Andy Shauf - The Bearer Of Bad News - Cover
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Andy Shauf The Bearer Of Bad News


  • Label: Tender Loving Empire
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Album, das mehr als Folk mit Klarinette ist: Berührende, beängstigende und melodisch-schöne Songs.

Wie bei vielen Teenagern wurde das Interesse für Musik auch beim Kanadier Andy Shauf während der Adoleszenz geweckt. Er brachte sich das Gitarre, Schlagzeug und Piano spielen selbst bei. Quasi jedes Instrument, das ihm in die Hände fiel, wurde ausprobiert. Als Eigenproduktion veröffentlichte er 2009 das Album „Darker Days“. Für den Nachfolger ging er sehr gewissenhaft vor, er erschien 2012 und kommt nun auch hierzulande heraus und wird via Cargo Records vertrieben. Der Titel „The Bearer Of Bad News“ deutet bereits an, dass hier eine ebenso nachdenkliche wie melancholische Platte entstanden ist.

Zum Auftakt wird der „Hometown Hero“ vorgestellt und ein ungewöhnliches Instrument, nämlich die Klarinette. Nicht nur bei diesem Titel sorgt sie für eine emotionale Wärme, die Kontraste in den melancholischen Songs setzt. Ein besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Arrangements gelegt, die Sorgfalt mit der sie angeordnet wurden ist förmlich greifbar. Andererseits ist auch der DIY-Charakter herauszuhören. Da wird das Schnarren der akustischen Gitarrensaiten zum Ausdrucksmittel („Covered In Dust“) oder ein schleppend-monotones Schlagzeug zur Metapher, das über acht Minuten andauernde „Wendell Walker“ kommt auf diese Weise daher und ist ein Höhepunkt von vielen. Bei diesem Stück erinnern Spielart und Instrumentierung ein wenig an das 1970 veröffentliche John Lennon / Plastic Ono Band-Album.

Andy Shaufs Stimme hat eine zurückhaltende Ausdruckskraft, zuweilen wechselt er in eine höhere Tonlage als wollte er den Himmel berühren. Berührend auf eine ebenso besänftigende wie beängstigende Art kriechen Shaufs Gesang und Songs unter die Haut, wobei sich immer wieder mal die Nackenhaare aufrichten oder sich eine sachte Gänsehaut ausbreitet. Hierfür sorgen auch die wiederholt auftauchenden Streicher, sie ziehen die Lieder in ein mysteriöses Dunkel, das wiederum von glitzernden Pianotakten (z.B. „I’m Not Falling Asleep“) oder sanft mäandernden Klarinettenschleifen (z.B. „Lick Your Wounds“) polarisiert wird. Zudem gibt es Sequenzen melodischer, Himmel öffnender Schönheit, wie z.B. in „The Man On Stage“.

Andy Shauf scheint sich einige Male unsicher durch seine Songs zu tasten, eine reale Unsicherheit, die zum ergreifenden Stilmittel und zu wahrhaftigen Songs führt. Vielleicht ist sich der kanadische Singer/Songwriter seiner Stärken noch gar nicht richtig bewusst, vielleicht macht gerade dies den Charme dieses Albums aus. Menschen, die eine Affinität für beispielsweise Elliott Smith, Nick Drake und Greenshape verspüren, sollten unbedingt diese Scheibe hören!

Anspieltipps:

  • I’m Not Falling Asleep
  • Covered In Dust
  • Wendell Walker
  • The Man On Stage
  • Jerry Was A Clerk
  • My Dear Helen

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