DJ Koze - DJ Kicks - Cover
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DJ Koze DJ Kicks


  • Label: !K7/INDIGO
  • Laufzeit: 69 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Meister der Grenzüberschreitungen schlägt auch in seiner DJ Kicks-Adelung ganz spezielle Töne an.

Die DJ Kicks-Reihe erfreut sich seit ihrer Einführung vor knapp 20 Jahren und dem Fokus auf den Menschen hinter den Plattentellern größter Beliebtheit und gilt unter Connaisseurs als die Königsdisziplin der Mixtapes. Mit dem 50. Ableger haben sich die Inhaber, das Kultlabel !K7, nun eine ganz besondere Ehre erwiesen und Stefan Kozalla alias DJ Koze eingeladen. Dieser gilt seit seinen Anfängen in den frühen 90e- Jahren als musikalischer Tausendsassa und wirkte nicht nur in der Formation Fischmob mit, sondern machte sich zeitgleich als nach allen Seiten ausschlagender Electronica-Spezialist einen Namen.

Kein Genre blieb unangetastet und kein Set glich einem anderen. Diese Maxime hat Koze für DJ Kicks beibehalten und stellt auf diesem Weg keinen Beat für Beat angepassten Mix zur Verfügung, er erschafft stattdessen etwas viel wichtigeres: Stimmung. Diese führt keineswegs zu ausgelassener Partystimmung und fußt in den Tiefen schwerer Melancholie. Die Konsequenz und Chuzpe, mit der er dies macht, ist jedenfalls unvergleichlich. „Ich wollte kein sophisticated knowledge kicken, sondern einfach versuchen gute Perlen zusammen zu weben, die sich für jeden erschließen, auch wenn man nicht unbedingt ein Musiknerd ist“, gibt Koze zu Protokoll und steigt mit seinem exklusiven Opener „I haven´t been everywhere but it´s on my list“ ein, der mit zerschnipselten Vocal-Samples und brüchiger Samplestruktur den roten Teppich für die kommenden Tracks ausrollt.

Nach der geschmeidigen Nachbearbeitung von Dimlites „Can´t get used to those“ und dem verschrobenen Boards Of Canada Remix von Clouddeads „Dead dogs two“ ist man bereits gefangen und stimmt dem Meister ohne Widerworte zu, wenn dieser meint: „Tagsüber brauch ich nichts im Takt gemixtes hören. Ich hab´ den Fokus darauf gerichtet, dass es harmonisch passt.“ Die einzelnen Stücke werden hingegen von Spoken Word-Beiträgen, Hörspiel-Fetzen und kleinen Dialogen, wie der Frage eines kleinen Mädchens nach der Hookline-Großartigkeit von Homeboy Sandmans „Holiday“, zum Ausgang begleitet oder dort von diesen empfangen. Bevor Koze auf den letzten Metern dann doch noch von der kopfnickenden Tagträumerei, Dream Pop-Faszination, Downtempo-Laszivität und souligen HipHop-Eleganz in eine tanzbarere Richtung umschwenkt, rührt vor allem die traurige Geschichte in „It hasn´t happened yet“ von „the one and only“ William Shatner zu Tränen und die Surfgitarre in Daniel Lanois’ „Carla“ entführt den Hörer in eine erholsame Parallelwelt, die den Alltagsstress behutsam zur Seite schiebt.

Ein wenig Nachbearbeitung hat sich Koze aber nicht nehmen lassen, sodass ca. 50% der Tracks im Kosi Edit zu hören sind, in denen z.B. wie in „Bring the sun“ die Ambient-Flächen stärker zur Geltung kommen oder Session Victims „Hyuwee“ völlig anders strukturiert und aufgebaut wird. Besonders lecker wurde „Come get it“ und „Modern family“ zu einer Kosi Kos-Melange vermengt. Dass es sich hier um zwei völlig unterschiedliche Nummern handelt, merkt man dem Mashup zu keiner Sekunde an und das Ziel des Meisters, die „Anmutung einer Radiosendung zu schaffen, wie es einst z.B. John Peel so einmalig vorlebte“, ist dem mittlerweile 43-Jährigen mit Bravour gelungen. Die Mission, die DJ Kicks-Serie zu ihrem 50er zu etwas Besonderem zu machen, ist hiermit jedenfalls vorzüglich geglückt.

Anspieltipps:

  • Homeboy Sandman - Holiday (Kosi & Finks Edit)
  • Clouddead - Dead Dogs Two (Boards Of Canada Remix)
  • Hi-Tek - Come Get It (Tekstrumental) / Modern Family (Kosi Kos Mélange)
  • William Shatner - It Hasn´t Happened Yet

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