The Fratellis - Eyes Wide, Tongue Tied - Cover
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The Fratellis Eyes Wide, Tongue Tied


  • Label: Cooking Vinyl/INDIGO
  • Laufzeit: 44 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

The Fratellis bluffen ein Ass vor und beweisen sich dann doch nur als Jack of all Trades.

Als Hörer und Fan gibt man The Fratellis nur ungern auf. Zu stark bleibt die Erinnerung an „Chelsea Dagger“, welches als Synonym für die Qualität der Band steht. Gleichzeitig ist der Hit von vor über acht Jahren auch immer noch eine Messlatte, welche die Band für viele Anhänger seitdem nicht mehr erreicht hat. Die Rückkehr „We Need Medicine!“ war zwar mehr als versöhnlich, doch vom sicher geglaubten Kult der frühen Tage ist nicht viel geblieben. Es ist allerdings spätestens jetzt an der Zeit, The Fratellis in ihrer zweiten Karrierephase als neues und leicht anders ausgelegtes Projekt zu betrachten.

Auch wenn diese Worte sich wie eine große Entschuldigung dafür lesen, dieses Album noch mal mit einem blauen Auge davonkommen zu lassen, soll nichts ausgespart werden. Die Band hat schlichtweg nicht mehr diesen Biss von einst und spult ihr Programm eher brav herunter. „Me And The Devil“ ist als Opener dabei wie ein Ausblick auf den nicht gewählten Weg. Äußerst stimmungsvoll und mit einer Melodie zum Niederknien wird „Eyes Wide, Tongue Tied“ eröffnet. Der Sound ist voll, variiert und birgt eine für die Gruppe unerwartete Tiefe, die so allerdings auch nicht mehr erreicht wird.

Die meisten Hörer werden sich auf Dauer doch an Radio-Melodien wie im braven Country-Rocker „Impostors (Little By Little)“ oder der poppigen Nummer „Thief“ ergötzen. Solche Lieder klingen gerade dank des gewohnt ausdrucksstarken Gesangs weiterhin gut, doch allein eine solche Qualität konnte schon die letzten Green Day-Alben nicht retten. Nur im Opener wird kurz nach den Sternen gegriffen. Ansonsten ist es schon schön, wenn die Band sich auf ihre alten Stärken als Rockband besinnt und in „Baby Don't You Lie To Me“ und „Too Much Whine“ zumindest Musik zum Kopf abschalten bietet.

Oftmals klingen die Ansätze auf der neuen Scheibe jedoch derart berechnend, dass der vermeintliche Wahnsinn eines „Getting Surreal“ zu gezwungen wirkt. Dazu stolpert der Sound ganz schnell, wenn die Melodien nicht sofort in den Kopf gehen. „Desperate Guy“ muss sich ganz klar als abgespeckte Version von „Impostors (Little By Little)“ bezeichnen lassen und „Slow“ ist die typische Slow-Dance-Ballade. Dass solche Stücke nicht erzwungen werden müssen, zeigen das entspannte „Moonshine“ und auch das angenehm gebremste „Rosanna“.

Im Gegensatz zur Rückkehr-Fanfare namens „We Need Medicine!“ hat das neue Album keine wirkliche Richtung vorzuweisen. Eine Band ist in ein Studio gegangen und hat einfach mal aufgenommen. Das geht bei Debüts gerne mal gut, wobei Frische und Entdeckungslust oftmals kleinere Schwächen ausmerzen. The Fratellis klingen inzwischen viel zu abgeklärt, als dass sie noch großartige Überraschungen entstehen lassen könnten. Dass sie dafür inzwischen Stärken haben, deuten sie auf „Eyes Wide, Tongue Tied“ leider nur an. Hoffentlich finden sie den Mut, weniger abwechslungsreich und dafür ein wenig tiefer zu schürfen, wenn es an das nächste Werk geht.

Anspieltipps:

  • Me And The Devil
  • Baby Don't You Lie To Me!
  • Rosanna

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