Cro - MTV Unplugged - Cover
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Cro MTV Unplugged


  • Label: Chimperator/Groove Attack
  • Laufzeit: 76 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Wir verleihen den ersten Preis für das wohl langweiligste Unplugged-Album aller Zeiten!

Im Juli 2012, also genau vor drei Jahren, debütierte Carlo Waibel alias Cro (25), der Pop-Rapper mit der Pandamaske, mit seinem Album „Raop“ und dominierte damit sowie mit den Singleauskopplungen über Monate die Charts in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Als zwei Jahre später der Nachfolger „Melodie“ (06/2014) erschien, hatte das „Raop“-Gesamtpaket mehr als 2,5 Millionen Einheiten verkauft und Deutschland einen neuen Popstar, dem im Gegensatz zu anderen Shootingstars nicht gleich die Luft ausging. Denn auch „Melodie“ und seine sechs Auskopplungen performten ordentlich und holten sich vor allem aufgrund von Downloads respektable Verkaufszahlen und hohe Chart-Positionen.

Das alles klingt beeindruckend, auch wenn man kein Freund des Cro-Styles ist, der Pop und HipHop miteinander verquirlt und damit mehr ein Fall für kleine Mädchen, als für harte Kerle ist. Doch dass Cro bereits nach zwei Alben, im jungen von Alter von nur 25 Jahren, von MTV als Unplugged-Star engagiert wird, ist dennoch ungewöhnlich. Auf den Ritterschlag des TV-Senders, auf den Künstler in der Vergangenheit viele Jahre hingearbeitet haben, musste der Baden-Württemberger nicht lange warten. Und so kann er das Eisen weiter schmieden, solange es heiß ist und bevor dem Publikum der Witz mit der Pandamaske zu albern wird.

Rund drei Monate haben die Vorbereitungen auf Cros „MTV Unplugged“ gedauert, das am 4. Mai 2015 im Ludwigsburger Scala-Kino aufgezeichnet wurde und mit Max Herre, Haftbefehl, Teesy, Die Orsons und Die Prinzen einige interessante Gastbeiträge enthält. Doch im Gegensatz zu seinen deutschen Kollegen Sido und Die Fantastischen Vier, die ebenfalls schon von MTV eingeladen wurden, kann der 25-Jährige nur aus zwei Alben und wenigen Jahren Erfahrung schöpfen. Zu wenig für einen großen Auftritt, an dem noch immer viel Ehre hängt?

Ja! Und das stellt sich schon nach wenigen Sekunden im Opener „Erinnerung“ heraus, in dem Cro die vergangenen Jahre reflektiert und selbst über das staunt, was er erreicht hat. Das kommt davon, wenn man Kinder ins Fernsehen lässt, die mit einer Maske auf dem Kopf singen/rappen und scheinbar nicht merken, wie sich der alte Gummilappen in der Fresse negativ auf die Gesangsaufnahmen auswirkt. Darüber hinaus wirkt Cros Rap-Performance regelrecht schüchtern, als würde ihn die 22-köpfige Band im Rücken zu sehr beeindrucken.

Nichtsdestotrotz bietet „MTV Unplugged“ eine satte Sammlung Hits, die so gut es ging in ein stromloses Korsett gezwängt wurden, in dem die Wucht der Beats reduziert und mehr oder weniger durch die Klänge eines Orchesters ersetzt wurden. Inzwischen ein gern und oft gewähltes 08/15-Rezept, das in Cros Fall noch weniger funktioniert, als bei seinen diversen Vorturnern, da sich die dargebotenen Songs im poppigen Dudelrausch im Einheitstempo aus den Boxen quälen und so viel Esprit versprühen, wie zwei Liter stilles Mineralwasser aus der Familienflasche.

Vielleicht sind Vergleiche mit den vielen berühmten Vorgängern, die MTV Unplugged zu einer Kultmarke in der Musikwelt gemacht haben, unfair. Doch wenn sich der Hörer eines Unplugged-Albums fühlt wie auf einem Kindergeburtstag, dann läuft irgendetwas schief. Doch es ist so, wie es ist: Cro spult sein Hit-Feuerwerk mit Songs wie „Hi Kids“, „Bad Chick“, „Whatever“, „Wir waren hier“, „Bye Bye“ und „Easy“ runter, lässt seine adeligen Gäste aus dem Osten ihren eigenen Smasher „Millionär“ runterreißen und bringt dabei das Kunststück fertig, maximale Gleichgültigkeit zu verbreiten.

Der wohl kurioseste Moment des Gigs stellt sich dabei ein, als Cro die Besucher zu einem „und jetzt alle!“ auffordert – und nichts zurückkommt. Oh, du herrliche Tristesse! Aber das hat der kindlich wirkende Rapper davon, wenn er sein Konzert in Ludwigsburg aufzeichnet und sein Publikum mehrfach mit „Stuuuuttgaaaart“-Rufen beglückt. Mal schauen, ob die Jungs von Revolverheld, die als nächstes ohne Strom für den ehemaligen Musiksender ins Rennen geschickt werden, bei ihren Aufzeichnungen im April in der Friedrich-Ebert-Halle in Hamburg auch verpeilt „Hallo, Bremen!“ gerufen haben.

Anspieltipps:

  • Du
  • Bye Bye
  • Melodie
  • Whatever
  • Meine Gang
  • Einmal um die Welt
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