Stephan Bodzin - Powers Of Ten - Cover
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Stephan Bodzin Powers Of Ten


  • Label: Herzblut Recordings/Rough Trade
  • Laufzeit: 78 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Techno und House fernab von Trends und Strömungen zeitlos präsentiert.

Stephan Bodzin, seines Zeichens Connaisseur und aktives Mitglied der globalen Technoszene, veröffentlicht mit „Powers Of Ten“ nach „Liebe ist...“ (05/2007) seinen zweiten Longplayer. Moment mal, ist Techno nicht diese überaus schnelle Haudrauf-Mucke aus den Neunzigern, zu der man wie ein Bekloppter tanzen muss / soll / darf? Ja und Nein, denn Techno ist viel mehr als Mayday, die vergessenen RMB oder „The Darkside“ - wie Bodzin bis zum äußersten Rand einer CD eindrucksvoll unter Beweis stellt.

Vor allem handelt es sich bei „Powers Of Ten“ um keine astreine Techno-Präsentation, sondern um einen Techno/House-Hybriden, sodass man mitunter gar nicht weiß, ob das nun noch das eine oder schon das andere Genre ist. Nach 78 schweißtreibenden Minuten ist das aber ziemlich schnuppe, denn der 45-jährige Bremer versteht sein Handwerk. Und selbst wenn das in den Orbit abdriftende „Sputnik“ etwas zerfahren ist, der Titeltrack den Höhepunkt mit ab- und anschwellendem Gestus deutlich über die Aufmerksamkeitsspanne hinaus schießen lässt und „Wir“ in seinen fast 11 Minuten ein interessantes Spektrum aufbaut, letzten Endes aber doch zu langgezogen ist, gibt es noch sieben andere Kompositionen, die alles richtig machen.

„Singularity“ beschränkt sich z.B. auf das Zusammenspiel aus lebendigen Synthesizer-Klängen und ruhenden Beats, während „Ix“ ein Oszilloskop als Stichwortgeber installiert und der treibenden Bassline mächtig Dampf unterm Arsch macht. „Blue giant“ hingegen agiert geradliniger mit wabernden Samples und „Zulu“ generiert trotz Minimalismus-Ästhetik eine hypnotische Tieftonschleife, von der manch andere Acts nur träumen dürfen. Mit dem relaxten „Lila“ offeriert Bodzin dem Hörer sogar einen ordentliche Katharsis, die sofort auf die Tanzfläche zielt und „Odyssee“ beginnt mit einer langsam umherfliegenden Melodie, die von Handclaps eingefangen und anschließend zu einem extrem hüftenwackelnden Abschnitt begleitet wird.

Der mit Abstand prägnanteste Höhepunkt ist allerdings „Birth“. Hier schöpft Stephan nicht nur aus der vollen Tech House-Trickkiste und schafft es auch, die eigentliche Geburt durch gesampeltes Frauen-Gestöhne zu einer wunderbaren, sich ständig in Bewegung befindlichen Klangreise grandios umzusetzen. Einige mag der nicht sonderlich innovative, ja geradezu nüchterne Ansatz hinter den neuesten Kompositionen Bodzins etwas verwundert oder gar kopfschüttelnd zurücklassen, stand der Deutsche doch immer für dezente Weiterentwicklung. Aber in vorliegender Form konnte wenigstens ein zeitloses Stück elektronischer Musik entstehen, das sich in zehn Jahren mindestens genauso frisch anhört wie heute und das, ohne lange Erklärungen über die Entstehungsgeschichte, die damalige Zeit oder mögliche, wegweisende Produktionshintergründe über sich ergehen lassen zu müssen.

Anspieltipps:

  • Lila
  • Zulu
  • Birth

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