Dawn Of Midi - Dysnomia - Cover
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Dawn Of Midi Dysnomia


  • Label: Erased Tapes/INDIGO
  • Laufzeit: 47 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist ein Uhrwerk in Albumgestalt.

Tick tack, tick tack, tick tack. So unerbittlich wie präzise gleicht „Dysnomia“ einem Metronom oder auch einem Schweizer Uhrwerk. So kunstvoll Letzteres aber auch gestaltet werden kann, ist das Ergebnis die perfekte Synchronisation von Sekunde zu Sekunde. Und genauso wie wir im Alltag nicht andauernd in Ehrfurcht auf unsere Uhren starren, verliert auch das Minimal-Werk von Dawn Of Midi nach einigen Nummern seine Faszination. Der höchste Respekt, der besonders dem Anfang des Albums gilt, ist nur teilweise etwas wert, wenn es dem menschlichen Hirn früher oder später unmöglich ist, die Kunst gutheißen zu können.

Einige wenige Interessierte werden den Namen Dawn Of Midi aus dem amerikanischen Podcast Radiolab kennen und die Band für ihre tollen Soundtracks feiern. Allerdings sind diese stets unterstützend und meist untermalend und nicht alleinstehend. Dass sie sich auf „Dysnomia“ übernehmen, hören auch ungeübte Ohren. Oder besser: Sie hören es eben nicht. Die Scheibe tickt in gleichmäßigem Rhythmus geradezu an dem Hörer vorbei. Was in „Io“ noch spannend zum Mitverfolgen erscheint, wird ganz schnell Routine und wirklich neu und anders als im interessanten Opener präsentiert sich „Dysnomia“ kaum.

Und so hoch die Qualität zu Beginn auch ist, sorgen die stets gleichen Kniffe dafür, dass man als Hörer einer Spieluhr lauscht. Ziemlich schnell geht es wieder von vorne los und das anfängliche Wunder verliert seinen Reiz. Auf sich allein gestellt ist gerade „Io“ ein tolles Beispiel für Minimal-Musiker, wie auch ohne großes Soundrepertoire Großes geleistet werden kann. Dawn Of Midi zwingen sich das Konzept dann aber doch so konsequent auf, dass das anhaltende Metronom das Gefühl erschafft, dass das Album eine Dreiviertelstunde durchläuft. Alles fühlt sich wie ein großer Song an, der im Ticken der Gleichsamkeit letztendlich untergeht und verschwindet. Das Prädikat „Hintergrundmusik“ drängt sich unangenehm auf und hinterlässt im Endeffekt nicht genug Eindruck, um das rhythmische Verständnis der Band auch als dauerhaft unterhaltsame Musik verkaufen zu können.

Anspieltipps:

  • Io
  • Ymir
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