We Butter The Bread With Butter - Wieder Geil! - Cover
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We Butter The Bread With Butter Wieder Geil!


  • Label: AFM Records
  • Laufzeit: 36 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Absicht oder Unvermögen? Auf diese Frage haben die ehemaligen Brandenburger Märchenonkel leider keine schlüssige Antwort parat.

Das Internet ist, wenn es um die Entdeckung neuer Künstler, Sänger, Freigeister oder schlicht und ergreifend Bekloppte geht, schon seit längerem eine wahre Goldgrube und nicht selten verliert man sich im Videoportal Youtube für mehrere Stunden aufgrund der süchtig machenden Empfehlungsleiste, die anhand von ähnlichen Schlagwörtern oder Nutzerhinweisen und -verknüpfungen Vorschläge macht, was man denn so als nächstes schauen könnte. Vor knapp sieben Jahren reichte es da schon, irgendetwas über Märchen anzuklicken, um eine Einladung zu einer Coverversion der Band We Butter The Bread With Butter namens „Alle meine Entchen“ zu bekommen, der man nur allzu neugierig nachging. Was man hörte, war allerdings keine herzzerreißende Neuinterpretation eines Kinderchors oder eine folkloristische oder gar humoristische Facette des bekannten Kinderliedes, sondern eine blutrünstige, durch und durch abgebrühte Deathcore-Attacke, die die possierlichen Tierchen in seine Einzelteile zerlegte.

Anno 2015 haben Paul Bartzsch (Gesang), Marcel Neumann (Gitarre, Gesang), Maximilian Pauly (Bass) und Can Özgünsür (Schlagzeug) damit abgeschlossen und möchten nach den Alben „Der Tag an dem die Welt unterging“ (05/2010) und „Goldkinder“ (08/2013) lieber erneut mit selbst geschriebenen Songs das heimische Wohnzimmer in Schutt und Asche legen. Funktionierte dieses Motto durch eine wahnwitzige Mischung aus Electro-Einflüssen und zappeligem Deathcore auf dem Vorgänger noch ganz ordentlich, merkt man der vierköpfigen Truppe mittlerweile eine gewisse Ratlosigkeit an. Der Spaß an der Sache steht zwar weiterhin im Vordergrund und dieser soll ungefiltert vom Proberaum in die Ohren der Hörer gelangen, eine Strategie haben sich We Butter The Bread With Butter dieses Mal aber offensichtlich nicht zurecht gelegt. Stattdessen werden diverse Ideen aus den Boxen geprügelt, aggressive Parts mit melancholischen Abschnitten vermengt und vor Erreichen der Zielfahne noch einmal alle Zutaten kräftig durchgemischt.

Dabei knallt der Vierer mit dem Eröffnungstrack „Ich mach was mit Medien“ dem geneigten Käufer eine geniale Breitseite vor den Latz, dass man gar nicht mehr weiß, ob einen da nun Scooter, Heaven Shall Burn oder Die Ärzte über den Haufen gefahren haben, während im Anschluss „Exorzist“ und „Anarchy“ lieber den sicheren Weg einschlagen und im Refrain poppigen Klargesang anstimmen, der unweigerlich zu einer Abstufung auf der Geilheits-Skala führt. Blöderweise wartet man vergeblich auf eine Trendwende und außer netten Grooves („Berlin, Berlin!“), chaotischen Prügelattacken mit massenhaft Bree („Bang bang bang“), sehnsuchtsvollem Frauengesang im Abgang („Gib mir mehr“), kopfschüttelndem Dubstep-Müll live aus der Bauerndisco („Thug life“) und einem Bionic Ghost Kids-Verschnitt, der komplett den „Fuck you“-Charakter vergisst („Warum lieben wir nicht mehr“), versuchen kurzweilige Späßchen mit Partytauglichkeit zu punkten („Rockstar“) oder die „Zombiebitch“ durch einen gelungenen Spannungsbogen ihren düsteren Widerhaken tief in das Fleisch des Hörers zu bohren. Leider ist es dafür schon deutlich zu spät, denn wer nach knapp 33 Minuten noch nicht den Albumtitel „Wieder geil“ untermauern konnte, der zieht den Karren auf den letzten Metern auch nicht mehr aus dem Dreck.

Anspieltipps:

  • Rockstar
  • Bang Bang Bang
  • Ich mach was mit Medien

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