Abstand - hinter sich und platziert sich mal eben als heißester und bester Beitrag für Genre-Freunde im Jahr 2015.

Musikalisch fühlen sie sich nicht nur immer sicherer, sondern fahren Geschütze auf, zu welchen gestandene Genrevertreter erst sehr spät in ihrer Karriere oder nie in einer solchen Form greifen würden. Wenn es um das orchestrale Arrangieren geht, macht der Band so schnell keiner was vor und vielleicht kann man sie mittlerweile sogar in einer Liga mit Tuomas Holopainen sehen. Auch wenn die Band selbst auf ein Trio geschrumpft ist (Stephen Averill und Dawn Trigg verließen die Angels), bleibt der Hang zu großen Melodien, einer stets gebotenen, doch nicht Überhand nehmenden Komplexität und absoluter Sorgfalt bei der Orchestrierung. Und PelleK ist nach wie vor einer der vielversprechendsten Metal-Sänger der letzten Jahre. Die Mischung, welche bereits „Bringer Of Light“ zum Geheimtipp machte, lässt die drei Musiker auch jetzt wieder als absolute Gewinner dastehen.

Deshalb verwundert es kaum, dass „The Valiant Fire“ bis zum Rande mit Hits gefüllt ist. Während der Opener bereits ein gutes Bild des noch folgenden Albums bietet, aber im Vergleich zum Rest ein wenig unspektakulär bleibt, geht es mit der Up-Tempo-Nummer „Icarus Syndrome“ düster, hart und pompös weiter. „This Is Who We Are“, „Everlasting“ und „Closure“ lassen Orchester und hartes Riffing eine Einheit eingehen. Das schafft weiß Gott nicht jede Band. Meist wirken die Songs dann wie zerhackstückelte Aneinanderreihungen von Passagen, die härteren dann letzten Endes doch nur als Härte-Alibi für den Metal selbst. Die Kompositionen auf „The Valiant Fire“ dagegen überzeugen damit, dass sie aus einem Guss sind. Zudem verleiht die Band jedem seiner Songs majestätische Ohrwurmmomente und viele Details. Und mit „The Passing“ haben die Angels sogar eine Ballade mit Eiern und Emotionen am Start. Endgültig veredelt wird das Album schließlich von den drei Longtracks „The Frontiersmen“, „The Fire Inside“ und dem Rausschmeißer „Under An Ancient Sun“, welche allesamt die Qualitäten der Band auf den Punkt bringen. Wie schön, dass Opulenz auch ohne Zuckerguss möglich ist und dass die Damnation Angels die generische Cheesiness-Gefahr stets gekonnt umschiffen.

Und dann bekommt der Symphonic-Metal-Fan so ziemlich alles, was er liebt, in konzentrierter Form. Während „The Fire Inside“ komplett instrumental daherkommt und das Talent für Orchestrierung demonstriert, sind „The Frontiersmen“ und „Under An Ancient Sun“ Mini-Epen, bombastisch, mitreißend und dennoch sehr schlau und bedacht geschrieben. Kurze Ausflüge in den Folk oder orientalische Elemente bleiben dezent und halten sich im Hintergrund, was den Songs zupass kommt. Und streng genommen klingt das ganze Album eigentlich genau so durchdacht. Die Damnation Angels wissen, wann sie klotzen und wann sie kleckern müssen. Ebenfalls lassen die Damnation Angels den Kamelot-Vergleich vom ersten Album komplett hinter sich und präsentieren sich eigenständig. Als gute Songwriter und Musiker setzen sie sich durch und glänzen als ein Genre-Act, von welchem vergleichbare Lichtjahre entfernt sind. Liebhaber von Symphonic Metal müssen spätestens jetzt zugreifen und eine grandiose Band entdecken, die definitiv als neuer Stern am Genrehimmel gleißend hell erscheint.

Anspieltipps:

  • Icarus Syndrome
  • The Frontiersman
  • Everlasting
  • The Fire Inside
  • Under An Ancient Sun

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