Comixxx - The Great Escape - Cover
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Comixxx The Great Escape


  • Label: Sonar Kollektiv
  • Laufzeit: 57 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
7.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Kannst du so machen, dann ist es halt mittelmäßiger Electro.

Ja, wo laufen sie denn hin? Die große Entfesselung ist immer so eine Sache, wenn der Künstler auf der Bühne ein noch unbeschriebenes Blatt ist. Das in Zügen schon ganz gut gemachte „Can U Feel?“ hat allerdings nicht unbedingt die Geburt einer Sensation angekündigt. Ein klarer Hang zu einfachen Pop-Strukturen und gediegenen Electro-Klängen ist schon lange kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Und die Chance, ein Virtuose zu sein, ist nun einmal auch immer recht gering. Comixxx stellt sich als solider Handwerker heraus, der eher sein Bewerbungsschreiben in der Produktion abliefert, als ein eigenständiges Stück Musik.

Schon im Opener wirkt der Gesang wie ein notgedrungener Nebenschauplatz neben der vollen und knackigen Produktion. Der Sound selbst fühlt sich zum Auftakt zwar noch ein wenig nostalgisch an, doch diverse 80er-Gefühle werden im Lauf des Albums zurückgelassen. Was sich dagegen nie ändert ist der methodische Einsatz des Gesanges. Worte werden äußerst unnatürlich und ohne eigene Bedeutung gesungen. Stattdessen haben sie sich rhythmisch an die synthetischen Töne anzupassen. Besonders offensichtlich und daher auch ungelenk ist dieses Stilmittel während „Slow Motion“ zu hören.

Sobald der technische Aspekt sich endgültig als Hauptattraktion durchgesetzt hat und selbst das im Grunde Single taugliche „Can U Feel?“ als Produktionsschaulaufen ohne eigene Identität endet, möchte man als Hörer die Lieder nur noch durchwinken. Wie bei der Qualitätskontrolle am Fließband werden die Tracks kurz genauer beäugt, hier und da für die billige Struktur-Verarbeitung („Slow Motion“) gerügt und in der Regel für das vernünftige Sound-Design gelobt. Ein gutes Fachwissen in Sachen Produktion allein ist allerdings noch nicht genug. „The Great Escape“ ist eine Erinnerung daran, da dem Album der rote Fade abgeht und oftmals kaum Herz und Überzeugung mitschwingen. Besonders die mit dem Thema Liebe behafteten Stücke „Miss You“, „Hearing You“ und „Love Is Overrated“ klingen auf emotionaler Ebene wie mit dem metaphorischen Wachsmalstift hingekritzelt.

Die rettende Qualität der Scheibe ist wenig überraschend die gute Produktion. Wenn selbst uninspirierte und schwach geschriebene Titel wie „Rock Bottom Riser“ nach durchschnittlichem Lounge-Material klingen, dann ist das schon eine Leistung. Gleichzeitig liefern die Titel selber bis auf wenige Ausnahmen allerdings überhaupt keine Gründe, aus denen Hörer auf irgendeine Weise auf dieses Album aufmerksam werden sollten. Weder im positiven, noch im negativen Sinne hinterlässt „The Great Escape“ einen großen Eindruck.

Anspieltipps:

  • Can U Feel?
  • Dark Spring Break
  • Broken Connection

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