Kitsuné - Kitsuné America Vol. 4 - Cover
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Kitsuné Kitsuné America Vol. 4


  • Label: Kitsune/Rough Trade
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

„America 4“ bietet einen Überblick über aktuelle Talente aus dem Electro-Pop- und Indie-Rock-Umfeld vom nordamerikanischen Kontinent.

Kitsuné ist ein Pariser Label, das 2002 gegründet wurde und sich hauptsächlich um Musiker im Bereich von Electro-Pop und Indie-Rock kümmert. Zu den bekannteren Künstlern, die dort schon mal Songs veröffentlicht haben, gehören die Indie-Rocker vom Two Door Cinema Club und The Whitest Boy Alive, das Projekt von Erlend Øye, der einen Hälfte der Kings Of Convenience. Mit der vierten America-Zusammenstellung möchten die Verantwortlichen wieder neue Namen bekannt machen, die unter deren Americana-Begriff fallen. Musikfreunde, die darunter bisher nur alle Spielarten der Roots-Music, also Blues, Folk, Country und Verwandtes verstanden, werden wahrscheinlich bei dieser Auslese die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und genervt abschalten. Man braucht schon ein weites musikalisches Interessengebiet und eine vorurteilsfreie Sichtweise, um das eher modern gehaltene, bunte Panoptikum der Klänge in Gänze würdigen zu können. Aber genau diese Vielfalt macht den Reiz an dieser Kollektion aus, führt aber in der Regel auch dazu, dass man wahrscheinlich nicht alle Darbietungen gleichermaßen schätzen wird.

Los geht es mit Kacy Hill, die grade unter die Fittiche von Kanye West genommen wurde. Ihr „Experience“ ist kühler, roboterhafter Electro-Pop, der mit schrill-hoher Stimme vorgetragen wird. Das klingt in Kombination künstlich und mechanisch. Basecamp haben ganz genau bei James Blake zugehört. Die Break-Beats von „Watch My Back“ wirken zumindest genauso intellektuell, unnahbar und verstörend. Indie-Pop mit nervös klopfendem Rhythmus bietet Dutch Party, setzt sich aber nicht von anderen Bands dieser Richtung positiv und auffallend ab. Lasziv und frech zugleich zeigt sich Beau. Ihr „C`mon Please“ kann durch die Wechselwirkung von verschlepptem Rhythmus mit sich dagegen auflehnendem Gesang gefallen. Schrammel-Gitarren leiten „This Life“ ein und werden im Verlauf durch feurige Lead-Gitarren ergänzt.

Heat heißt die vortragende Band, die angenehm und gekonnt ihren Gitarren-Rock mit Power-Pop aufwertet. Grace Mitchell ist eine ernsthafte Chanteuse, deren Ballade „Broken Over You“ Pathos und Chill-out-Stimmung miteinander vereinbart. Modernen R&B hört man von Joyce Wrice. Voll im Trend und voll austauschbar. Das gleiche gilt im Prinzip auch für Metoux. Teeny-Pop, unschuldig und so leicht, dass er in Milch schwimmt, das ist das Metier von Milk & Bone. Im Vergleich dazu sind Mothxr Düstermänner. Sie transportieren nicht ganz den stoischen Charme von New Order, benehmen sich aber wie deren Erben. Dance-Pop fehlte noch im Reigen: Ricoshëi schaffen da Abhilfe, agieren aber ziemlich zahn- und leidenschaftslos. StéLouse sind leider mit ihrem instrumentalen Gegenstück „Stroll“ auch nicht interessanter. Erfrischenden, jugendlichen Power-Pop präsentieren Toro Y Moi und setzen mit „Empty Nesters“ einen markanten Höhepunkt des Samplers. Das Quintett Twin Peaks aus Chicago schlägt in die gleiche Kerbe, packt aber zum Ende von „Telephone“ noch seine Rock`n`Roll-Schuhe aus.

„America Vol. 4“ ist ein zusammengewürfelter Haufen von 14 unterschiedlichen Eindrücken mit Schwerpunkt Elektro-Pop. Das ist im Prinzip ein Supermarkt der Leidenschaften oder ein Gemischtwarenhandel der Gefühle mit Blick auf den nächsten möglichen Chart-Erfolg. Da ist sicher (fast) für jeden was dabei, aber (fast) niemand wird durchgängig zufrieden sein. Für einen Überblick ist das ganz prima geeignet, ein genussvolles Durchhören ist aber eher schwierig. Zehn der 14 Tracks wurden übrigens exklusiv für diese Kompilation eingespielt, was den Sammlerwert dieses Überblicks erhöht.

Anspieltipps:

  • Beau - C`mon Please
  • Heat - This Life
  • Toro Y Moi - Empty Nesters
  • Twin Peaks - Telephone

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