Howling - Sacred Ground - Cover
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Howling Sacred Ground


  • Label: Monkeytown/Rough Trade
  • Laufzeit: 62 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Knicks darf vor diesen maschinellen Tönen gerne gemacht werden, für richtige Huldigungen ist der Lounge-Klang auf „Sacred Ground“ dann aber doch noch nicht genug.

Howling war am Anfang nicht mehr als ein Projekt. Ein derartig kleines Projekt, dass der Name nur für den Titel von Ry Cumming (Ry X) und Frank Wiedemann stand. Die Zusammenarbeit galt dann aber doch als derartig fruchtbar, dass sich auf zukünftiges Schaffen geeinigt werden konnte und drei Jahre später „Sacred Ground“ in die Plattenregale kommt und Howling nicht mehr nur ein Liedtitel ist. Die Geschichte der beiden Musikliebhaber und -macher nennt zwar viele Namen aus der Populärmusik, doch selbst machen sie gemeinsam Electro. Wenn da nicht Erinnerungen an Thom Yorke wach werden.

Falls das tatsächlich der Fall sein sollte, verflüchtigen sich solche Spinnereien auch schnell als genau solche. Howling unterwerfen die Regeln von Pop und Rock nicht einem elektronischen Zepter, sondern geben sich ganz den rhythmischen Soundspielereien für Lounge und Dancefloor hin. Zwar lässt sich zu Beginn im Lounge-Bereich genug ausmachen, was auch ohne den Electro-Fokus funktionieren könnte, doch diese Illusion gibt sich selbst schnell auf. Es wirkt beinahe so, als müsste das Duo sich mit „Signs“ und „Stole The Night“ einmal kräftig schütteln, um zu deutliche Hommagen an die Pop-Musik aus dem System zu bekommen. Passend dazu unterbricht die „Interlude I“ diesen Auftakt und erteilt einem melodisch reduzierten Rest den Vorrang.

Dieser beginnt mit repetitiver Musik für das melancholische Tanzparkett in „X Machina“ und wird von Lounge-Musik für moderne Kunstaustellungen begleitet („Litmus“ und „Zürich“). Nach dem durchaus auf Melodien bedachten Beginn, begeben diese sich deutlich in den Hintergrund, um Rhythmen in den Vordergrund zu drängen. Und so ausgetüftelt die Arrangements wie „Short Line“ auch klingen, fällt es auch schwer, in diesen Stücken zu versinken. Weder kann man sich den Beats hingeben, noch weiß die Melodie für Träumereien zu sorgen. Diesen Effekt kann vor der „Interlude II“ nur „Quartz“ andeuten, wobei auch hier die Lounge über den Tanz obsiegt. Das ist in dem Sinne ein Problem, dass die Schlagzahl des Tracks nicht unbedingt der Entspannung dienlich ist und eher ablenkt.

Das Mittelmaß und insbesondere das nicht ausgeschöpfte Potenzial des vorangegangenen Materials werden zum Abschluss offensichtlich. Das bereits bekannte „Howling“ und das stilistisch nicht unähnliche und noch bessere „Forest“ finden die notwendigen Argumente, um der hohen Schlagzahl pro Minute die richtige Sogkraft zu verleihen. „Forest“ macht sich eine hypnotische Mischung aus mysteriösem Gesang und Glockenklängen zunutze, sodass acht Minuten ungelogen wie in einer Zeitmaschine am Hörer vorbeirauschen. „Forest“ ist einer dieser Tracks, der ewig weitergehen darf und nur positiv auffällt. „Howling“ hingegen zeigt, wie leicht es dem Duo zu fallen scheint, organische Instrumente für ihre Zwecke einzusetzen und den nötigen Kontrast zu schaffen.

Warum diese Tugenden auf dem Rest des Albums im besten Falle solide umgesetzt werden, ist im Endeffekt egal. Dass dies der Fall ist, ist entscheidend für die mangelnde Qualität der Scheibe als Gesamtwerk. Die Interluden offenbaren ein merkwürdig streng aufgeteiltes Album, welches nur in einem Abschnitt richtig überzeugt und ansonsten mit Längen und Widersprüchen zu kämpfen hat. So gerne Empfehlungsschreiben für Tracks wie „Forest“ und „Howling“ aufgesetzt werden, kann der „Sacred Ground“ seine Heiligsprechung so noch lange nicht rechtfertigen.

Anspieltipps:

  • Forest
  • Howling

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