Vattnet Viskar - Settler - Cover
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Vattnet Viskar Settler


  • Label: Century Media/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 39 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
8.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Das schwierige zweite Album als Thema. Vattnet Viskar haben es nicht anders gewollt.

Nicholas Thornbury (Gesang, Gitarre), Christopher Alfieri (Gitarre), Casey Aylward (Bass, frisch hinzugekommen) und Seamus Menihane (Schlagzeug) hätten es deutlich einfacher haben können. „Sky Swallower“ (09/2013), ihr Debüt beim Metal-Experten Century Media, bekam international hohe Wertungen und tauchte dann umgehend auch in der einen oder anderen Bestenliste auf. Das Konzept, atmosphärischen Black Metal mit ausufernden Instrumentalpassagen à la Isis oder Pelican zu paaren, ging voll auf und jeder, der ein offenes Ohr für die fabelhafte Hochzeit zwischen Post und Black Metal hatte, hoffte auf ein ähnlich grandioses Erlebnis, wenn Vattnet Viskar zum zweiten Mal veröffentlichen sollten. Leider wurden bei den damaligen Hoffnungen und Wünschen die persönlichen Ambitionen des Vierers vergessen.

Statt eine Kopie ihres Erstlings anzufertigen, der ein paar Neuerungen und Ideen enthält, krempelten Thornbury & Co. einfach alles um und tauschten die teilweise andächtige Stille und behutsame Vorgehensweise des Vorgängers gegen rohe Gewalt. Zur Beruhigung, „Settler“ ist damit natürlich noch immer kein reinrassiges Schwarzmetallalbum unter vielen geworden (dafür sind sich die vier Amerikaner zum Glück noch zu schade), aber es gibt definitiv eine starke Tendenz zu der DIY-Attitüde des Genres. Das fängt bei der verstörenden Produktion an, die das verzerrte Krächzen von Nicholas nochmals durch den Verzerrer jagt, und geht weiter bei häufig eingesetzten Rückkoppelungen, Hochtönen und Fieplauten, die die ersten Durchgänge zu einer Zerreißprobe machen. Kein Wunder, wenn man Sanford Parker von den avantgardistisch veranlagten Twilight und Nachtmystium um Hilfe bittet.

Wie bei vielen anderen Veröffentlichungen, die erst mit der Zeit ihr wahres Ich preisgeben und sich zu individuellen Klassikern mausern, bittet auch „Settler“ nach ein paar Umrundungen in sein Innerstes und offenbart vielleicht nicht die alles überstrahlende Schönheit der Melancholie von „Sky Swallower“, aber es regt zur Auseinandersetzung und näheren Beschäftigung mit den enthaltenen Themen an. Kernstück des Ganzen ist die eindrucksvolle Nachbildung eines Fotos von Christa McAuliffe, das sie überglücklich strahlend während einer Übung im luftleeren Raum zeigt und das Covermotiv bildet. Christa wurde 1985 für das „Lehrer im Weltraum“-Programm der NASA ausgewählt und kam bei der Explosion der Raumfähre Challenger am 28. Januar 1986 ums Leben. „It’s a photo of her in a zero gravity chamber and she looks so alive and glowing. It’s one of the most conflicted things I’ve ever seen: to be so happy, at the peak of life, only to have it all gone right after. The cover is an interpretation of that photo. I take from it that being meant to do something meaningful in your life isn’t always going to go the way it’s planned“, erläutert Gitarrist Alifieri die Gedanken dahinter.

Um dieses Foto bauen Vattnet Viskar dann die einzelnen Stücke. Am Anfang steht meist Hoffnung, eine zarte Melodie, ein schwermütiger Moment. Mit unbarmherzigen Schlägen direkt in die Magengrube wie in „Colony” oder „Impact” bekommt es der Hörer zwar auch zu tun, diese haben aber meist einen größeren Auftrag und stehen meist für das Aufeinanderprallen zweier Welten. Hier der rohe Black Metal, dort zarte Post Metal-Schwermut. Die Übergänge sind nicht mehr erkennbar, man weiß nicht mehr genau, wann das Unheil eintritt oder ob doch die Erlösung naht. Dazwischen immer wieder Interferenzen, Piepen, Atemnot. Wer Alfonso Cuaróns Weltraum-Thriller „Gravity“ gesehen hat oder den dazugehörigen Soundtrack von Steven Price kennt, der wird hier definitiv einige Ideen wiederfinden. Wo das alles hinführen soll? Zu einem atmosphärisch dichten, aber ohne Frage die volle Aufmerksamkeit auf sich ziehenden Erlebnis, das im Vergleich zur Luftigkeit des Vorgängers tonnenschwer auf den Schultern lastet. Subtil eingewobene Pop-Elemente („Impact“), flirrende Gitarren („Coldwar“) und Alternative Metal-Habitus („Glory“) beschwören einen verschwommenen Blick in die Zukunft. Vorher müssen sich Vattnet Viskar jedoch erst einmal vom Aufprall erholen.

Anspieltipps:

  • Impact
  • Colony
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