Giorgio Moroder - Déjà-Vu - Cover
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Giorgio Moroder Déjà-Vu


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 42 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Moroder-Schorsch macht auch mit 75 Jahren noch immer das, was er am besten kann: Disco- und Electro-Pop. Leider nicht immer gut.

Giorgio Moroder (75) gilt als der Erfinder der Disco- und Electro-Genres, die wiederum maßgeblich auf spätere Ableger wie House, Dance und Techno abfärbten. Er zählte in den 70er und 80er Jahren zu den einflussreichsten Pop-Produzenten und darf sich jeweils dreifacher Oscar- und Grammy-Gewinner nennen. Er arbeitete in seiner Karriere mit so unterschiedlichen Künstlern wie Cher, Gianna Nannini, Freddie Mercury, Blondie, Donna Summer, Nina Hagen, Janet Jackson, Elton John, Sparks, Barbra Streisand und Falco zusammen und war insbesondere in den Achtzigern an Soundtracks wie „Scarface“, „Over The Top“, „Top Gun“, „Flashdance“ „Beverly Hills Cop 2“, „Superman 3“, „Rambo 3“ oder auch „Metropolis“ beteiligt, die mit ihrer kühlen Ästhetik eine ganze Generation prägten.

In der 90er Jahren verschwand Giorgio Moroder mehr oder weniger fast vollständig von der Bildfläche und überließ anderen Produzenten das Feld, bis die Franzosen Thomas Bangalter und Guy-Manuel de Homem-Christo alias Daft Punk vor zwei Jahren auf die Idee kamen, für ihr Werk „Random Access Memories” (05/2013) alten Disco-Veteranen wie Nile Rodgers (62) und Giorgio Moroder Tribut zu zollen. Plötzlich war Giorgio Moroder wieder im Gespräch und in der Laune, neue, eigene Musik zu produzieren. Er beendete sein Rentnerleben und sorgt nun mit einem Bündel frischer Songs für ein Déjà-vu der ganz besonderen Art.

Besonders ist es deshalb, weil Moroder tatsächlich versucht, die elektronische Tanzmusik aus den 70er Jahren, mit der von heute in Einklang zu bringen. Das ist grundsätzlich ein guter Ansatz, denn so könnte er Konsorten wie David Guetta, Markus Schulz und Avicii zeigen, wo Bartel den Most holt. Doch leider gelingt dies Moroder zu selten. Vielmehr lässt er sich selbst vor den Karren spannen, um dem seelenlosen Geklöppel der heutigen Generation nachzueifern. Darüber hinaus ist die Wahl Moroders Gäste eine ziemlich unrunde Angelegenheit geworden. Unter anderem dabei: Charli XCX, Britney Spears, Sia., Kylie Minogue, Kelis und Foxes. Allein die Kylies und Britneys dieser Welt braucht nach ihren Dauerflops niemand mehr.

Auf diese Weise gestaltet sich „Déjà-vu“ reichlich durchwachsen. Angefangen bei dem instrumentalen Opener „4 U with love“, über das atmosphärische „Don’t let go“, den quirligen Dance-Pop in „Diamonds“ und das Bass-pumpenden „Déjà-vu“, dem Sia. ihren Stempel sehr deutlich aufdrückt, liefert Giorgio Moroder einige fluffige Tracks zwischen Dance, Pop und Electro ab. Leider zaubert der Altmeister aber auch einige Kröten aus dem Hut, wie das blutarme „Right here, right now“ mit Kylie Minogue oder die ausgelutschte Suzanne-Vega-Nummer „Tom´s diner“, die selten so schwach wie in der Spears/Moroder-Kollaboration zu hören war.

„74 is the new 24“ irrt uninspiriert in der aktuellen Clubszene umher, während sich „Tempted“ Soundtrack-reife Streicher und groovige Beats aus den Achtzigern ins Boot holt. „Back & forth“ bollert durch die Plastikwelten der Nullerjahre und „I do this for you“ schlägt wieder den Bogen ins Hier und Jetzt. Tja, das war’s dann wohl. Und am Ende sind die tollen Déjà-vus leider weniger, als die Fragezeichen, die dieses Album hinterlässt, dem es eindeutig an Charme fehlt und deshalb in der Atmosphäre verglühen wird.

Anspieltipps:

  • Déjà-vu
  • La disco
  • Tempted
  • Don’t let go
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