Asian Kung-Fu Generation - Wonder Future - Cover
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Asian Kung-Fu Generation Wonder Future


  • Label: Kioon Music Inc.
  • Laufzeit: 44 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Aus Versehen die Shuffle-Taste getroffen? Kein Problem. „Wonder Future“ zündet immer.

J-Rock ist weiterhin an und für sich ein fehlleitendes Wort, wenn die Musik der Asian Kung-Fu Generation besprochen wird. Das Quartett setzt seit jeher auf einen sehr westlichen Klang. Hier und da lässt sich an bestimmten Gitarrenriffs und Einsätzen von Synthesizern die Herkunft der Band ausmachen, doch die Inspirationen von Bands wie Weezer waren nie ein großes Geheimnis. Auf „Wonder Future“ legt die Asian Kung-Fu Generation ihre verspielten Versatzstücke weiter ab und liefert das seit „World World World“ wohl stringenteste und in sich am besten geschlossene Album ab.

Es ist zu vermuten, dass sich der Sänger der Truppe letztes Jahr, als er unter dem Künstlernamen „Gotch“ unterwegs war, die sonstigen Experimente von der Seele gesungen hat. Auf „Wonder Future“ ist nur noch Platz für Rock und Power-Pop geblieben. Lieder wie das launische „Caterpillar“ und das hoffnungsvolle „Signal On The Street“ erinnern an eine Zeit, als Muses Matthew Bellamy tatsächlich eine Frisur wie in einem Teenie-Film hatte. Der Geist dieses in jedem Sinne positiven Emo-Rock wird auf „Wonder Future“ mit erschreckender Genauigkeit eingefangen. Ganz gleich welches Lied angespielt wird, landet der Hörer ganz schnell in einer Stimmung, die an glückliche Stunden mit „American Idiot“ und „Three Cheers For Sweet Revenge“ erinnert.

Die als Jugendlicher nicht vergehende Hoffnung auf Liebe ist in „Eternal Sunshine“ so ergreifend, wie der Optimismus des simplen Coming-of-Age-Titellieds auf die Hörer überschwappt. Erstaunlich ist dabei wie üblich, dass die Band dies allein über den Klang der Instrumente und den Gesang schafft, sodass auch nicht kundige Menschen der japanischen Sprache ihre helle Freude haben sollten. Um zum College-Punk-Rock-Tribut „Planet Of The Apes“ abzugehen, braucht es nur ein Verständnis der Stimmung.

Das Album gestaltet die Einführung zusätzlich angenehm, da das Album mit „Easter“ den wohl westlichsten Sound des Albums zuerst präsentiert. Diverse Aufnahmen im Studio der Foo Fighters machen sich besonders im klassisch gehaltenen und pumpenden Opener bemerkbar. Und direkt nach dieser vertraut klingenden und brachialen Einführung haut die Band ohne Rücksicht auf Verluste mit „Little Lennon“ und „Winner And Loser“ zwei ihrer besten Rocksongs heraus.

„Wonder Future“ ist das Album geworden, welches die Band vor 12 Jahren so noch nicht hätte machen können. Sie verzichtet bewusst und bestimmt nicht zu jedermanns Freude auf die über die Jahre gestarteten Experimente und die Bandbreite ihres Sounds. Die neue Scheibe ist allein mit englischen Titeln ausgestattet als Neuvorstellung gegenüber einem größeren Publikum. Das mag auf dem Papier anbiedernd klingen, führt in der Realität aber immer noch zu schlichtweg fantastischen Ergebnissen.

Im schlimmsten Fall zementiert die Band auf diesem Album ihren „Standard“. Und das ist kein blöder Wortwitz, da „Standard“ für „Wonder Future“ ähnliches beweist wie die Songs Green Days erster Rock-Oper. Selbst die konservativ wirkenden Stücke erweisen sich ganz schnell als Musik-Magneten, die zu immer weiteren Hördurchgängen einladen. Mit dieser Konzentration auf gut gemachte und massentaugliche Klänge entwickelt sich die Band weniger weiter, als vielmehr mit breiter Brust zu beweisen: „Wir haben es immer noch drauf!“

Anspieltipps:

  • Winner And Loser
  • Little Lennon
  • Prisoner In A Frame

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