Luca Turilli´s Rhapsody - Prometheus - Symphonia Ignis Divinus - Cover
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Luca Turilli´s Rhapsody Prometheus - Symphonia Ignis Divinus


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 57 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Dahinplätscher-Metal mit viel Bombast, aber wenigen Inhalten. Ach ja: Rondò Veneziano ist mittlerweile härter, krasser und interessanter als das!

Auch wenn alles um Luca Turilli und seine ehemalige Band Rhapsody Of Fire seit jeher kritisch vom Standard-Metaller betrachtet wird, so gibt es doch keinen Zweifel daran, dass so manches Album, an dem der Gitarrist beteiligt war, zu den Meilen- und Grundsteinen des italienischen Metals gehören. In der zweiten Hälfte der 90er-Jahre hat Rhapsody Of Fire, damals noch unter dem Namen Rhapsody, eine ganze nationale Szene geprägt und ist so was wie der Urvater des Italo-Power-Metals. Nach vielen, vielen Jahren wagte Turilli den Absprung: „From Chaos To Eternity“ (2011) war das letzte Album seiner einstigen Hauptband, an dem der Gitarrist, Keyboarder und Mastermind beteiligt war. Seitdem gibt es zwei Rhapsodys. Während Fabio Leone (Rhapsody Of Fire, jetzt fest bei Angra, unzählige Underground- und Kennerbands aus Italien) die Stellung hält, mit „Dark Wings Of Steel“ (2013) aber nicht mal im Ansatz die gewohnte Qualität erreichen konnte, ist Signore Turilli mit seinem „Ascending To Infinity“ (2012) ein echter Kracher gelungen, der beweist, dass er eben das Herz der Original-Rhapsody gewesen ist.

Vielleicht ist ihm sogar das beste Rhapsody-Album seit „Power Of The Dragonflame“ (2001) gelungen - mal abgesehen von seinen fantastischen „King Of The Nordic Twilight“ (1999) und „Prophet Of The Last Eclipse“ (2002), welche wohl nie wieder von einer Turilli-verwandten Arbeit getoppt werden können. Die Vorgehensweise ist dabei denkbar einfach und klar nachzuvollziehen, wenn man sich die Diskographie Rhapsodys anschaut: Höher, schneller, weiter! Chöre, Orchester und das prägnante, wahnwitzige Gitarrenspiel von Turilli bilden eine Einheit und sind seit dem Split auch vom Ballast der Emerald Sword Saga befreit, die nach und nach ihre Attraktivität als Metal-Trash verloren hat. Stattdessen bietet Luca Turilli's Rhapsody ein freies lyrisches Konstrukt, welches zumindest „Ascending To Infinity“ angenehm anders machte und so manch einen Fan euphorisch stimmte.

Jedoch geblieben ist der verkaterte Morgen danach. Dabei machen Turilli und seine Kollegen gar nicht mal so viel anders. Backe backe Kuchen mit Metal, dann doppelt so viel Zuckerguss wie der Kuchen wiegt anrühren, alles schön drüber gießen - und zwar so, dass vom Metal nicht mehr übrig bleibt: Fertig ist „Prometheus - Symphonia Ignis Divinus“. Im Line-up hat sich außer beim Austausch der Drummer (für Alex Holzwarth springt Alex Landeburg ein) nicht viel verändert. Allen voran kann Alessandro Conti glänzen, dem Luca Turilli's Rhapsody weitaus mehr abverlangt als seine Hauptband Trick Or Treat. Der Absolvent der renommierten Corale Lirica Rossini (u.a. Luciano Pavarotti) ist auch auf „Prometheus - Symphonia Ignis Divinus“ der absolute Hinhörer und vielleicht der technisch versierteste Sänger, der jemals mit Turilli zusammen gearbeitet hat. Im Endeffekt macht das aber keinen großen Unterschied, denn...

Mit „Prometheus - Symphonia Ignis Divinus“ stagnieren die Italiener auf hohem Niveau. Natürlich ist die Produktion erste Sahne und natürlich wissen der inflationär eingesetzte Chor und das Orchester zu begeistern. Wenn aber wirklich alles darauf ausgelegt wird, wirkt das wie ein fauler Kompromiss. Während Rhapsody Of Fire und auch das Vorgängeralbum „Ascending To Infinity“ mit feschem Power Metal bzw. Kreativität in der Hinterhand dienen konnten, bleibt „Prometheus - Symphonia Ignis Divinus“ unangenehm blass und weiß trotz schweren Geschützen kaum zu faszinieren. Was bitte soll uns ein „Of Michael The Archangel And Lucifer's Fall Part II: Codex Nemesis“, übrigens die Fortsetzung des Longtracks von „Ascending To Infinity“, sagen, außer dass es beeindruckende 18 Minuten lang ist? Warum entscheiden sich Luca Turilli's Rhapsody nicht langsam dazu, komplett auf Italienisch zu singen? Als damals Rhapsody zum ersten Mal eine italienisch eingesungene Ballade bot, hieß es noch, dass die Band unbedingt in ihrer Muttersprache singen musste, um die Emotionen zu transportieren. Mittlerweile haben sie sich doch selbst damit ein Beinchen gestellt. „Il Tempo Degli Dei“, „Notturno“ oder „Il Cigno Nero“ sprechen da eine ganz klare Sprache. Letzteres ist der Opener nach dem Intro „Nova Genesis (Ad Splendorem Angeli Triumphantis)“, welches traditionell ein Turilli-Werk einleitet und so deplatziert und sinnlos wie noch nie wirkt. Das Orchester und der Choreinsatz mit seinem Standard-„Ha!!!-Ha!!“ werden das Kind schon schaukeln...

„Il Cigno Nero“ ist dann schließlich so sehr auf Rondò Veneziano heruntergebrochen, dass man allen Rhapsody-Kritikern mittlerweile Recht geben will, der Band den Metal-Status zu entziehen. Auch sonst ist nicht viel los. Während „Ascending To Infinity“ mit Spielfreude und gutem Songwriting aufwartete, pflegen Turilli und seine Jungs auf dem Nachfolger die Langeweile. „Rosenkreuz (The Rose And The Cross)“ ist nicht mal die mittelmäßige Standard-Single, „Yggdrasil“ lässt einen regelrecht nach einer Band schreien, welche das Sujet verstanden hat (Therion) und vom bereits erwähnten Longtrack darf lediglich gesagt werden, dass verdammt nochmal jede Band, die keine Ahnung hat, wie ein solcher funktioniert, das bitte auch zu unterlassen hat. Lediglich das chaotische, doch stilsichere „King Salomon And The 72 Names Of God“ weiß mit einem an Orphaned Land erinnernden Einschlag zu gefallen und auch den Herr-der-Ringe-Topos erfüllt sich Luca Turilli nach vielen Jahren und Ankündigungen endlich. „One Ring To Rule Them All" will mit aller Macht nicht nach Howard Shore ("The Hobbit: An Unexpected Journey") klingen, was der Hörer zu jeder Sekunde spürt. Dafür machen es Luca Turilli's Rhapsody wenigstens mitreißend und in jenem Falle sollte man dankbar dafür sein!

Das alleine reicht aber noch lange nicht für ein gutes Album und in diesem speziellen Falle nicht mal für ein mittelmäßiges. Schade, dass Luca Turilli und seine Band nach ihrem so guten Start nicht weiter den Kurs halten konnten. Was bleibt, ist ein langweiliges Album, das mit seiner krassen Opulenz zu jeder Zeit davon ablenken will, dass da mehr mit Schein als mit Sein gearbeitet wurde. Vielleicht werden Luca Turilli und die Rhapsody-Familie irgendwann merken, dass ein gutes Album (bzw. ein „Meisterwerk“ - ein Wörtchen, das bei vielen Fans sehr locker im Munde liegt) einfach mehr braucht. Gekonnt haben sie es ja schon! In der momentanen Form sollte sich Meister Turilli lieber noch mal auf die fünf Buchstaben setzen und darüber nachdenken, was wirklich seine Stärken sind. „Prometheus - Symphonia Ignis Divinus“ ist ein Werk, welches den Shark gejumpt hat - wie man so schön sagt. Mehr denn je wünscht man sich selige „Dawn Of Victory“- oder „King Of The Nordic Twilight“-Zeiten zurück. Fazit: Selten war weniger so viel mehr und selten hat man von mehr so zu viel gekriegt.

Anspieltipps:

  • One Ring To Rule Them All
  • King Salomon And The 72 Names Of God

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