Creepoid - Cemetery Highrise Slum - Cover
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Creepoid Cemetery Highrise Slum


  • Label: Rykodisc/WEA
  • Laufzeit: 41 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Lichtundurchlässiger Alternative-, Post- und Indierock, welcher aber weitaus konstruierter als zuvor daher kommt.

Creepoid, das sind Anna und Patrick Troxell, Sean Miller und Nick Kulp, kommen aus Philadelphia und starteten eigentlich als Kunstprojekt. Dass es mal so weit kommen sollte, als Band mit mittlerweile stattlichen drei Alben und einer EP dazustehen, hätte damals wohl keiner gedacht. Aber tatsächlich kam es so. So einfach und locker das jetzt auch klingen mag, ist es in Wirklichkeit gar nicht gewesen. Der Aufnahmeprozess des dritten Langspielers war gefährdet und kam ins Stocken, als der Gitarrist und Mitbegründer Pete Joe Urban kam und von Nick Kulp abgelöst wurde, der bereits mit der Band zusammenarbeitete und das Cover ihres Debüts gestaltet hatte. Mit ihm wurde „Cemetery Highrise Slum“ in Savannah, Georgia, vollendet.

Dass mit „Cemetery Highrise Slum“ ein gewisser Reifeprozess demonstriert werden soll, machen Creepoid klar. Es soll Dinge thematisieren, über die „Erwachsene“ denken: Altwerden, Tod, Reichtum. Musikalisch hingegen bleibt man sich treu und schöpft aus dem randvoll gefüllten Pool des Alternative Rock. „Cemetery Highrise Slum“ deckt eine Menge ab, sei es Post-Rock, Grunge oder Indie. Sogar ein wenig Psychedelic, Shoegaze oder Noise sind hin und wieder hörbar und fuzzy ist das Werk natürlich auch. Mit ihrer Herkunft aus Philadelphia gibt es zudem den Heimvorteil. Die vier Musiker versprühen eine ziemlich krude Coolness. Mal gibt es direkt einen in die Fresse („Devil In The Subtext“, „Calamine“, „Eating Dirt“), mal präsentieren sich Creepoid regelrecht intim („Fingernails“, „Seams“) oder auch sehr harmonisch und voller Melancholie („Shaking“, „Worthless & Pure“, „Here“). Mit dem Opener „American Smile“ hat die Band sogar einen radiotauglichen Hit am Start, wobei letzten Endes eine hypnotische Schwere und In-Sich-Gekehrtheit beinahe das komplette Album bestimmen.

Da suhlen sich die Musiker im Elend und ziehen ihre Hörer gleich mit. Licht lassen Creepoid nur sehr selten durch. Das gilt aber auch für Experimente. „Cemetery Highrise Slum“ klingt oftmals genau nach dem, was es nicht sein will oder sein soll: konstruiert. Das Quartett macht seine Sache zwar ohne Frage gut und stilsicher, hält sich aber auch sklavisch an die Genres, welche von ihm bedient werden. Viel Radiohead schwingt auch mit, das sonstige musikalische Korsett bietet nicht viel Luft zum Atmen. Wer bislang aber seinen Spaß mit Creepoid hatte, wird auch „Cemetery Highrise Slums“ mögen. Die Authentizität vergangener Alben, die Orientierungslosigkeit und Verzweiflung in den Texten und der Musik sind zwar nur noch am Rande zu erkennen, aber dafür bleiben sich Creepoid treu, bleiben souverän und wissen um ihre Stärken.

Anspieltipps:

  • Fingernails
  • Seams
  • Shaking
  • Pure

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